Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Article
- Dritter Parteitag der österreichischen Zionisten
- Date
- 1903-07-10
- Page
- 5 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 28 *,Dte s£ W®W« Seite 5 Der Korreferent Del. Bader weigert sich zum Bedauern des Präsidiums und der Versammlung, bei so vorgerückter Stunde sein Referat zu halten. Es folgt das Referat Dr. Bernhardts über Statutenänderung zionistischer Korporationen. Seine Ausführungen gipfeln in dem Antrage der Umwandlung der D.-K. in Distriktsvereine. Mit so geschaffenen juristischen Personen wird der umständliche Amtsweg bei Einberufung von Versammlungen, beim Eingreifen in Kultusgemeindewahlen etc. bedeutend erleichtert werden. Um dem empfindlichen Agitatorenmangel abzuhelfen, sollen nach dem Vorschlage des Redners Vereine unter einer bestimmten Minimalanzahi von Mitgliedern aufgelassen werden. Angenommen wird ausser den Vorschlägen des Referenten auch ein Antrag Dr. Syrop: Der Parteitag ist nur für jedes zweite Jahr im Frühjahr vor dem Kongresse einzuberufen. Bei wichtigen Anlässen kann er jederzeit einberufen werden. In den Jahren, in denen er nicht stattfindet, ist eine Vertrauensmännerkonferenz einzuberufen. Die Beschlussfassung dieser Konferenz hat sich im Rahmen der Beschlüsse des letzten Parteitages zu bewegen. Dr. Benedikt referiert hierauf über den „Nationalfond s{'. Der Markenvertrieb liess in Oesterreich viel zu wünscher übrig und betrug im ganzen 5000 K. Die D.-K. arbeiten nngleichmässig; lobend hervorzuheben ist das Krakauer D.-K. Referent bittet, die Finanzen des L.-K. dadurch mitauf zuheften, dass sämtliche Marken von dieser Stelle bezogen werden, was eine Inkassogebühr von 5 Prozent trägt. Dringende Notwendigkeit ist, dass in jeder Einzelorganisation eine eigene Kommission für den Nationalfonds mit einem eigenen, wenn auch kleinen Kapital arbeite. Solche Kommissionen hofft Redner auch dort konstituieren zu können, wo viele Juden und keine zionistische Organisation zu Hause sind. Schliesslich rekapituliert Redner verschiedene aus der ,,Welt" bekannte praktische Massregeln für den N., wovon er das Sammeln von Zigarrenabschnitten als von finanziell sehr guten Folgen bezeichnet. Die Thesen des Referenten werden für das L.-K. als bindend angenommen. Eingangs der Debatte hält Herr Dir. Kremenezky eine bedeutungsvolle Rede. Er bedauert, dass ein so wichtiges Referat erst in so vorgerückter Stunde gehalten werde. Die Lebenselemente des Zionismus kommen so allzuschwach zur Geltung. Auf dem Kongress wird deutlich werden, wer für den N.-F. gehörig gearbeitet habe. Es muss in dieser Beziehung stärkeres Pflichtgefühl herrschen und die Idee in die kleinsten Nester hineingetragen werden. Geld für die Armen und Aermsten wird überall gegeben werden. Der Zionismus hätte schon mehr erreicht, wenn der N.-F. mehr erreicht gehabt hätte. Zum Schlüsse bittet Redner die Provinzdelegierten, ihren Rayon zugunsten des N.-F. energisch zu bearbeiten. Del. S c h m i d t beklagt die Vernachlässigung der Finanzinstitute der Bewegung durch die Tagesordnung und den gänzlichen Ausfall des Punktes „Palästina". Redner bittet um diesbezügliche Remedur für die Zukunft. Alexandro witsch - Krakau (Misrochi) bespricht die Institution des Krakauer Shareklubs, der bis jetzt 100 000 K Inkasso hatte. Das englische Markensystem hat sich nicht bewährt. Man hat jedem der 10 Kommissionsmitglieder 10 Mann zur Verfügung gestellt, die in Krakau monatlich 1 K 8 h auf die Aktie einheben. Redner bittet um Unterstützung, damit auch in der Umgebung Krakaus gearbeitet werden könne. (Beifall.) Es wird ein Antrag angenommen, wornach sich das L.