Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] (25.8.1903)
- Article
- Rechenschaftsbericht des Aktions-Comités
- Date
- 1903-08-25
- Page
- 7 (sequence 5)
- Language
- German
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No. 2 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 7 Wanderungsbewegung, die einst blühende zionistische Organisation sehr erschwert. Es muss mit Freude konstatiert werden, dass trotz der Entfernung auf tausende von Meilen von der alten Wohnstätte die Auswanderer kaum installiert, sofort ihren Verpflichtungen als organisierte Zionisten nachkommen und solange ihren Schekel an die alte Organisation in Rumänien senden, bis sie in der neuen Heimat eine eigene Ortsgruppe gebildet haben. Es muss auch anerkannt werden, dass die Beitragsleistung der Zionisten Rumäniens für die zionistische Institutionen im Verhältnis zur Zahl der im Lande wohnenden Juden eine so grosse ist, dass Rumänien in erster Reihe der zionistischen Länder zu nennen ist. Auch war die Beitragleistung Rumäniens für die armen Opfer von Kischeneff eine für die selbst so schwer notleidende Bevölkerung sehr ansehnliche. Es bestehen im Lande 113 regelmässig funktionierende Vereine, darunter 13 Damen-Vereine. 44 dieser Vereine haben sich bereits ins goldene Buch des N. F. eintragen lassen. In D e u t s c h 1 a n d ist die Ausbreitung des Verständnisses des Zionismus und der Zustimmung zu demselben in erfreulichstem Wachstum begriffen. In jeder halbwegs bedeutenden Gemeinde haben zienistische Propagandenversammlungen stattgefunden, die meist zur Installierung von Vereinen führen Die Zahl der Schekelzahler hat sich fast verdreifacht. Die Einteilung in Distrikts-Komitees hat sich sehr gut bewährt und dürfte auf der Bahn der Decentralisation weiter fortgeschritten werden. Ganz besonders erfreulich ist das uächst Russland in Deutschland sich kundgebende Zuströmen der Intellektuellen, erwarten wir doch von ihnen nicht bloss passive sondern recht aktive Unterstützung und Mitarbeit. In Frankreich blühen und wachsen die bereits vor dem letzten Kongresse bestehenden Vereine. Leider verhält sich jedoch die einheimische jüdische Bevölkerung noch immer zurückhaltend. Doch imponieren dieser durch die von den bescheidenen zionist. Vereinen begründeten Institutionen, insbesondere die jüdische Volkshochschule, die eine allgemein anerkannte segensreiche Tätigkeit entwickelt. Daneben ist noch des fortlaufenden Wirkens der Ortsgruppe vor Montpellier zu gedenken und zu erwähnen , dass in Versailles eine neue Ortsgruppe in Bildung begriffen ist. Die belgischen und holländischen Gesinnungsgenossen setzen ihre stille aber fruchtbare Tätigkeit fort. In der Schweiz macht der Zionismus grosse Fortschritte und bereits im ganzen Lande Fuss gefasst. Von den 12,000 Seelen zählenden Schweizerischen jüdischen Bevölkerung haben 1200 ihren Schekel gezahlt. (Lebhafter Beifall.) Der Geist des Zionismus macht sich insbesonders in der liebevollen Behandlung der durchgehenden armen jüdischen Auswanderer bemerkbar. In Italien ist nebst der örtlichen Ausbreitung der Umstand erwähnenswert, dass entgegen allen anderer Erfahrungen dort nicht die armen untersten Klassen, sondern die reichen und geistig höchststehenden Juden sich unseren Reihen anschliessen. In Oesterreich hat die neu geschaffene Organisation sich sehr gut eingeführt, den Zionismus hauptsächlich in der Provinz ausgebreitet und anlässlich des Unglückes von Kischeneff mit anerkennenswertem Erfolge für die notleidenden Brüder Sammlungen eingeleiet. Toynbeehallen, Volksbildungsvereine, Turnvereine, Getsangvereine, sowie wirtschaftliche Institutionen, so die Volksvorschusskassa