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Die Welt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. 31

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Article
Die Eröffnungsrede Dr. Theodor Herzls
Date
1903-08-21
Page
31 (sequence 2)
Language
German
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setzen, und ihnen kann man auch alles sagen. So war es in unserer Absicht, als wir diesen Kongress einberiefen, und wir glaubten, dass wir nichts anderes würden zu melden haben als das Scheitern von Verhandlungen und das Misslingen lang vorbereiteter Versuche. Indessen kam es einigermassen anders. Seitdem wir hier zum fünften Male beisammen waren, hatte ich neuerdings zweimal die Ehre, von Sr. Majestät dem Sultan nach Konstantinopel berufen zu werden. Beide Male, im Februar wie im August 1902 blieben jedoch die Unterhandlungen resultatlos. ]Ich konnte mich selbstverständlich auf nichts einlassen, was mit unserem Basler Programm nicht vereinbar gewesen wäre, insbesondere konnte eine zerstreute zusammenhanglose Kolonisation in verschiedenen Teilen cles türkischen Reiches unseren nationalen Bedürfnissen nicht genügen. Aus allen diesen beschwerlichen Verhandlungen ging nur hervor, dass Sr. Majestät der Sultan dem jüdischen Volke andauernd eine freundliche Gesinnung bewahrt. Es ist dies gewiss erfreulich und wertvoll, aber praktisch kommen wir damit nicht weiter. Da nun die gütigen Gesinnungen des Souveräns gegeben sind, sowie die zweifellosen Vorteile, die das türkische Reich davon hätte, musste das Hindernis in der Haltung der im Oriente interessierten Hauptmächte gesucht werden, namentlich Russlands. Denn von Deutschland hatten wir uns keines Widerstandes zu versehen, nach der unvergessenen Teilnahme, die uns der deutsche Kaiser bekundete. Als ich im Jahre 1898 die Ehre hatte, mit einer zionistischen Abordnung in Jerusalem empfangen zu werden, versicherte Sr. Majestät unsere Bewegung seines Wohlwollens. An einem Kaiserworte soll man nicht drehen noch deuteln. Auch von England war eine Gegnerschaft nicht zu besorgen, und Ereignisse, die ich jetzt melden will, bestätigen dies. Nach der Erfolglosigkeit der letzten Verhandlungen in Konstantinopel und angesichts der wachsenden Not mussten wir andere Wege suchen. So setzte ich mich denn im Oktober vergangenen Jahres mit einigen Mitgliedern cles britischen Kabinets in Verbindung und unterbreitete ihnen den Vorschlag, uns eine Landkonzession für die Sinai-Halbinsel zu bewilligen, damit wir dort eine Ansiedelung für unser Volk gründen. Sowohl die Minister, denen ich hier meinen aller wärmsten Dank ausdrücken möchte, als auch die hohen Beamten der britischen Regierung, welche für diese Angelegenheit zuständig sind, haben mich mit dem grössten Wohlwollen und Entgegenkommen aufgenommen. Es wurde mir bedeutet, dass da das ins Auge gefasste Territorium egyptisch sei, es notwendig wäre, unmittelbar mit der egyptischen Regierung zu verhandeln, doch stellte die englische Regierung mir grossherzig ihre Empfehlung zur Verfügung und drückte ihrem Vertreter in Egypten, Lord Cromer, ihre Hoffnung aus, dass der Plan von ihm und den Räten Sr. Hoheit cles Kheclive in wohlwollende Erwägung gezogen werden würde. Die Britische Regierung gab uns an heim, als vorbereitenden Schritt die Entsendung einer Kommission von Fachleuten anzuordnen, die den Landstrich auf seine Eignung zur Besiedelung und auf die Aussichten seiner Kolonisation prüfen sollte. Um die Zustimmung der massgebenden egyptischen Autoritäten zur Entsendung der Kommsision und deren Unterstützung zu erlangen, begab sich unser Vertreter, Mr. Greenberg, versehen mit Empfehlungsschreiben des englischen Auswärtigen Amtes an die egyptische Regierung, Ende Oktober nach Egypten. Lord Cromer und der ägyptische Minister des Auswärtigen nahmen ihn sehr freundlich auf, und gaben nach einigen Verhandlungen ihre Zustimmung zur Entsendung der Kommission. Sie gestatteten auch, dass ein Vertreter