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Die Welt · 1903-08-25 · [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
Article
Rechenschaftsbericht des Aktions-Comités
Date
1903-08-25
Page
8 (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 2 guriert, die sich hoffentlich über ganz Amerika verbreiten werden. Zu besonderem Danke fühlen sich die Zionisten von Amerika gegenüber Mr. W. A. Hearst dem Eigentümer des Newyork American Journal, verpflichtet, der sein grosses Blatt, eines der grössten der Welt, den Interessen des jüdischen Volkes freundlichst zur Verfügung stellte, und für die Leiden des jüdischen Volkes und seine Freiheitsbestrebungen seltenes Verständnis zeigte. In Kanada hat die Zahl der Zionisten um 30 % zugenommen. Es gibt ausnahmslos keine jüdische Gemeinde; in der nicht eine zionistische Ortsgruppe bereits tätig wäre, Die Jahreskonferenz der kanadischen Zionisten, welche im Februar abgehalten worden ist, war die stattlichste jüdische Versammlung, die je in Kanada stattgefunden hat. Delegierte aus Entfernungen von 3000 Meilen kamen da zusammen. Eine Hauptsorge der Zionisten war die der guten Unterbringung der armen Eingewanderten. In Bueno s-Ayres haben die Zionisten alle Elemente, deren Beteiligung dem Ansehen des Zionismus schädlich war, entfernt, und hoffen in der verjüngten Gestalt erfolgreich tätig zu sein. Sie haben sich neben der Förderung der zionistischen Institutionen auch die dankbare Aufgabe gestellt, den jüdischen Mädchenhandel aufs energischeste zu bekämpfen, um das Judentum von diesem Schandfleck zu befreien. Die Ansiedler in den Baron Hirsch'schen Kolonien sind fori gesetzt treue Anhänger des Zionismus, und setzen auf denselben alle ihre Hoffnungen. Erwähnenswert ist es, dass der Zionismus in Buenos- Ayres sogar die entferntesten Glieder des Judentuines einander näher zu bringen imstande war, indem in der nationalen Sache europäische Juden sogar die Mitwirkung der marokkanischen finden. Endlich sei erwähnt, dass die Juden von Manicoure im Staate Amazonas in Brasilien fleissig fortfahren, ihren zionistischen Verpflichtungen nachzukommmen. Die Erkenntnis des Zionismus bricht sich in immer weiteren Kreisen Bahn und gross ist die Zahl derjenigen, die in der ersten Zeit scheu und zurückhaltend, oder auch d-urch Verleumdung und Entstellung unseres Programmes und unseres Tuns abweisend uns gegenübergestanden, heute ihren Irrtum einsehen, und freudigen Herzens zu uns kommen. Wir teilen keine Partei im Judentume dar, sondern das über seine Lage sich klar werdende jüdische Volk gegenüber dem verblendeten oder sich selbst einlullenden; darum ist unsere Grösse durch Ziffern und Zahlen durchaus nicht zu erschöpfen. Und mag auch die Schar der "Gegner des Zionismus noch nicht ausgestorben sein — derjenigen, die es uns nie vergeben worden, dass wir ihre Bemühungen zur Liquidation des Judentums mit so grossem Erfolge durchquert haben — kein Jude kann es heute wagen, die Bedeutung des Zionismus für die Judenheit zu leugnen. Es ist der Zionismus der einzige Hoffnungsanker. der grossen Masse, unseres in Elend und Not dahinsiechenden Volkes, aber auch der Lebensinhalt vieler materiell gut situierter und intellektuell hervorragender Juden. Und mögen die bisherigen offiziellen Vertreter des Judentums noch trotzig den Zionisten den Eintritt zu ihren Beratungen verschliessen — der Geist des Zionismus hat sich den Eintritt in diese bisher von erstickendem Moderduft erfüllten Sitzungssäle erzwungen: Sie müssen einem bisher ganz unbekannten und unbeachteten Volkswillen Konzessionen machen, wenn sie von demselben nicht hinweggefegt werden wollen. Unsere vom letzten Kongresse auf Basis fünfjähriger Erfahrungen reformierte Organisation auszugestalten und