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Die Welt · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Article
Ein Londoner Zionistenmeeting
Date
1903-05-22
Page
12 (sequence 11)
Language
German
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Seile 12 dme # Weit" Schadensreehnung gezahlt werden sollte von den vielen antizionistischen Juden in St. Petersburg und Riga und den jüdischen Russen. Die jüdischen Leser eines New- Yorker Blattes haben 1500 Pfund Sterling für Kischenew subskribiert, mehr als sie je für den Zionismus gegeben haben. Aber die Vorsorge ist besser als das Heilmittel. Jüdisches Geld kann man haben für jeden Zweck, nur nicht! für einen jüdischen. Ein Jude hat Tausende von Pfunden für ein Standbild des Kosciuszko angeboten, des polnischen Freiheitshelden. Sie wurden zurückgewiesen als eine Unverschämtheit, weil sie von Seiten eines Juden kamen. Er schien nicht daran zu denken, seine eigenen Freiheitshelden zu unterstützen. Eine jüdische Dame in London gibt 10.000 Pfund im Jahr für musikalische Institutionen aus. Es gibt keinen Juden in der Welt, der je dem Zionismus ein einzigesmal 10.000 Pfund gegeben hätte. Aber dann natürlich ist es gemein, Palästina zu kaufen. Palästina kann man nur schaffen, nicht kaufen. Meine Freunde, ihr könnt Palästina nicht kaufen. Wenn ihr 100 Millionen hättet, so könntet ihr höchstens den Platz kaufen, auf dem sich Palästina einst befand. Palästina selbst müsstet ihr durch Arbeit wieder schaffen, bis dort wieder Milch und Honig üiesst. Das Land ist ein gutes Land, nicht so gut als Samuel Montagu es beschrieben hat, bevor er Baronet geworden ist, nicht so schlecht als er es jetzt behauptet. Aber es bedarf eines grossen Bewässerungsplanes. Um dorthin zurückzukehren, bedarf es keines Wunders, schon heute ist der dritte Teil der Bevölkerung dort jüdisch. Wenn der Allmächtige selbst uns übrigen durch ein Wunder nach Palästina brächte, was würden wir gewinnen ausser einer freien Ueberfahrt? Im Schweisse unseres Angesichtes müssten wir unser Palästina bearbeiten, und daher wird der Tag, andern wirPalästina erlangen, wenn er auch der freudigste wäre, auch der schwerste unserer Bewegung sein. Dr. Herzl über den Fortschritt des Zionismus. Ist dieser Tag nahe? Ich weiss es nicht. Ich kann bloss sagen, dass Dr. Herzl vor einigen Tagen in London war und mich autorisierte, dieser Versammlung zu sagen, dass er mit unserem Fortschritte zufrieden ist und dass der nächste Kongress ein bedeutungsvoller sein werde. Ich persönlich habe nie erwartet, dass Verwirrungen von 1800 Jahren in einem Tage sich aufklären werden. Alles was wir tun können, ist, anzufangen uns unserem Ziele zuzuwenden, zu arbeiten und zu warten, unsere Kräfte zu organisieren, um für die Gelegenheit bereit zu sein. Die Geschichte bewegt sich nicht in Tagen, sondern in Epochen. Eine Vorschule für Palästina. „Es ist nicht deines Amtes das Werk zu vollenden", sagt der Talmud, „aber du hast nicht das Recht es zu vernachlässigen,a Anstatt untätig zu warten, wäre es vielleicht Zeit, irgendwo in unseren alten, historischen Wohnsitzen zu beginnen. Die Idee beginnt andere Köpfe als die unsrigen bereits zu beschäftigen. In der Birminghamer „Daily Porft" vom 7, Mai, dem Organ Chamberlains, las ich einen Artikel unter der Spitzmarke »Das alte Chaldä a", der sich mit der Ansicht von Sir William Willcocks beschäftigte, dass Mesopotamien, wenn es gleich Aegypten behandelt würde, ebenso Früchte tragen würde, und wieder der Garten des Ostens werden würde. Der Autor entwickelt dies in einer Weise, die euch interessieren dürfte. 