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Die Welt · 1903-08-25 · [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
Article
Rechenschaftsbericht des Aktions-Comités
Date
1903-08-25
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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No. 2 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 9 gestellt waren, deren Erfüllung allein eine Besiedlung im grossen Stile aussichtsvoll machte, wurden in einem ausführlichen Elaborate niedergelegt. Die auf Grund dieses fachmännischen Gutachtens geführten Resultate brachten jedoch nicht das erhoffte Iiesultatj indem die von der Kommission für die Besiedlungsmöglichkeit als unerlässlich bezeichneten Vorbedingungen von der ägyptischen Regierung nicht gewährt wurden. Alle diese Bestrebungen hatten langwierige und schwierige Verhandlungen und grosse Tätigkeit des A. C. zu Voraussetzungen. Ihre momentane Erfolglosigkeit hat unseren Eifer nicht lahm gelegt, unseren Mut nicht gebrochen, unsere Hoffnungen nicht erstickt. Wir sind uns von Anfang an bewusst gewesen, und haben es auf jedem Kongresse betont, dass solch eine Aufgabe, wie wir sie übernommen haben, nicht in einer kurzen Frist von wenigen Jahren zu lösen ist. Schon der Umstand, dass wir Gelegenheit hatten den einflussreichsten Eaktoren der unsere Ziele und Bestrebungen darzulegen, dass mächtige Regierungen mit unseren Vertretern in Verhandlung traten, ist ein Erfolg unserer Organisation und ein Lichtstrahl in dem bisher öden und hoffnungslosen Ghetto - Dasein. Das Gesamt-Judentum hat seit 1800 Jahren wieder eine Repräsentanz. Und diese Repräsentanz tritt überall in die Bresche, wo es gilt, jüdische Interessen wahrzunehmen und zu vertreten. Aus diesem Geiste war auch beim Präsidenten des A. 0. der Entschluss entstanden in diesem Augenblicke, wo die Lage der Juden in Russland besonders ernst sich gestaltet hat, den leitenden Kreisen Russlands direkt näher zu treten. Ueber das Ergebnis dieser Unterredungen bat Ihnen Herr Dr. Herzl persönlich Bericht erstattet. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass die Loyalität und Humanität unserer Bestrebungen, welche jede Einmischung in die inneren Verhältnisse des herrschenden Volkes perhoresziert und nud nur dem Wohle unseres eigeuen Volkes und seiner Zukunft gewidmet sind auch anerkannt und nicht gehemmt werden. So können wir denn resümieren, dass auch nach aussen der Zionismus das Ansehen des Judentums gekräftigt und gehoben hat. Bei diesem erfreulichen Stand unserer Bewegung, bei der wahrnehmbaren Regsamkeit und eifervollen Tätigkeit unserer Organisationen, ist es selbstversändlich, dass die bisherigen zionistischen Schöpfungen entsprechend gediehen. Die Jüdische Kolonialbank hat gleich nach dem V. Kongresse ihre Geschäfts - Tätigkeit aufgenommen. Die Angelegenheiten der Bank bilden einen eigenen Punkt unserer Tagesordnung. An dieser Stelle soll nur erwähnt werden, dass das A. 0., welches als Aufsichtsrat seine Pflicht sehr gewissenhaft nimmt, mit dem Erfolge der Geschäftstätigkeii zufrieden ist. Die Bank wird schon nach ihrem ersten Geschäftsjahre eine, wenn auch vorläufig bescheidene Dividende verteilen, welche den Beweis liefert, dass das Unternehmen auf gesunder Basis steht und das eingezahlte Kapital kein Geschenk sondern eine Geschäftseinlage ist, das unter Forderung grosser nationaler Zwecke sich auch hoffentlich" immer besser verzinsen wird. Die Bank war kurz nach dem V. Kongresse Gegenstand eines Angriffes, welcher gleichzoitig in drei unserer Bewegung von jeher feindlichen Blättern anonym publiziert wurde. Die in diesem Pasquille erhobenen