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Die Welt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Article
Der Hilfsverein der deutschen Juden
Date
1903-03-20
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die & (?erste^Arbei|^fp n 10 0OÖ\Ma?& [mki finden be" Hü Stürzen etc., UcjLe Katas iichkeit die Schulen der Aschhenasim unter stützt werden. Bisher erhielt die Lämmel-Schule in Jerusalem eine Subvention von 5000 Mark zum Bau eines neuen Schulhauses. tswilligen Jwl^^W^^i^S^lmg bis in iH: / Es gibt | ebenfalls/10 000\ Euhegä€sen in\der unupL^^ usskassem :"^v'^ 3|pfi "nennt/das ist nichts weiter als der, wenn auch vorherge nach: einer Buhepause doch doppelt empfindliche Sturz aüfsorgloser Sicherheit in unsichere oder unerträgliche Existenz- : ^heinßär "ber-eiti ersessenes ses. , 7mx lindern^ gab der VereiwlGftO Marfe/.^Ob 4iir für 4^c^^ kurz iCh^eih^Y' l-v v ,r.'"' &\' " . ,\" '■ "crncLG tirlr\av . oi/sTtn'n . o/airm-p rraiTZjari nicht berichtete) Ausserde^^^^^ Mark die -ÄBlfeMe^ von Bobr^k d^^mMM^^l ein für, Öb^cnl^t'in, .'Haiiburgi 50ft:Mark wurden!3öjr? eine Studienreise in Galizien bewilligt, damit der Handel mit jüdischen Mädchen an Ort und Stelle studiert werden könne. Ich habe mich bemüht, ein möglichst getreues Bild der Tendenzen und der Tätigkeit , des Vereines-zu geben., soweit dies durch einen übersichtliehen Auszug* aus dein mir vorliegenden Rechenschaftsberichte möglich ist. , Von meinem zionistischen Standpunkte habe ich folgendes dazu zu bemerken: Aeusserst sympathisch wird es allen sein, dass an Stelle der ungeregelten privaten Wohltätigkeit einzelner eine organisierte Tätigkeit treten soll; die sich nicht auf Almosengeben von Fall zu Fall beschränkt, sondern eine auf sozialer Einsicht basierte Hilfe anstrebt. Dass diese Einsicht vorläufig nicht sehr gross ist, schreckt mich nicht ab. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er bekanntlich auch den Verstand. Die Sozialisierung der Wohltätigkeit, die Verbindung aller ihrer Institutionen, das sind Prinzipien, die wir Zionistenr seit jeher verfechten, die aus unserem steten Bemühen, eine Organisation des jüdischen Volkes zu schaffen, unmittelbar resultieren. Wir sehen mit Vergnügen die Herren diesen Weg, den übrigens nach ihrer Ursprüngsterdenz auch die „Alliance" nie hätte verlassen sollen, mit Bewusstsein einschlagen. Dass sie momentaner Not auch abhelfen wollen, ist gewiss löblich und wird gerne allgemein anerkannt werden. Freilich, wir sind nicht vom gleichen xAusgangspunkte auf diesen Weg gekommen, der uns und ihnen . gangbar seheint. Schon im ersteh Einladungsschreiben kommt ein Satz vor, dessen ungeschickte Formulierung — ich will nicht tiefer eingehen und mehr als eine Ungeschicklichkeit herauslesen — bereits stutzig macht. Es heisst dort: „Es; stellte sich überdies heraus, dass infolge des Mangels einer Organisation immer nur ein kleiner Kreis unserer Glaubensgenossen zur Hilfeleistung veranlasst werden konnte; dieser verhältnismässig kleine Kreis war überlastet, während es bei einer bleibenden Zusammenfassung der deutsehen Juden möglieh sein würde, durch Heranziehen aller ausgiebige? zu helfen unter Schonung des einzelnen." Die ganz richtige Bemerkung hätte sich an dieser Stelle vielleicht auch ohne den Bari nach Schonung des einzelnen machen lassen. Wenn Generalkonsuln, Bankiers, Geheime, Regierungs- und andere Bäte ^einen solchen Aufruf unterzeichnen, so ist diese Schonungspropaganda vielleicht' nicht das richtige Mittel, um der Oeffentlichkeit und vor allem der „zahlungsfähigen Moral" der reichen deutschen Juden die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Teilnahme aller beizubringen. Doch das ist das Kleinere. Viel auffälliger ist der Unterschied unserer Auffassung von der Lage der Juden. Justizrat Cassel spricht von plötzlich hereinbrechenden, grossen Katastrophen. Ja, gibt es denn, von Feüersbrünsten,, .