16 Millionen Pfund in dieses Unternehmen zu stecken, scheint sicherlich ein besseres Geschäft zu sein als 20 oder 30 in die Bagdad-Bahn, In jedem Falle erweisen die Zahlen und Erwartungen des Sir W. Willcocks ernste Betrachtungen. Es mag betont werden, dass die Millionen des Baron Hirsch, welche hinterlassen worden sind, um die Rückkehr der Juden nach Palästina zu fördern, soviel wir wissen, unbenützt liegen und wahrscheinlich wissen die Kuratoren nicht recht, wie sie sie verwenden sollen. Es wäre eine Chance für den Zionismus, wenn all das, was Heri W. Willcocks sägt, ausgeführt werden könnte. Es ist merkwürdig, dass ich selbst in meinem ersten Artikel über den Zionismus in der „Contemporary Review*, dieselbe Gegend für einen Ansiedelungsplatz anregte. Unsere Beziehungen zu Chaldäa stehen bloss denen zu Palästina nach« Manche unserer Gebete sind chaldäisch, so das Kaddisch, das heiligste von allen. Der babylonische Talmud stand höher als der Jerusalemer. Vielleicht kann Chaldäa nach dem Ausspruche des Obersten Goldsmid eine Vorschule für Palästina sein. Vielleicht müssen wir, wie unsere Vorfahren, 40 Jahre in der Wüste wandern. Aber wir müssen einen Plan haben, und die „IcaK kann ihre Millionen nicht von uns fernnalten, auch wenn wir das Kapital fordern und nicht bloss die Revenuen, Das Geheimnis des Erfolges. Ich sehe einen Funken jüdischen Humors in einer der Bestimmungen des Baron Hirsch. Die „Icaa muss ihr ganzes jährliches Einkommen in jedem Jahre verausgaben; sie darf nicht sparen. Wie gut der Baron die kleinliche Gesinnung und Spiessbürgerlichkeit der jüdischen „Philanthropen" gekannt hat, ihren Widerwillen, einenkühnen Strich unter die Ausgaben zu machen! Der Baron konnte der Gesellschaft erlauben, Millionen zu verausgaben, aber er konnte sich nicht vergewissern, dass sie es tun werde. Eines konnte er anordnen: Sie sollten ihre Einkünfte bis zum letzten Kreuzer verausgaben» Aber jetzt fordere ich sie auf, ihr Kapital zu verwenden auf eine zentralisierte Kolonisation, ähnlich derjenigen, wie jene, die „Birminghamer Daily Post" anregt. Ich will auch kein totes Pferd peitschen und nicht wieder einmal beweisen, wie unmöglich es für ein über ganz ^Europa zerstreutes Komitee ist, kleine Kolonien zu übersehen, die über drei Kontinente zerstreut sind. Vor Monaten erhielt ich eine jämmerliche Bittschrift von einer Kolonie in Nord-Amerika. Ich wandte mich an einen amerikanischen Freund, und dieser schrieb und telegraphierte nach Paris, von wo er erfuhr, dass diese Kolonie unter der direkten Aufsicht von London stehe. London bezweifelte die Richtigkeit der Beschwerde. Aber Paris bezweifelte die Richtigkeit der Londoner Anschauungen und schliesslich wurden die elenden Kolonisten mit Vieh und Ackerbaugeräten versehen. Ich war darüber erfreut, aber ich sehe nicht ein, weswegen ich die Arbeit der „Ica" versehen soll. Denn diese Arbeit ist unmöglich. Eine grosse Kolonie ist mehr wert als hundert zerstreute. Ein Geschäftsmann weiss, wie er seine Arbeitskraft konzentrieren und seine Ausgaben verringern kann. Ich bin nur ein Idealist, aber ich sehe, dass Hr. Carnegie das Geheimnis des.Erfolges so schildert, „dass man alle Eier in einen" Korb legt und diesen Korb bewacht!" Zion, die Heimstätte der Juden. Die Juden müssen aus Russland in ein zentrales Heim geschafft werden. Russland hat, seit jenem Ministerrat seine Anschauung nicht geändert. Es ist noch immer dafür, die Juden ziehen zu lassen. Woher ich das weiss? Nun! Es fand im letzten Jahre ein russischer Zionistenkongress in Minsk statt. Fünfhundert Delegierte von allen Teilen Russlands kamen dort zusammen. Die russischen Juden, denen Selbsthilfevereine zu organisieren verboten ist, werden ermutigt, Vereinigungen zum Verlassen Russlands zu bilden! Die Juden, aus Russland herauszubringen und sie zu regenerieren war Hirsch' höchster Gedanke. Der Zionismus bietet ihm. die Erfüllung seines Traumes und eine Armee tüchtiger Arbeiter. „Hier

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