Beschuldigungen sind vom ersten bis zum letzten Worte erfunden gewesen. Die Verwaltung der Bank ist über alle Zweifel erhaben. Wenn wir uns mit Zurückziehung der Anklagen und Abbitten begnügten, statt auf gerichtlicher Bestrafung der Schuldigen zu bestehen, so geschah es, weil wir selbst in diesen Fällen nicht vergassen, dass wir es mit Juden zu tun hatten. Den uns wohlbekannten Urheber der Verleumdungs-Campagne aber werden wir bei entsprechender Gelegenheit der gebührenden Verachtung der jüdischen Welt überantworten. Rühmend muss bei Erwähnung der Bank auch der Tätigkeit des Share-Clubs gedacht werden,- welche ihre stille und dabei erfolgreiche Tätigkeit der Erleichterung und Ausbreitung des Ankaufes der Bank-Aktien gewidmet haben. Die Bank darf von der zionistischen AVeit in keinem Augenblick!1 vergessen werden, denn das in Aussicht genommene Bank-Kapital ist noch nicht erreicht, und selbst wenn dies der Fall sein würde, ist nicht zu vergessen, dass mit jedem neuen Penny der der Bank zufiiesst, ihre Bedeutung und Kraft sich erhöht. Als Tochter-Institut der jüdischen Kolonial-Bank wurde im vergangenen Jahre Anglo-Palestine C o. gegründet, welche den Zweck hat, ihre Tätigkeit auf Palästina zu richten. Wir können mit Freude Ihnen melden, dass die Company bereits in Jaffa installiert ist und die Geschäfte begonnen hat. Mit grosser Genugtuung können wir über den vom letzten Kongress gegründeten Nationalfonds sprechen. Diese Institution darf den Namen einer nationalen mit Recht führen. Sie ist bis jetzt Avohl die populärste unserer Gründungen und der Erfolg des ersten Bestandjahres ist ein sehr erfreulicher Aber der Umstand, dass der jüdische Nationalfond heute bereits sich in das tägliche Leben der zionistischen Juden förmlich eingelebt hat, lässt die zuversichtliche Erwartung zu, dass sich die Einnahmen dessnlben in progressiver Weise steigern werden. Die Aktivierung, Einführung und Verbreitung dieser Institution hat dem Aktionskomitee viel Mühe und Zeit gekostet. Im Vereine mit der vom letzten Kongresse eingesetzten Kommission wurde das Statut des Nationalfonds endgiltig redigiert und seine Legalisierung vorbereitet. Und das goldene Buch des Nationalfond, das in einem Nebensäle unserer Kongresshauses aufliegt, soll Ihnen zeigen, dass wir auch die äussere Form nicht vergessen haben. Zum Schlüsse wäre noch der grossartigen Wirkung zu gedenken, welche die Renaissance des Judentumes auf allen Gebieten des geistigen Leben unseres Volkes im Gefolge hatte. Jüdische Literatur und jüdische Kunst sind aus dem dunkelsten Winkel, in dem sie bisher vegetierten, in den Vordergrund gerückt. Alles gute findet lauten Beifall und Anerkennung — und die wirkende Anerkennung bringt viel gutes ans Tageslicht. — Jüdische Institutionen für das Gemeinwohl mehren sich voii Tag zu Tag, aber sie haben eine neue, moderne Grundlage: sie sind nicht mehr Almosen der besser Situierten für die minder Situierten, sondern das Solidaritäts-Prinzip ist ihr leitendes. Das jüdische Vereinswesen entwickelt sich stark. Die Zahl der entstandenen jüdischen Turnvereine ist bereits so gross, dass schon an dem Zusammenschluss derselben zu Verbänden gearbeitet werden kann. Die allerbedeutsamsten sind Volksbildungsvereine, Lesehallen, Bibliotheken, die die erste Arbeit einer zionistischen Vereinsgründung zu sein pflegen und jüdische Geschichte, Literatur und Sprache wieder pflegen. Die Rückwirkung davon ist gehobene Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, welches die ethische Existenz der Juden in diesen schweren Zeiten gekräftigt und belebt hat.

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