Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
- Article
- Rechenschaftsbericht des Aktions-Comités
- Date
- 1903-08-25
- Page
- 11 (sequence 9)
- Language
- German
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No. 2 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 11 diesem Kongreß? Ich werde mich freuen, wenn wir Russlands Hilfe haben, aber ich werde mich nicht freuen über diese Redensart Ich komme nun zu einer zusammenhängenden Darstellung, die ich derjenigen unseres Führers entgegenzusetzen habe. Ich möchte diese zusammenhängende Darstellung betiteln: Die Landfrage im Zionismus. Trietsch führt nun beiläufig folgendes aus, was, wie übrigens auch das früher Gesagte, oft von stürmischen, minutenlangen Missfallsäusserungen des Kongresses unterbrochen wird, sodass es dem Vorsitzenden nur schwer gelingt, dem Redner Ruhe zu verschaffen. Das erklärte Ziel des Zionismus ist das Land. Inhalt und Form des Basler Programms lassen hierüber keinen Zweifel zu. Ob das Programm richtig oder unrichtig ist, soll nicht untersucht werden, sondern wir wollen versuchen klarzulegen, wie man es heute nach sechs Jahren in Basel mit der Landfrage hält. Auf dem Londoner Kongress im Jahre 1900 hatte Dr. Herzl gesagt: Die Häscher nach den Augenblickserfolgen mögen sich nur wieder von unsern Fahnen davonstehlen. Ein sehr festes Wort, nur der, der es gesagt hat, hätte es nicht sagen dürfen, denn er hat die ganze Zeit über nie anders getan, als nach Augenblickserfolgen gejagt. (Stürmische Schlussrufe, Zischen und Pfuirufe, die bei jedem Versuche des Redners weiterzusprechen, immer wieder losbrechen. Endlicli gelingt es dem Vorsitzenden Ruhe zu schaffen. Redner setzt fort:) „Dr. Herzl hat kurze Zeit vor demselben Londoner Kongress, und ebenso erst jetzt wieder ganz kürzlich, von dem unmittelbar bevorstehenden Beginn der Zionistischen Wanderung gesprochen und vielsagende Andeutungen gemacht. Ja, wie es auch klingen möge, rchon bald nach dem ersten Kongress im Jahre 1897 hat er von tatsächlichen bessern Aussichten gesprochen in Anbetracht, dass es momentan nicht opportun sei, mehr von gewissen Möglichkeiten zu sprechen." Redner kommt nun unter immer steigender Unruhe der Versammlung auf die verschiedenen Aktionen Dr. Herzls beim deutschen Kaiser und beim Sultan zu sprechen und fährt dann fort: „Nachdem man so um die Jahreswende 1898/1899 schon das Ziel in der Tasche zu haben glaubte, zeigte Herzl auf dem III. Kongress ein beträchtliches Interesse dafür, dass die Cypernfrage zur Sprache käme. Trotz vorgerückter Stunde, ungeachtet einer Menge unerledigter Dinge und trotzdem ich ihm gesagt hatte, dass es meinerseits keinen Zweck mehr hätte, wollte er, dass die Sache noch angeschnitten würde, denn ihm lag viel an der Cypernsache, besonders aber daran, die Stimmung des Kongresses kennen zu lernen. Der Kongress lehnte damals die Sache ab. Trotzdem gab Herzl Cypern nicht auf. Aus meiner begründeten Erklärung, dass ich nichts mit der geldgewaltigen Ika-Gesellschaft zu tun habe, sondern aus meinem eigenen Auftrag gehandelt, hatte Dr. Herzl das gerade Gegenteil geschlossen." Redner führt nun aus, dass Dr. Hei;zl nach einiger Zeit von diesem Interesse an Cypern zurückgekommen sei und nun seine Bemühungen der Erlangung des türkischen Charters zuwendete. Im Vorjahre habe Dr. Herzl türkische Vorschläge abgelehnt, ohne den Kongress zu befragen, während wegen Ost-Afrikas der Kongress befragt werden solle. Redner übt dann eine scharfe Kritik an der beabsichtigten Besiedelung von Ost-Afrika und setzt dann fort: „Bisher hat sich alles geeignet, und wenn es auch Wüste war. Und was kann schlimmer sein als El Arisch? Wir haben kein anderes Land; wir können nur dahin gehen. Alle Anstrengungen der Zionisten, der nationalgesinnten und palästinafreundlichen Juden mussten darauf gerichtet sein, allein dorthin zu gehen. Die Entwicklung des Landes unter solch zwingenden Umständen wäre eine bessere gewesen. Dieser Teil Palästinas, hat man mir gesagt, sei der schlechteste von ganz Palästina, die andern sind aber noch nicht erforscht. Woher weiss man das so genau? Im Jahre 1840 hat die Stadt Gaza in Südpalästina 2000 Einwohner gehabt, im Jahre 1883 hatte sie 16,000 Einwohner ohne jüdische Einwanderung, im Jahre 1900, 17 Jahre später, waren sie von 16,000 auf 36,000 gestiegen Dr. Herzl. Wie waren die Verhältnisse von New-York? Trietsch. Die Verhältnisse sind Ihnen bekannt. Das war das Hauptmoment von der Entwicklung von Gaza, und es hat heute noch keine Industrie, die erklärt wirken kann. Dr. Herzl. Ich meine, dass für diese Zeit die Ziffern in Gaza nicht in Betracht kommen. Trietsch. Das Argument kenne ich nicht. El Arisch wird durch die Judenwanderung steigen können, wie Gaza gestiegen ist. Warum gab man es auf, wenn Sie sagen, dass durch die jüdischen Wanderer die Ziffern der Städte ausserordentlich schnell vermehrt wurden. Wenn Herr Dr. Herzl meint, dass durch die starke Judenwauderung grössere Vermehrungsziffern vorkommen, warum ist es für Gaza natürlich? warum nicht für El Arisch? Wenn wir auch nicht Landwirtschaft in grossem Masstabe treiben können, so können wir doch Industrie dorthin bringen. Ich will, wenn Sie es mir möglich machen, wie Sie es Dr. Herzl möglich machten, mit der Regierung eingehende Verhan Hungen zu pflegen, aus dieser, wie er sagt, gescheiterten Affäre, den gigantischen Erfolg machen, von demgesprochen worden ist, ohne dass etwas dahinter war. Dr. Herzl. Von wem gesprochen? (Rufe : Bitte, Namen nennen! Verleumdung! Namen! Ruhe!) D r. H e r z 1. Sie tun uns einen viel grösseren Gefallen, wenn Sie Trietsch ruhig anhören, als wenn Sie unterbrechen. Trietsch. Meine Damen und Herren! Die Namen! Ich brauche nicht die Namen zu nennen. Wenn sie wollen, haben Sie sie innerhalb 2 Minuten, verlassen sie sich draul. Kremenetzki hat mir hineingerufen : „Sie haben keinen Dunst von El Arisch." (Kremenetzki aufspringend : Ja! So ist es. Keinen Dunst!) Ich kann mit grösserem Recht die Behauptung aufstellen, die Expedition hätte keinen Dunst von El Arisch, wenn ich ihn nicht hätte. (Beifall und Zischen auf der Gallerie.) Dr. Boden heimer. Wenn irgendwelche Beifalls- oder Missfallsrufe von der Gallerie ertönen, so werden wir von unserm Rechte Gebrauch machen, die Gallerie räumen zu lassen. Trietsch. Ich bin gefragt worden um Namen, Es ist nicht einmal etwas dabei. Damit mir nicht nachher noch ein Beweis aufoctroiert wird, will ich es erzählen : Einige Mitglieder des Vorstandes der Berliner Zionistischen Vereinigung, die hier sind, werden mir bezeugen, dass alles auf Herrn Dr. Klee, der, wenn ich nicht irre, ein Vertrauensmann des Aktionskomites ist, zutrifft. Ich bin aufgefordert worden, einen Namen zu nennen, und wenn ich es nicht tun würde, würde man sagen „Verläumdung", und damit keia neuer Zweifel kommt, führe ich gleich meine Zeugen auf. In einer Sitzung des Vorstandes der Berliner zionistischen Vereinigung hat Dr. Klee meines Wissens einem Vertrauensmann des Aktionskomites gesagt...... Dr. Herzl. Gehört das in eine öffentliche Sitzung? Trietsch. Soll ich deshalb mir Verleumdung vorwerfen lassen?