Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 21 (22.5.1903)
- Article
- Ein Londoner Zionistenmeeting
- Date
- 1903-05-22
- Page
- 13 (sequence 12)
- Language
- German
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Nr^Sl- Dte Wtett* Seite 13 ist Hirsch", schrieb Cecil Elio d es, „der dm Dunkeln tappt, wls er mit seinen Millionen anfangen soll." Der Zionismus liefert Lieht und zuca Zionismus müssen die Millionen kommen, Aber auch ohne sie sind wir nicht verloren. Wir werde© langsamer, afcer deshalb nicht min 1er sicher vorwärtskommen. Ob Langsam oder rasch, durch Freunde oder Feinde, unser* Bewegung schreitet stetig vorwärts. Sie reicht buchstäblich von Kanada bis Cochiibchia. Von Kanada kam diese Nacht «iie Nachricht zu uns: „Wir haben eine Festung in jeder Stadt des Reiches." Von Coclimchina wurde ich ersucht, die weissen Juden auf dem nächsten Baseler Kongr&ss zu vertrete». Es würde mich no<üi mehr freuen, -die schwarzen fuden von Cochiilchina zu v ertre fcen und noch mehr, beide zu vertreten. Denn in Zion müssen alle Judea Brüder sein. In Zion kann kein Unterschied der Hautfarbe bestehen und kein Stolz oder Vorurteil uni keine Inferiorität des Geschlechtes oder einer Sekte uni keine Ehre olme Verdienst und kein Ruhm ohne Tüchtigkeit. Denn von Zion geht das Gesetz, der Liebe aus und von Jerusalem die Gerechtigkeit. Die Rede Zangwills, Die in der Shoreditch-Halle abgehaltene Versammlung war eine der glänzendsten, die in London überhaupt stattgefunden haben. Die Rede Z a n g w i 11 s wurde ton den Zuhörern mit atemloser Spannung angehört ihd mit stürmischer Begeisterung aufgenommen. Die Resolution erregte ungeieueren Enthusiasmus. Die Londonej Presse nahm die Ausführungen unseres berühmten Gesinnungsgenossen sehr günstig auf und referierte in achtungsvoller Weise über diese Versammrung. Die politische Tragweite dieser Rede ist eine ausserordentliche. Sie wird won zionistischer Seite als eine der wichtigsten Kundgebungen der Letzten Jahre betrachtet. Grosses Meeting in Leeds, In Leeds fand, wie in London, eine grosse Versammlung statt, an der über 2Ü00 Menschen teilnahmen. Der Sprecher der Versammlung war Mr. Jo^&ph Co wen, der unter riesigem Beifall der Versammelten über die Lage dfc-r Juden, den Zionismus und die Haltung der grossen jüdischen Korporationen sprach. E& wurd$ dieselbe Resolution wie in da Londoner Versammlung angenommen, jedoch verschärft durch einen Passus, der sich gegen die Haltung derjenigen englischen Juden wendet, die gegen die Immigration ihrer ausländischen Volksgenossen öffentlich aufgetreten sind. Ad vocem Kischenew. Hofrat A., Assimilant, uni Dr. B., Zioraist, begegnen sich in der Tramway. Itfach der «ersten Begrüssumg entspinnt sich folgendes Gespräch: A. Eleute habt Ihr wohl einen guten Tag! B. Wieso, umi Grotteswillen? A. ö~un, das Massacre in Kischenew ist doch Wasser auf eure Mühle. Ihr könntet es euch doch nicht anders bestellen. B. Und daum einen guten Tag? Wir hätten sehr viele gute Tage.,, wenn jeder ein giLter wäre, der für euch ein schlechter ist. Aber Gott behüte uns vor mehr solchen Tritimpken! A. Es ist in der Tat schrecklich; ich kann die Berichte gar nicht lesen. B. Wirf ihn hinaus, er bricht mir das Herz. A. Es ist doch wahr! Was brauche ich mir die Laune nocla zu verderben? Helfen kann man doch nicht .... Es geht uns doch eigentlich nur nahe, weil es sich um Juden handelt. Doch hinten im Osten schlägt man alle Augenblicke wen anders tot , . . einmal die Armenier, einmal die Juden, einmal die Tirken . . . Das ist das Mittelalter . . . vor fünfhundert Jakpen wars bei uns auch noch nicht anders. B. Ein bisschen näher geht's uns am Bnde doch . . . der siebzehnjährige Gymnasiast, der erschlagen worden ist, könnte ebenso gut mein oder Ihr Sohn sein . . . Die Boxerunrahen haben wir beide mit mehr Gleichmut gelesen. A. Freilich, freilieh. Al)er man muss sich davon emanzipieren. Es sind beides exotische Geschickten . . . Mangel an Zivilisation . . . B. Das alte Lied . . . Wir halten uns so lange für siclicr als wir nicht am eigenen Leibe spüren., dass es für den Ju<kn überhaupt keime Neuzeit gibt . . , A. Lassen Sie mich aus! Das ist Glettoangst. Im Werten könnte man den Juden gar nicht melir zuleibe, selbst wem man wollte . . , B. Siehe Antrag Herzog! A. Ja, Sie sehen doch, was für Effekt er gemacht hat. Niclt einmal angehört hat man ihn. B. Nur haben sämtliche deutsche Fraktionen bis auf die Fortschrittspartei dafür gestimmt! A. Das ist alles vom oben gemachte R aktion, wie Ihr auch Reaktionäre seiä . . . B. Desto schlimmer, wenn es von oben gemacht ist. A. Warum? B. Weil es zeigt, wie man von oben schon das alte Manöver vorbereitet. . . A. Welches? B. Glauben Sie, wenn einmal im Westen die Ordnung ernstlich erschüttert würde, durch soziale Unruhen zum Beispiel, dass man sieh oben auch nur ekmi Moment besinnen würde, als Abschlagszahlung dem Mob die Juden voiauwerf en? A. Nun und dann schwächt Ihr noch die Gegenwehr uni unterstützt noch die Keaktion? B. Wieso tun mr das? A. Ihr lasst eucl doch vom Gegner dessen Gedanken aufdrängen . . . Ihr seid doch gerade solche Nationalisten, wie die Antisemiten, und treibt doch auch Bassenpolitik . . . B. Was sollten wir denn tun? A. Aus Leibeskräften alle die reaktionären Begriffe zerstören helfen . . - Es gibt keine Kasse, es gibt nur Zivilisation und Barbarei. Die Zivilisation ist die allgemeine Gleichberechtigung, die Barbarei ist der Nationalismus. B. Ach " Gott, das haben die Juden so lange gepredigt, bis^s eine Judenpredigt geworden ist. Heute sind die Juden schon recht hübsch unter sich in den Zivilissationsvereinen . . A. Und doch bleibt nur das eine ükig. In Frankreich, hat's schon geholfen: da hat sich das Werkel schon umgedreht. ISFur bei uns hat man sich ins ^Bockshörn jagen lassen, statt dass alle Gebildeten sich zusammengetan hätten,um der Eeakfcion den Laufpass zugeben, um Russlancl und Rumänien su zwingen, dass sie moderne Staaten werden ... B. Zwingen Sic doch erst einmal die Wiener, einen anderen Gemeinderat zu wählen! Warum versagen da schon Ihre Gebildeten? A. Da seid Ihr mit dran schuld . . - Alles nur der Abfall vom Liberalismus . . . B. Umgekehrt . . . wir ermöglichen die Rückkehr zum Liberalismus, wenn -wir erst den Ostjudeut einen anderen Ausweg aus ihrem Ghetto eröffnen als iimmer wi*d#r d*n