Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 27 (3.7.1903)
- Article
- Dritter Parteitag der österreichischen Zionisten
- Date
- 1903-07-03
- Page
- 10 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316048-3334215--41352-3334384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seife 10 >M* Wei^ Mr. 27 grammes und Schekelzahlurig von der anderen Seite nur eine Werbung im Grossen und verlangen Treue. Die späte Zuschickung der Informationen über den Parteitag ist durch die späte Verrechnung der Schekelbücher heuer ausnahmsweise hervorgerufen worden. Wenn gefunden wird, dass das Leben der Vereine wenig lebhaft und erst vor den Wahlen feuriger wird, so sei zu bedenken, dass selbst die strebendste gegenwärtige Partei ihre wenigen in politischen Vereinen organisierten Arbeiter auch erst in der Wahlzeit galvanisieren könne. Die üewerkschaftsvereine aber, die ihre eigentliche Machtstellung fundieren, können von den Zionisten nur für ihre Arbeiter und Angestellten ins Leben gerufen werden. Ein Mangel unserer Partei ist es, dass sie ihren Agitatoren die Sorge um das tägliche Brot nicht abnehmen könne, wie es bei den anderen Parteien der Fall ist. Hierfür wäre die Gewinnung der Kultusgemeinden von besonderem Werte und würden die Gemeinden ihre Agenden aufs beste geführt sehen von Männern, deren höchstes Ideal die Wohlfahrt der Juden ist. Die Landgemeinden haben wir nach langer Vernachlässigung gefunden. Suchen wir weiter ehrlich und klug nach Mitteln, die Nüttel für die jüdische Freiheit zu gewinnen. (Lebhafter Beifall.) Del.. Dr. B e r n h a r d t referiert anschliessend daran über die Arbeiten des innerösterreichischen D.-K-, die österreichischen Landgemeinden für uns zu gewinnen, und verkündet unter Beifall, dass sämtliche niederösterreichische sich in unserem Fahrwasser und im erklärten Gegensatz zur Wiener KultUbgenieinde befinden, die weder Kultus betreibe (seit zehn Jahren keinen Tempel gebaut, privat gebaute 30) noch Gemeinde sei, sondern Clique. Del. Dr. Kren berger konstatiert das Anwachsen der Zahl österreichischer Schekelzahler im letzten Jahre um das Dreifache und erklärt, dass die öffentliche Meinung offenkundig einer gerechten Auffassung des Zionismus zuneige, was seinen baldigen Sieg bedeute. Der Rechenschaftsbericht des L.-K. erhält hierauf einstimmig Decharge. (Beifall.) Revisor Low erklärte im eigenen und im Namen der Revisoren R a p p a p o r t und T orezyne r die Kasse des L.-K. als in Ordnung und beantragt das Absolutorium für den Kassier G e w i t s c h. (Angenommen.) J. G e w i t s c h referiert hierauf über Parteisteuer und Budget. Wir besprechen das Referat in der nächsten Nummer unseres Blattes. D. Red. Schluss der 1. Sitzung. II. (Nachmittags-) Sitzung. Hunderte von Begriissungsschreiben, zionistisch - vorschriitsiTiässig gewöhnliche Briefe mit dem Telegrammwert in Nationalfondsmarken als Inhalt werden zur Verlesung gebracht. Sie stammen aus allen Kronländern der Monarchie. Mit besonderem Beifall wird ein Telegramm der gleichzeitig tagenden Schweizer Organisation (in Freiburg) und eines von Dr. Alexander Marmorek begrüsst, welch letzterer sich gerade auf einer Agitationstour in Antwerpen befindet. Mit stürmischem Applaus wird das Erscheinen des offiziellen Delegierten der Pressburger Kultusgemeinde, des Herrn Dr. Funk, aufgenommen. Del. Dr. S y r o p - Krakau referiert für den Legitimationsausschuss, der sämtliche Wahlen bis auf zwei verifiziert. Erschienen sind 71 Delegierte aus der Provinz, 26 aus Wien und 9 Damen. In der nun folgenden Debatte über das letztgehaltene Referat Ge witsch, dessen aufgestelltes i Budget die Hauptposten aus den Eingängen an Parteisteuer (1 K pro Kopf und Jahr) und weniger aus den Teilprozenten des L.