Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
- Article
- Rechenschaftsbericht des Aktions-Comités
- Date
- 1903-08-25
- Page
- 10 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 10 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 2 Insbesonders die heranwachsende Jugend ist von nationaler Begeisterung, von Liebe und Hoffnung für den Zionismus erfüllt. - Nicht erst die Zukunft wird unser sein, schon die Gegenwart ist es, denn gegenüber den einzelnen Portikeln des Judentums sind wir die einzige die Gesamtheit umfassende Organisation. (Sturm, Beifall). Zum Berichte des A. C. ergriff als erster Redner Dr. Camille Levj das Wort, der Vertreter der schweizerischen Landsmannschaft. Er führte ungefähr folgendes aus: „Ich spreche hier als Vertreter der schweizerischen Landsmannschaft. Ich glaube, es wird in formeller Hinsicht richtiger sein, wenn man in dieser Debatte mehr die Vertreter der. einzelnen Landsmannschaften ihren Standpunkt vertreten lässt, sonst wird die Debatte ins Uferlose ausarten. Es hat uns interessiert, in der Eröffnungsrede von Dr. Herzl seine Mitteilungen, resp. die des Aktionskomitees zu vernehmen. Zum Berichte selbst haben wir keine Stellung genommen; denn einerseits handelt es sich um Zahlen im finanziellen Berichte, anderseits um den Bericht des Herrn Marmor ek über die .befriedigende Entwicklung der zionistischen Bewegung. Wir beschäftigen uns nur mit der brennendsten Frage, der Frage Ost-Afrikas, die, wie man sagen kann, der Kernpunkt des ganzen Kongresses ist. Ich denke wohl gleich, wie diejenigen, die da sagen werden: Nur Palästina und nichts mehr, aber anderseits sehen wir die traurige Lage des jüdischen Volkes, hauptsächlich in Ost-Europa. Wir können uns täglich überzeugen von der gewaltigen Emigration, von dem Zugrundegehen des jüdischen Volkes. Man muss in einer schweizerischen Stadt leben, um dieses Elend zu sehen, das unter den russischen Auswanderern herrscht. Es ist nicht nur ein ökonomisches Elend, sondern ein moralisches. Diese Leute sind ungelernte Arbeiter, die keinen Beruf kennen, und nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere ein Unglück sind. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, sagen wir: In der nächsten Zeit und Zukunft ist es fast unmöglich, dass wir von einer grossen Kolonisation in Palästina oder in einem Nachbarlande sprechen, dagegen wissen wir aus dem Bericht, dass Möglichkeit vorhanden ist, unter gewissen Bedingungen einen Landesteil in Ostafrika zu bekommen. Wir müssen endlich Stellung nehmen, um diesem Elend abzuhelfen; denn ein Veto wäre hier Verbrechen. Sie erinnern sich alle der biblischen Stelle: „Die Stimme des Blutes deines Bruders ruft zu mir von der Erde." Wir können sagen: „Die Stimme des Blutes unserer Brüder ruft zu uns von der Erde," und zwar der Brüder, die zu Grunde gehen in jeder Hinsicht. Wir müssen nun einmal erreichen, was wir können. In diesem Sinn stellt die Schweiz. Landsmannschaft folgenden Antrag: Der Kongress wählt eine aus 21 Personen bestehende Kommission; die die Frage Ostafrikas prüfen und dem Kon gress Bericht und Antrag stellen sollen. Der Kommission sollen vom Aktions-Komitee alle von ihr gewünschten Auskünfte erteilt werden. Herr T r i e t s c h : Ich bitte Sie, sich möglichst genau an das zu erinnern, was Dr. Herzl uns gesagt hat. Diejenigen unter Ihnen, die mich kennen, wissen, dass ich in dieser Partei bleibe, so lange die Notwendigkeit von Arbeit in der Landesfrage sein wird. Trotzdem hat es mich unangenehm berührt, dass Dr. Herzl gesagt hat: „Wir werden diejenigen verlieren, an denen nichts zu verlieren ist." Wir haben ernsthaft gearbeitet in unserer Partei. Ich halte diesen Ausdruck für falsch