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Die Welt · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Article
Ein Londoner Zionistenmeeting
Date
1903-05-22
Page
7 (sequence 6)
Language
German
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ffr.fi äP^^WjpJN^ Seite 7 in 7 Kolonien verteilt habe und fährfcfort: „Sie dürfen nicht vergessen, dass all,das nur der Beginn meines Unternehmens ist. Dies Land genügt nur für 10.000—L5.000 Leute. Was ist das aber? Ein, Pappen stiel» Ich brauche mehr Land. Ich werde in Kürze eine Spezialkommission eimsetzen, welche rinen Koionisationsplan auf breiterer B »sis ausarbeiten und wenigstens 3 bis 4 Millionen Acre Land ankaufen soll, In^ zwischen will ich 4tM)0—5000 Leute p-^r Jahr hinüber senden, und in zwei Jahren hoffe ich in der Lage zu sein, die leitenden Repräsentanten der europäischen und amerikanischen Presse einluden zu können., meine Kolonien zu besuchen und sich durch Augenschein zu überzeugen, ob die Juden zu etwa s besserem als blossem Handel sich eignen. Mr. Wolf seh eint von diesem neuen grossen Auswanderungsplam überrascht gewesen zu sein. In sseiner Brust scheint damals noch die nebenfcuhlerische Hoffnung auf Verbesserung der Lage in Rassland geherrscht zu haben* „Gibt es keöie Hoffnung auf bessere Tage in Russland?" fragt er. HK e i n e wie immer geartete — wenigstens für langte Zeit hinaus. Die Verfolgung der Andersgläubigen ist mit dem gegen wältigen Stand der Dinge in Russland unzertrennlich. Aber wenn mein Plan Erfolg hat, wird er allen Küssen die Schamröte ins Gesicht treiben. Es wird die Zeit kommen, wo ich 300.090—400.000 Juden,«Iie in ihren blühenden Heimstätten in Argentinien sich Wohlbefinden, holen werde — friedvolle ond geachtete Bürger, eine wertvolle Quelle des nationalem Wohlstandes. Dann werden wir in der Laga sein, sie ihr«ti Brüdern, die durch die Verfolgungen demoralisiert sind, gegenüberzustellen. Was Werden die Judenhasser dann sagen? Ich habe es mir in den Kopf gesetzt, ara dem Werke nicht auszusetzen. Wenn meine Kraft oder mein Vermögen es vollbiingen könnten, glauben Sie mir, würde die ganze jüdische Bevölkerung aus Russland aus dem Lande entfernt werden/ „In zwei Jahren —" berichtete die Presse an Stelle des Besuches der jüdischen Kolonien von den Bestattungsfeierlichkeifcen des Baron Hirsch. Und seine Ideen sind mit ihm bestattet wordeil- „Das erste was die Kuratoren taten", sagt Mr. Lousada „war in der Auswanderung nach Argentinien innezuhalten," Es gab dort 3000 Seelen im Jahre 1894; im Jahres 1903 gibt es dort 4274 alles zusammen. Baron H irsch über seine Lebensaufgabe. Aber vielleicht ist das verlässlachste Interview noch immer kein vollwertiges Zeugnis. Gibt es kein Zeugnis von des Barons eigener Hand? Auch das hatte ich das Glück zu entdecken. Es erschien drei Monate vor dem obzitierten Gedicht des „Punch* in 4er „North Ameriean Review"# In diesem Artikel legt der grosse Philantrop seine Ideen dar, „Es ist nueine innerste Ue-berzeugung, dass ich mich nur als den zeitweiligen Verwalter des Vermögens ansehen darf, das ich gesammelt hab»B ♦ . ♦ . . Ich bin ganz entschieden gegen das alte System des Almosengebens, welches nur mehr Bettler erzeugt.....Ich sehe meine höchste Aufgabe darin, Bekenn ern des Judentums, welche durch Tauscade von Jahren Gedrückt worden sind, die Möglichkeit einer physischen uni moralischen Wiedergeburt zu erschliessen, Das war des Baron Hirsch höcbste Lebensaufgabe)! Ein Träumer des Ghe ttos. Unglückseliger Weise verstand er ihn nicht durchzuführen. Er hatte nicht den polltischen Genius, seine eigenen Wünsche durchzuführen — er war nur ein guter Mensch. Er verstand es, Eisenbahnlinien zu projektieren, aber die Linie, auf welcher sein Volk