des ägyptischen Lanclvermessungs-Amtes sich der Kommission als Mitglied anschloss. Die Kommission wurde hierauf gebildet und bestand aus den Herren: Ingen. Kessler, Architekt Marmorek , Oberst Golclsmid, Ingen. Stephens, Professor Laurent, Dr. S. Soskin, Di*. Hillel Joffe und dem ägyptischen Regierungsvertreter Mr. Humphreys. Die Kommission kam in Aegypten Ende Januar an und brach Anfang Februar nach der Sinai-Halbinsel auf. Inzwischen verliess unser Vertreter, Mr. GreenbergEngland und ging wieder nach Aegypten, um dem Lord Cromer und der ägyptischen Regierung den Entwurf eines Charters für einen Landstrich auf der Sinai-Halbinsel zu unterbreiten. Nach langen Verhandlungen erhielt unser Unterhändler von der ägyptischen Regierung ein Schreiben, worin sie sich mit dem Grundsatz des vorgeschlagenen Charters einverstanden erklärt. Dieser bestimmt die jüdische Selbstverwaltung für den in Betracht kommenden Landstrich und gewährt Munizipalrechte für das gesamte bewilligte Gebiet, unter der Voraussetzung, dass die entsendete Kommission einen günstigen Bericht erstatte, welcher der Regierung die Ueberzeugung beibringt, dass die Besiedelung der Halbinsel tunlich ist. Die Kommission kehrte Anfang März nach Aegypten zurück und ich reiste selbst hin, um mit ihr zusammenzutreffen. Ich unterbreitete Lorcl Cromer und der ägyptischen Regierung verschiedene Vorschläge, betraute jedoch, da ich nach Europa zurückkehren musste, mit den weitern Verhandlungen ein Mitglied der entsendeten Kommission. Es folgten langwierige Verhandlungen, die jedoch, wie ich mit Bedauern mitzuteilen. habe, das Ergebnis hatten, dass die ägyptische Regierung erklärte, sie sei nicht in der Lage, auf die Sache weiter einzugehen, da das fachmännische Gutachten dahin ging, dass es unmöglich sei, die pelusinische Ebene ausreichend mitWasser zu versorgen, und daher auch die Besiedelung von El-Arisch oder einem andern Teile der Halbinsel nicht erfolgen könne. Als die Mitglieder der britischen Regierung, mit denen ich vorher in Verbindung gestanden, von dem der ägyptischen Regierung erteilten fachmännischen Rate und von den Entschliessungen, zu welchen sie sich genötigt sah, Kenntnis erlangt hatten, schlugen sie mir sofort an Stelle des früheren die Bewilligung eines anderen Landgebietes zum Zwecke der jüdischen Kolonisation vor. Das neue Landgebiet hat nicht den geschichtlichen, poetisch-religiösen und zionistischen Wert, den auch noch die Sinaihalbinsel besessen hätte, aber ich zweifle nicht, dass der Kongress als Vertreter der jüdischen Masse auch das neue Anerbieten mit wärmster Dankbarkeit entgegennehmen würde. Der Vorschlag bedeutet eine autonome jüdische Ansiedelung in Ostafrika mit jüdischer Verwaltung, jüdischer Lokalregierunsj und einem jüdischen Oberbeamten an ihrer Spitzt*, alles natürlich unter britischer oberhoheitlicher Ueberwachung. Da dieser Vorschlag gemacht wurde, fühlte ich mich nicht gerechtfertigt, im Hinblicke auf die Verfassung des Judentums und die Notwendigkeit, sofort irgend ein Mittel zur möglichsten Besserung der Lage zu finden etwas anderes zu tun, als die Erlaubnis zu erlangen den Vorschlag dem Kongresse zu unterbreiten. Damit die Sache indes für uns alle ein hinreichend greifbares Interesse habe, war es notwendig, den Vorschlag in eine Form zu bringen, der auf unsere uns allen so teuren nationalen Bestrebungen Rücksicht nehmen würde. Unser Vertreter führte daher einige Zeit hindurch mit den Mitgliedern des britischen Kabinets und mit den Ressortschefs eingehende Verhandlungen, die einen günstigen Portgang nahmen. Ich möchte den Anschauungen cles Kongresses über die Politik, die die zionistische Bewegung diesen Vorschlägen gegenüber befolgen will, nicht vorgreifen, allein obschon selbstverständlich das jüdische Volk kein anderes Endziel haben kann als Palästina, und obwol, was immer das Schicksal des Vorschlages sein mag, unsere Anschauungen

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