und unangebracht. Dr. Herzl hat von denen gesprochen, die treu bei der Bewegung bleiben, denen man alles sagen und verschweigen kann. Ich glaube, es ist Zeit dass man anfängt, alles zu sagen, so wie es Dr. Herz heute nur angedeutet hat. Er hat aus den Unterhand, lungen mit dem Sultan folgendes erwähnt: „Ich konnte mich selbstverständlich auf nichts einlassen, was mit unserm Programm nicht vereinbar war." Das wundert mich von Dr. Herzl, denn in der „Welt", wo von diesen Verhandlungen die Rede war, stand folgendes: „Dr. Herzl formulierte die Bedingungen der jüdischen Ansiedlung in einem zusammenhängenden Teil von Palästina und andern Gebieten Kleinasiens auf der Grundlage eines Charters.u Redner kommt dann auf die nach seiner Ansicht vorgenommenen Aenderungen des Baseler Programines zu sprechen, das also eine Erweiterung erfahren habe und bemerkt dann über El-Arisck: „Die Stadt El-Arisch, die ganz nahe bei der palästinensischen Grenze ist, die die Grenzstadt des alten Mizraim war, die hat vor 100 Jahren 1000 Einwohner gehabt, und hat heute 5000 und exportiert Gemüse und andere Dinge. Und da ist keine Bewässerung in einem grossartigen Massstabe hingekommen. AVer sagt uns denn, dass in El-Arisch nicht innerhalb ganz kurzer Zeit aus 5000 10 000 werden können und noch viel mehr? Mir scheint, ein Kongress hätte befragt werden können, eine weitgehende Untersuchung hätte angestellt werden müssen, ob das was da geschehen kann, nicht genügt, und wir müssen nicht vergessen, dass es nur einen Anstoss braucht, am die grosse Masse der Juden* heit für uns zu gewinnen. Es ist nur die Rede gewesen von Ost-Afrika. Ich bin für ein grösseres Palästina. Ich bin dafür, auch in unserm Programm die Landesgrenze so zu erweitern, dass wir Arbeitsmöglichkeiten innerhalb unserer Landesgrenze mit einbegreifen. Für ein so grosses Palästina, neben welchem Nachbar* Länder in Betracht kommen: El-Arisch, die Sinai-Halbinsel, Cypern, Teile Klein-Asiens und Syriens. Ich bin mehr für Cypern, weil es nahe ist und weil es uns heute schon offen ist, aber was ist getan worden um festzustellen, ob wir in einem vernünftigen, in einem logischen, ja historisch grösseren Palästina heute grössere Arbeitsmöglichkeiten haben? Was ist getan worden, bevor wir so weit gegangen sind, wie Ost-Afrika? Dr. Herzl hat gesagt: Zion ist das freilich nicht und kann es nie werden. Das ist der springende Punkt. Was meint jedoch Dr. Herzl damit: und kann es nie werden? Vielleicht wird er Ihnen seine Gedanken anders erklären, als ich sie mir erkläre? Er meint, dass Ost-Afrika deshalb nicht Zion werden kann, weil die jüdische Besiedelung in Palästina nicht bis dorthin reichen werde. Dagegen haben wir früher Zeiten gehabt, wo die jüdische Bevölkerung angewachsen ist. Damals waren jüdisch: Teile Unteregyptens, Cyperns, Klein-Asiens, ja sogar Kyrene und Mesopotamien. Sie sehen, es ist ein prinzipieller Unterschied zwischen einem grössern Palästina, das ich vertreten habe und der sehr fern liegenden Ost-Afrikanischen Sache. Die Nachbarländer Palästinas, von denen ich gesprochen habe, sind solche Länder, die nicht Zion sind, aber es werden können; da9 trifft für jedes nahe Land Palästinas zu, Das trifft aber nicht zu bei Ost-Afrika und darin stimme ich mit Dr. Herzl überein. Es ist dann von Verhandlungen mit Russland gesprochen worden und die haben uns das Hoffnungslicht gezeigt, dass wir durch Verhandlungen unseres Führers in liussland unsern Zielen näher kommen können. Herzl hat in einem frühern Punkte seiner Bede gesagt: An einem Kaiserwort soll man nicht drehen noch deuteln, soll man auch an HerzPs Wort nicht drehen noch deuteln? Sollen wir uns fangen lassen, soll das ein Argument sein auf