-K. wegen Gründung von Shareklubs mit Krakau in Verbindung setzen solle. Del. Schimmer beantragt, ein Netz von Verkaufsstellen für N.-F.-Marken anzulegen. Del. Ehrlich macht bekannt, dass das österreichische D.-K. als Verschleissstelle fungiert. Herr Direktor Kremenezky ergreift noch einmal das Wort, um die Tätigkeit des Wr. Frauenvereins, besonders der Damen Frau Dr. K a h n , Frau Friedmann, Frau Rappap o r t, Frau Fanny Weiss, als besonders rühmlich hervorzuheben. (Beifall.) Nach Erledigung der Tagesordnung folgten die geistreichen und herzlichen Glückwunschreden der Herren B r a f f und Ing. Benjamin, die mit lautem Beifall aufgenommen wurden, worauf der Parteitag unter brausenden Hochrufen und nationalen Gesängen um 27- Uhr nachts geschlossen wurde. Delegiertentag des schweizerischen Zionistenverbandes. In Fribourg (Hotel Terminus) tagte am c28. Juni der 3. Schweizerische Delegiertentag. Vertreten waren 13 zionistische Vereine durch 26 Delegierte. Das Tagesbureau wurde bestellt aus den Herren Ingenieur Falk (Baden), Präsident; Dr. Farbstein Zürich), Vizepräsident; J. L e v a i 11 a n t (Basel), Sekretär. Der Bericht des Landeskomitees über seine Tätigkeit, umfassend den Zeitraum vom 1. Jänner bis 30. Juni 1903, war in drei Teile geteilt: Allgemeiner Bericht, erstattet durch Herrn M. Levy, Basel; Kassabericht, abgegeben durch Herrn Dr.L. Weil, Basel und Nationalfonds, Referent Herr Dr. C. Levy, Biel. Dem allgemeinen Berichte entnehmen wir, dass der Verband, bestehend aus 14 Vereinen mit 620 Mitgliedern» ziemlich stabil geblieben, die Zahl der Schekelzahler dagegen von 096 im Jahre 1903, auf 939 im Jahre 1903 gestiegen ist somit um die stattliche Zahl von 243 Schekelzahlern zugenommen hat. Neue zionistische Vereine gründeten sich in Endingen und L e n g n a u, den beiden politisch unabhängigen jüdischen Gemeinden im Aargau. Ausserdem wurden in den Verband aufgenommen der Verein "„Misrachi", Vereinigung orthodoxer Zionisten der Schweiz und der „Jung- Litterarische Zionistenverein% Genf. An den allgemeinen Bericht schloss sich eine lebhafte Debatte an, hauptsächlich über den Ausgleich der Gegensätze zwischen ost- und westeuropäischem Judentum. Dem Kassa-Berichta ist zu entnehmen, dass bei einem Umsätze von Frcs. 870.—, ein Aktiv-Saldo von Frcs. GG.— verbleibt. Der Bericht wurde ohne Widerspruch von der Versammlung genehmigt, Das gleiche war der Fall für den Bericht über den Nationalfonds. Füjl denselben sind in den ersten GMonaten des laufenden Jahres etwas über Frcs. V200.— eingegangen- In Anbetracht der für die Opfer der fürchterlichen Ereignisse von Kischenew eingeleiteten Sammlungen ein sehr erfreuliches Resultat. Für die Opfer von Kischenew wurden nach den Zusammenstellungen des Vorortes, in der Schweiz über Frcs. 15.000.— zusammengebracht. Das Budget für das Verwaltungsjahr 1903/1904 balanziert mit Frcs. 800.— Ausgaben und Einnahmen. Dasselbe fand ebenfalls die Genehmigung der Versammlung. Die Hauptausgabe bilden die Kosten für die Veranstaltung von Vorträgen. Die 939 Schekelzahler der Schweiz haben Anrecht auf 9 Delegierte zu dem im August dieses Jahres in Basel tagenden VI. Zionistenkongresse. Die Wahlen finden am 12, Juli statt und zwar in folgenden Wahlkreisen: Genf' Lausanne, Bern, Biel, Basel, Zürich und Luzern. Die Kreise Basel und Zürich wählen je % die übrigen Bezirke je 1 Delegierten. Als Publikationsorgan wurde das bisherige, das „Israelitische Wochenblatt in Zürich", bezeichnet. Den Schluss der Verhandlungen bildeten Besprechungen über die Trakfcanden des nächsten Zionistenkongresses. M. Levy.