zur physischen und moralischen Wiedergeburt geführt wesrden könnte, verstand er ni«3>t zu bauen. Er wolUte sie zur Landwirtschaft zurückführen, eine zu ungeduldige Rasse an die G«eduld erheisctienden Naturprozesse wiedergewönnen, aber ach — er wa.r selbst ein ungeduldig&s Kind des Ghetto.!Er war der grösste Ghettoträumer unseres zeitgenössischen Geschlechtes. Einer seiner Träurcie war der, dass man die Juden aus ihren überfüllten Ghettos mit einem Griff herausgreifen und sie auf einsame Farmen am andern Ende der Welt verpflanzen könne. Umd doch ist es sonderbar, dass er es nicht erkannte, dass Palästina das einzige Land sei, dessen Boden auf die Juden eine Anziehungskraft ausüben könnte, denn in seinem eigenen Artikel fuihrte er, gegen die Idee ankämpfend, dass die Juden keine Neigung für landwirtschaftliche oder gewerbliche Arbeit hätten, aus, dass die alten Israeliten Landwirte par excellenc« gewesen wären, dass sie ihre Felder bestellt hätten, solange sie politisch unabhängig waren; dass sie damals Gure Herden gezüchtet und Handwerke betrieben haben. Aber ungeachM seines Nichterkennens; der wahren Lösung, «Ler einzigen Lösung der Judenfrage, „i er Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina", verdunkelten ihm mehrere Ursachen die Wahrheit Seine eigenen Experimente In Argentinien waren nicht freier Wahl zuzuschreiben, sondern dem Zufall seiner Uebernahme der Schuldtitel einiger argentinischer Territorien, welche sieh unter den Aktiven des Bankerotts Murietta befanden. Er machta Vorkehrungen für Kolonisten, aber nicht für Märkte, Und anstatt die Verarmung der Emigranten zu vermeiden und ihre physische und moraliscfc-e Wiedergeburt zu fördern, waren die ersten Schritte ^on peinlichen Akten der Bettelei und Irnmoralität begleitet, Ein Märchen aus Tausend und einer Nacdt. Main muss nur diesen guten Mann zu. Mr. Lucien Wo 1 f sprechen hören, um zu erkennen, wi« unmöglich der Erfolg war. Jede Gruppe von 50 russischen Familien, mit einem Rabbi und einem Doktor versehen, bildete eine komplette Gemeinde für sich. Nach der Ankunft ging jede Familie direkt zu ihrem Hause, welches sie in allen Details fix und fertig vorfand, mit 6 oder 8 Ochsen in den Stallungen. 2 Pflügen und 2 Eggen in den Schuppen und etwa 190 Acres Land für sie schön vorbereitet. Haben sie je so ein Märchen gehört? Die Mehrzahl der armen Leute kam aus den Kellern ihrer russischen Spelunken in Schiffen, von (Unen sie nie früher elme Ahnung liatten, durchkreuzten eine endlose mysteriöse Wasserfläche und wurden abgesetzt in für sie wunderbaren Palästen; die in allen Einzelheiten für sie bereitstehen, mit gemachten Betten und gehenden Uhren, mit Pfeffer und Salz in den Büchsen; man zeigt ihnen Stallungen, wo sie schrecklich gehörnte, wilde IBestien, von denen sie nicht wissen, dass es Ochsen sind, uni ringsherum einen weissen Strich Landes, von dem man ihnen sagt, dass es Llinen gehöre. Es ist rührend. Es ist gleich einem Märchenaus Tausend und einer Nacht und der Baron ist der gute Genius.Teuerer, guter Zauberer, unser Herz fliesst zu dir über! Alwr das Naivste kommt erst. „So vollkommen sind die Vorbezr-eitungen", sagt der gute Baron, „dassdte Kolonisten am nächsten Morgen sLeh ans Werk machen kennen/ „Der Bauer ist kein Spielzeug". Sie haben kaum aufgehört, ihre Augen zu reiben und schon gefe-en sie daran, ihr weites Land zu bebauen. Mein Gott, solch ein Uhrwerlcsplan war zum Misslingen verdammt. Der Baroa verstand es nicht, dass Bauern nicht gleich in einem Geschäfte gekauft&n Spielzeug in Argentinien aufgestellt werden können» Aber der wirkliehe Urgrund seines Fehlgriffes war, dass er ganz allein tätig war. Der Jude hatte nicht nö

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