-K. an den Schekeleingängen seines Gebietes bestreiten will, stellen sich die galizischen Delegierten einmütig gegen die Einhebung der Steuer in ihrem kapitalsarmen Lande. Sie sind der Ansicht, dass die entfallende Summe durch die vermehrten Einnahmen aus den vermehrten Schekeleingängen ersetzt werden, wenn ihre Arbeiten durch verminderte materielle Ansprüche gefördert würden. Del. Ehrlich- Wien will den Ausdruck Parteisteuer aus dem Entwurf eliminiert sehen, da der Zionismus nicht Partei, sondern Volksbewegung ist. Krüger- Bielitz schlägt vor, Schekel und Parteisteuer in den Vereinen ratenweise mit dem Monatsbeitrag einzuheben. Bei der fortwährenden Inanspruchnahme der Zionisten durch Sammlungen sei dies eine notwendige Erleichterung. Obernik - Prag spricht sich entschieden gegen ratenweise Zahlung des Schekels aus, der unter besonderen Feierlichkeiten als freiwillige Nationalsteuer des wiedererwachenden Volkes eingehoben werden muss. Dagegen ist die ratenweise Einzahlung der Parteisteuer für proletarische Organisationen, die er vertritt, von Vorteil. Von den jüdischen jugendlichen Arbeitern, denen schon die Schekelzahlung ein Opfer ist, darf keine weitere Zahlung verlangt werden, „unbeschadet ihrer Parteipflichten und — Rechte". (Beifall.) Hu s t e r 1 i k - Wien (jüd.-nat. Arbeiterverein) verlangt letzteres auch für die schlechtbezahlten jüdischen Hilfsarbeiterinnen. Von den 15 weiblichen Mitgliedern seines Vereines hat keine über 5 Gulden wöchentlich. Dr. J. W. Marmorek plaidiert für alle möglichen Erleichterungen im Einheben der Parteisteuer £?id verlangt diesbezügliche Studien im L.-K. Aber eingebracht muss sie werden, wenn die Anregungen der Parteigenossen an das L.-K. in Praxis umgesetzt werden sollen. Energisch ist jedes Projekt erhöhter Prozententnahme aus den Schekeleingängen abzulehnen, die dem A.-C. so reichlich als möglich zu seinen hohen Aufgaben abgeliefert werden müssen. Dort aber, wo der Masseneingang der wenigen Prozente vom Schekel die unpopuläre und hindernde Parteisteuer aufwiegt, wie in Gaiizien, soll sie aufgenoben werden. Das Budget des L.-K. muss opportunistisch geregelt werden. (Beifall.) Hausmann - Lemberg begründet die Mehrforderungen der galizischen Landsmannschaft aus den Bedürfnissen des Landes. Die meist deutschen Organe und Redner der Partei und des L.-K. kommen allen D.-K. zugute, das D.-K. in Gaiizien muss aber für Sonderredner und -Schriften im Jargon und Polnischen aufkommen. E e 1 d b l u m - Krakau bestätigt dies und weist nach, dass das westgalizische D.-K. in Schulden steckt, die zu Agitationszwecken gemacht wurden. Er bittet, vorderhand möglichst viel nach Gaiizien hineinzustecken, damit später möglichst viel herauskomme. Dr. M e n c z e 1 - Czernowitz ist dafür, dass alle möglichen Erleichterungen in der Einhebung der Parteisteuer einzutieten haben und verweist auf die Summen, die durch die minimalen Wochenbeiträge der organisierten Arbeiter zusammenkommen. Dr. K r e n b e r g e r glaubt nach seinen Erfahrungen als Obmann des L.-K., dass dieses der Parteisteuer nicht werde entraten können. Er hofft aber, dass durch neueingeführte Verschleissartikel dessen Einkommen vergrössert und so die Möglichkeit eintreten wird, für die einzelnen Distrikte je nach ihren Wünschen Modalitäten zu treffen. (Beifall.) Dr. S y r o p erklärt, niemals für die ratenweise Einhebung des Schekels stimmen zu können. Dr. Bernhardt weist Oberniks Meinung von einem Gegensatze zwischen proletarischen und Bürgervereinen im Bruderbund des Zionismus zurück. Der Referent bemerkt in seinem Schluss wort, dass er von der Einwirkung der Delegierten zu Hause, nicht nur den Eingang der präliminierten Summe zur Parteisteuer, sondern deren Vielfaches erwarte.