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Die Welt · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Article
Dritter Parteitag der österreichischen Zionisten
Date
1903-07-10
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 „Die £ WeltV Nr. 28 K r e p p 1 erwähnt, dass der Kampf um die galizischen Gemeinden ein Eingreifen in die Politik bedeute, da die offiziellen christlichen Kreise mit ihnen verbündet sind. Dr. Fink- Wien hält eine Philippika gegen das Zweigsche Projekt der Konsistorien. Er verweist auf die Verödung und Reaktion im Judentum dort, wo sie bestehen. Die staatlich anerkannte Theologie hat es verstanden, überall, wo sie besteht, im Elsass, Hessen, Baden, ungeteilten Hass hervorzurufen. Redner will als bestes Mittel zur Eroberung der Kultusgemeinden die Vertiefung der Zionisten im jüdischen Geist und jüdischen Wissen sehen, um durch so erlangte moralische Macht die physische leichter zu erhalten. Im Schlusswort treten die Referenten für ihre Forderungen ein, Dr. Zweig beantragt als Ergänzung seiner Projekte, dass die Konsistorien hauptsächlich aus Laienmitgliedern zusammengesetzt werden sollen. Die Abstimmung erkennt die Ausführungen der Referenten als richtig und bindend an. Ebenso die in Resolutionen gekleideten Anträge Bernhardt (kein Kompromiss), Irislicht (Jugendkurse). Angenommen wird ferner der Antrag, von den Kultusgemeinden die kostenlose Erhaltung von Auswanderer- Herbergen zu verlangen. Hierauf referiert A. Weissberger über „Jüdische Press e". Redner spricht über die Notwendigkeit, der Assimilation mit ihren eigenen Waffen entgegenzutreten, vorzüglich auf dem Gebiete der Tagesliteratur, und bespricht ausführlich den journalistischen Rahmen eines neuzugründenden jüdischen Tagblattes, dessen Nachrichtenteil dem anderer Blätter identisch ist, wahrend die Aeusserungen der Redaktion den für Juden notwendigen Kommentar geben. Der Referent ist der Ansicht, dass jeder Abonnent über 20 000 zum Reingewinn des Blattes beitragen würde. Ueber die bestehende Presse bemerkt Redner, dass die vom L.-K. jetzt regelmässig edierten Monatsmitteilungen des L.-K. klare Uebersicht über Tätigkeit und Wert jedes D.-K. und jedes Vereines bieten, und dass die Kontrolle der Oeffentlichkeit die Arbeit anspornen wird, ferner dass die zur Diskussion gestellten Projekte fruchttragende Anregung bieten werden. (Beif.) Nach kurzer Diskussion wird das L.-K. angewiesen, das Projekt „Tagblatt*' zur Grundlage eingehender Beratungen zu machen. Ein Antrag Wischnitzer, Buber, Sitzmann, Waschitz und Freud: „Der III. Oesterreichische Parteitag spricht seine Unzufriedenheit mit der jetzigen Haltung der „Welt" aus und gibt dem Wunsche Ausdruck, dass in Zukunft das Blatt eine radikale Aenderung erfahren und zu einem freiheitlich geleiteten Organe der Gesamtbewegung in allen ihren Strömungen und Aeusserungsformen werde4', ruft eine stürmische Geschäftsordnungsdebatte hervor, da ein geschäftsordnungswidriger Gegenantrag Gewitsch vom Präsidium zur Abstimmung gebracht und angenommen wird. Erst nach einem anfangs der nächsten Sitzung eingelegten Protest der Antragsteller und einer Entschuldigung des in Frage kommenden Präsidiums Dr. Bernhardt wird der Antrag Wischnitzer zur Abstimmung gebracht und mit überwältigender Majorität abgelehnt. In der weiter folgenden Nachtsitzung (Präs. Dr. Krenberge r) verliest der Abgeordnete der ungarischen Zentrale eine allerdings persönliche, aber auf zahlreichen offiziellen Aeusserungen seines L.