zu kräftigen war eines der Hauptziele des A. C. Dort wo sie vorhanden waren, wurden die Ansätze einer Gliederung benützt und fortgebildet; wo sie nicht vorhanden waren, begründet; Landes-Komites, Distrikts- Koniites und Kreisverbände eingesetzt. Diese Dezentralisation hat nicht nur die Arbeit des Zentral-Komites bedeutend erleichtert und gefördert, sondern war auch für die Agitation und Propaganda bedeutungsvoll und hat auch das Erwachen jüdischen Lebens und die lokalen jüdischen Interessen gefördert. Durch Landes- Konferenzen, Distriktstage u. s. w. ist ein grosses Feld für die Betätigung zionistischer Arbeitslust geschaffen worden. Dass die ruhige, zielbewusste Wahrnehmung jüdischer Interessen auch die Achtung und Anerkennung der Nicht-Juden findet, beweist ein eklatantes Vorkommnis, das sich in Südafrika zugetragen hat. In Kapstadt war nach dem Kriege eine grosse Zahl von Juden, aus Russland und Rumänien stammend, angesammelt, welche in die ehemaligen Burenstaaten, in denen sie früher Arbeit und Erwerb gefunden hatten, nicht zurückkehren konnten, weil die Konsuln ihrer Geburtsländer ihnen das durch*das Kriegsrecht geforderte Passvisum nicht erteilen wollten oder konnten. Da übertrug der Highcommissioner, Lord Milner, um dieser Kalamität ein Ende zu machen, dem Präsidenten der zionistischen Federation von Süd-Afrika, Mr. S. Goldreich in Johannesburg, das Recht zur Erteilung des Passvisums und zur Ausübung aller jener Funktionen, die sonst einem Konsul obliegen, für alle jene Juden, die ihre Heimatzuständigkeit sonst nicht nachweisen können. Die Institution funktioniert.seit mehr als einem Jahre zur vollen Zufriedenheit aller beteiligten Faktoren. (Lebhafter Beifall). Das Aktions-Comite setzte die Bestrebungen in dieser Funktionsperiode zur Erlangung eines Charters fort. Zweimal begab sich im Verlaufe des letzten Jahres der Präsident der A. C. auf Einladung Sr. Majestät des Sultans nach Konstantinopel, jedesmal begleitet von einem der Funktionäre der jüdischen Kolonialbank. Daselbst fanden eingehende Besprechungen mit den von Sr. Majestät hiezu designierten Staatsmännern und Würdenträgern statt. Jedoch gelangten diese Beratungen jedesmal nur bis zu einem gewissenPunkte, über den vorläufig nicht hinwegzukommen war, so dass die Verhandlungen als resultatlos abgebrochen werden mussten. Doch sind die Beziehungen unserer Repräsentanten zum türkischen Hofe derart geblieben, dass der Wiederaufnahme der Verhandlungen im gegebenen Augenblicke nichts im Wege steht. Da jedoch Türkisch-Palästina sich als vorläufig für die Juden unerreichbar erwies, hat sich das A. C. veranlasst gesehen, seine Aufmerksamkeit jenem Teile des Vaterlandes unserer Vorfahren zuzuwenden, welches gegenwärtig einen Teil Aegyptens bildet. Die Verhandlungen, welche mit den kompetenten Faktoren gepflogen wurden, führten zur Entsendung einer Kommission von Fachmännern, welche den Landstrich zwischen dem Suezkanal und dem heutigen Türkisch- Palästina kennen lernen und studieren, seine Besiedelungsfähigkeit und die Bedingungen der Besiedlung konstatieren sollte. Die Kommission bestand aus Fachmännern der verschiedensten in Betracht kommenden Wissenszweige, von denen einige gerade diese Type ägyptischen Landes durch langjährige Tätigkeit und Erfahrung genau kennen; es waren nebst einigen Zionisten auch mehrere Christen dabei. Die Kommission unterzog sich der ihr gewordenen Aufgabe in gewissenhaftester und gründlichster Weise, durchquerte den Norden der Sinai- Halbinsel nach allen Richtungen und kam dabei in Gegenden, welche seit Menschengedenken kein Europäer betreten hat. Das Ergebnis seiner achtwöchentlichen Prüfung, in welchem insbesonders die Bedingungen auf-

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