^gesagt, '""äer-^j^H^^Äner ganzen Purelitb^rkeit erhebende;^amlüOT'der-^igen Judenwanderung, _Frgilich> wenn man;(Jfe gähze GescüeMte 5er Juden als 7fi^nilichununterbrochene FoIg$ von, Katastrophen bezeichnen will, dann fällt dieser ' Unterschied wohl weg. Aber das liegt sicherlieh dem Herrn Justizrat und den anderen Herren des Vorstandes. ferne. Sie empfinden, als deutsehe Juden, die Not ihrer nicht in Deutschland lebenden Brüder nur durch die Unanannehmliiehkeiten, die ihnen, den Sesshafteren, .durch die Springfluten der jüdischen Wanderung entstehen. Daher die Katastrophentheorle. Gewiss, auch in ihrem Denken ist seit den letzten Jahren manches anders geworden. . Vielleicht, dass auch ihr Empfinden sich allmählich wandelt. Wenn sie aber glauben, durch Gründung selbst von 100 deutschen Schulen, dtfreh Einführung von zwanzig verschiedenen Hausindustrien, durch Spenden nicht von 10 oder 20 oder 50 000, sondern von Millionen Mark in den wirtschaftlichen Prozess wirksam eingreifen zu können, der den Zwischenhandel und das Kleinhandwerk unbarmherzig zerreibt und damit einen grossen Teil der Juden brotlos macht, sie zu Proletariern der niedersten Stufe herabdrückt, so sind sie in einem bedauerliehen Irrtum. Und dieser Irrtum ist ihr Programm. Man beachte nur, wie die einzelnen galizischen Arbeiter und Arbeiterinnen, nachdem sie auf Vereinskosten ihre Lehrzeit beendigt haben, einfach den verschiedenen Unternehmern ausgeliefert werden. Jetzt sind noch nicht zu viel Arbeiter. Wenn aber der Verein wirklich Erfolg haben sollte, wenn die Konkurrenz der jüdischen Arbeiter wächst, wenn — und das wird bald sein — der verarmte galizische Bauer, der zugrunde gegangene christliche Handwerker, der bettelhafte Kleinkaufmann mit als Bewerber auftreten, wenn der Asemitismus auch hier siegt, wie auf anderen Gebieten? Das zeigt uns nur, wie all dies momentan sehr löbliche Streben nichts als Fliekwerk ist. Kleine Löcher in einem total fadenscheinigen Gewand zu verstopfen, kann ja eine Zeitlang ganz angezeigt sein, das Gewand aber ist verloren trotz aller Flecken. Da nützt nichts. Ein neues Gewand muss angeschafft werden. Das alles wären aber noch immer nicht Gründe, um die Tätigkeit des Hilfsvereins der deutschen Juden für aussichtslos zu halten. Der Bericht sagt aber selbst an zwei Stellen, wie vorsichtig man die Endergebnisse dieser Tätigkeit einschätzen muss. Gegen die Verhältnisse in Büssland ist der Verein machtlos, und in Buniänien kann er die Ausrottungspolitik der Begierung natürlich auch nicht ändern. Und könnte er es auch in späterer Zeit, die Schäden dieser Politik sind für die meisten rumänischen Juden nicht mehr reparabel. Und' gegen diese Gefahr der erzwungenen Auswanderung aus Büssland und Rumänien — und da handelt es sich um Hunderttausende — kann' kein Hilfsverein etwas ausrichten,Und wäre es der bestgeleitete!, wenn er nicht die organisierte, gross angelegte Emigration dieser Hunderttausende mit zu leiten unternimmt. Es wäre sehr leicht, die Unzulänglichkeit solcher ,,Hilf svereins^^-Bestrebungen weiter auszumalen. jÖoch wozu?

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