in Prag, sind in fortlaufender Entwicklung begriffen und wenn auch die Gemeinden noch nicht erobert sind, spielen die Zionisten eine bedeutsame Rolle in allen jüdischen Angelegenheiten. Während der Zionismus in Böhmen in stetem Wachstum begriffen ist, kommt in Galizien und der Hukowina die Organisation nicht auf jene Höhe, welche die Zahl der Juden annehmen Hesse. Es ist die grosse wirtschaftliche Notlage, welche hier alles geistige Leben unterdrückt und alles Interesse nur auf den zermalmenden Kampf ums Dasein zu konzentrieren zwingt. In Ungarn hat der Zionismus noch nicht jene Ausbreitung erreicht, welche er einnehmen könnte. Eine ganz unbegründete missverständliche Auffassung des zionistischen Programmes und eine ganz unberechtigte Angst, es könnte die Teilnahme am Zionismus als unpatriotisch gedeutet werden, ist daran schuld. Trotz alledem ist aber insbesondere bei den orthodoxen Stammesgenossen der fortschreitende Anschluss an unsere Bestrebungen zu konstatieren. In Bulgarien hat der Zionismus gleich wie in Bosnien und der Herzegowina eine Brücke geschlagen über die Jahrhunderte alte Kluft zwischen Sephardim und Aschzerazim, und die armen Klassen der beiden Zweige unseres Volkes in den Bestrebungen zur sittlichen und politischen Rettung vereinigt. Die reichen jüdischen Klassen halten sich noch in Opposition, während die Bulgaren volles Verständnis für die nationalen Bestrebungen und Hoffnungen der Juden zeigen und ihnen sympatisch gegenüberstehen. In England bestehen 80 zionist. Vereine, davon 28 in der Hauptstadt. Ein in Shanghai gegründeter zionist. Verein hat sich der Engl. Föderation angeschlossen, trotzdem er nicht im 1)ritischen Reiche liegt. Volksversammlungen werden in allen hervorragen- Staaten von England abgehalten. Besonders erwähnenswert ist der Umstand, dass es unserer Bewegimg gelungen ist, sich in christlichen Kreisen die grössten Sympatien zu gewinnen. Die Sympathien nichtjüdischer Kreise für die Leiden und Hoffnungen des jüdischen Volkes vielerorts geweckt zu haben, ist nicht das geringste Verdienst des Zionismus. War es doch früher oft aus vermeintlicher "Rücksicht für die Juden üblich, dass der jüdische Name gerade in den den Juden wohlwollenden Publikationen nicht ausgesprochen oder umschrieben wurde. Es ist schon ein Erfolg, dass wir für die Juden selbst in von Juden gemachten Zeitungen das gleiche Recht der objektiven Berichterstattung erobert haben. In Egypte n wurde die zionistische Organisation neu konstituiert und wird hoffentlich nunmehr gedeihlich tätig sein. In Südafrika hat der Zionismus grosse Fortschritte gemacht und die allgemeine Achtung und Anerkennung gefunden und eine glänzende, erfolgreiche Wirksamkeit entwickelt. Die innere Tätigkeit der Vereine ist eine ungemein rege und nach Aussen sind unsere Gesinnungsgenossen in Südafrika überall in erster Reihe, wo es gilt, den zionistischen Verpflichtungen nachzukommen; die zionistischen Institutionen zu fördern und jüdische Unglücksfälle durch Unterstützungen zu mildern. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat der Zionismus sehr beträchtliche Ausbreitung gefunden. Die letzte Jahres-Konvention vom 10. Juni in Pittsburg konnte einen Zuwachs von 72 neuen Vereinen konstatieren, während schon seitdem eine ganze Reihe neuer Gründungen bei der Fecleration ihren Charter verlangen. Und es ist besonders erfreulich, dass die neuen Gründungen zumeist aus jungen Männern und Frauen bestehen, die schon in Amerika geboren worden sind. Die Knights of Zion in Chicago konzentrieren ihre Tätigkeit auf das mittlere Nordamerika und haben jetzt die Gründung von jüdischen Knaben-Bataillonen inau-