-K. aufgebaute Erklärung, worin er mit guter Begründung die Kompetenz des Tages zur Beurteilung zionistischungarischer Verhältnisse und Deklarationen leugnet und die Gesinnungstüchtigkeit der ungarischen Landsmannschaft über jeden Zweifel stellt. Es folgt das Referat des Herrn Prof. Dr. Krenberger über Agitation und Organisation. Wir stellen nach Anhörung und Lektüre dieser praktischen und geistreichen Ausführungen den kompetenten Stellen den dringenden Antrag, das Referat als Broschüre herauszugeben. In unserem beschränkten Räume müssen wir uns begnügen, zu bemerken, dass darin jedem zionistischen Körper ein Leitfaden für seine Tätigkeit geboten wird und alle Ansatzpunkte der unter Juden möglichen Agitation aufgezählt sind, die praktischen Fragen und Bedürfnisse nach Mitteln für die Propaganda eingehende Erörterung erfahren und unseren Kräften eine Menge spornender und neuer Ziele gesteckt werden. Dieses Referat, wir möchten sagen, diese Programmrede des L.-K-, wurde mit seinen Leitsätzen unter stürmischem Beifall aufgenommen. In der nun folgenden Debatte kamen die Wünsche der Vertreter von Spezialorganisationen nach Unterstützung ihrer speziellen Einrichtungen zu Worte. Hervorzuheben sind die Aeusserungen der Vertreterinnen von Mädchenvereinen, von denen Frl. G. Kohn in ausführlicher Rede über die Möglichkeit sprach, Kindererziehungsanstalten zu gründen und damit den Mädchenvereinen ein dankbares Feld grösserer Aktivität zu eröffnen. Eine Mitteilung, dass der Bikur-Chaulini - Verein, dem Rednerin präsidiert und dessen segensreiche Wirksamkeit m der Krankenpflege allseits anerkannt wird, vom Oberrabbiner von Wien als unmoralisch bezeichnet wurde, wird von der Versammlung mit Entrüstung aufgenommen. — Del. Frl. Bertha Hermann versichert das L.-K., dass ein aufzustellender Arbeitsplan für Mädchenvereine für diese eine Lebensnotwendigkeit bedeute. — Del. Frl. Berliner spricht zugunsten des im „Zion" als untätig geschilderten Vereines „Hadassa". Del. Bienenstock- Krakau ist in der Lage, die gestern gefassten Beschlüsse des Arbeiter- und Handelsangestelltentages (Lemberg) zu verlesen und empfiehlt sie dem L.-K. zur striktesten Durchführung. Es sind dies 1. Eine galizische Landesorganisation von jüdischen Arbeitern und Angestellten zu schaffen; 2. eine allgemein-österreichische Konferenz jüdischer Arbeiter und Angestellter einzuberufen; 3. eine Statistik jüdischer Arbeiter anzulegen und 4. den Vereinen jedes Kompromiss zu verbieten. Del. G. Kohn- Wien bespricht die traurige Lage der Handelsangestellten und verlangt moralische und materielle Unterstützung der einschlägigen zionistischen Stellenvermittlung in Wien. Del. Taubes will behufs Erleichterung der Agitation den Distrikt Kolomea und Umgebung dem D.-K. Bukowina zugewiesen sehen. Der Gründung von Vereinen mit dem Programm des Misrachi ist grössere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Del. Hass bespricht die zionistische Agitation unter den Mittelschülern, die wir kampflos einer skrupellosen assimilatorischen Agitation überlassen. Er wünscht ferner, dass das L.-K. strenge Disziplin walten lasse und weder Schönfärberei noch Rücksichten bei der publizistischen Beschreibung der Einzelorganisationen gebrauche. Del. Dr. Landesberger beantragt, dass jeder Schekelzahler sich unbedingt nur jener Organisation anschliessen dürfe, in deren Wirkungskreis sich sein Wohnort befindet. Del. K r e p e 1 beantragt die Imperative, seitens des L.-K. den Schekel nur von erklärten Zionisten aufzunehmen. Vereine, die Kongress-Delegierte entsenden wollen, müssen diesem unter allen Umständen die Kosten decken, damit nicht die Geldfrage in diesem Punkte entscheide. In seinem Schlusswort bittet Dr. Krenberger die Vereine, unausgesetzt Anregungen durch die D.-K. an das L.-Kgelangen zu lassen, von dem zu erwarten sei, dass es die guten mit grösster Gewissenhaftigkeit in Praxis umsetzen werde. Nach der Annahme seiner Thesen verliest Del. M. Berk o w i c z seine Leitsätze über kulturelle Aufgaben, die den allgemeinen zionistischen Leitsätzen identisch sind und die Aufmerksamkeit auf Galizien lenken, für welches Land sie praktische Vorschläge enthalten.

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