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Die Welt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Article
Der Hilfsverein der deutschen Juden
Date
1903-03-20
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind rächt an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, ra richten. Unfrankierte Briefe wwden nicht angenommen und Manuserlpte n Ictit zurückgesendet. Sprechstunden der Redacti on täglich von 10 — 7,12 Uhr. Preise der Anzeigen:: lavut Aufliegendem T«jri£. Der Inseratenteil wird Dienstag abends gesshloBsm, Einzelne Nummern 30 Hiisr. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig- Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.4&, England 1 A V» r» I Vvi nUm rm Ol« ««• T ■ ■ I o.^i^.liül.uj^. OL _ <\ 4 /"k T"k__.__1___J____* 1__• _ T"fc n —~ — 1 J f) .!v f\ vi /twrnl Nr. 12 Wien. 20. März 1903 — 21. Adar 5663. 7. Jahrgang Der Hilfsverein der deutschen Juden. Am 28. Mai 1901 fand die konstituierende Versammlung des Hilfsvereines der deutschen Juden statt. Nunmehr liegt der Jahresbericht vor, der in der Gen&ialversammlung vom 28. Dezember 1902 erstattet wurde, Schon das erste im Jahresberichte publizierte Einladungsschreiben sucht die Grundlagen des Vereines festzulegen und verrät den Geist seiner Gründer. Es heisst darin: „Vielfach und auch von unbefangenen Beurteilern wird es den deutschen Juden zum Vorwurf gemacht, dass sie fcei den Massregeln zur Fürsorge für ihre Glaubensgenossen jenseits der Grenzen sich im Schlepptau ausländischer Orgamisationen befinden. Diesen Vorwurf wird unsere Organisation entkräften." Nach dieser Probe des bei den deutschen Staatsbürgern jüdischer Konfession so beliebten deutschnational scliiHernden Abwehrprinzipes wird versichert, dass der neue Verein keineswegs „eine feindliche Spitze gegen die ausländischen Vereinigungen habe". Schliesslich wird erklärt, ia,ss die Gründung nach Rücksprache mit kompetenten Personen — Juden wie Christen — erfolgen solle. Einen weiteren Horizont und geschicktere Mache zeigt die Rede, die Justizrat Cassel etwa zwei Wochen später in einer Berliner Versammlung hielt. Nach ihm weide der Verein sein Hauptstreben darauf richten, „die Glaubensgenossen ausserhalb Deutschlands, namentlich diejenigen Osteuropas und des Orients, aus wirtschaftlicher und geistiger Not zu befreien. (Wie man sieht, für einen Hilfsverein ein geradezu kolossales Programm.) Die 'Tätigkeit äes Vereines werde sich nach zwei Richtungen zu bewegen haben; zunächst soll derselbe die Zentralstelle bilden, weLehe bei plötzlich hereinbrechenden grossen Katastrophen den Gabeneifer anruft und in wohlerwogener zielbewusster Aktion das Elend lindern, den davon Betroffenen wirksam he]fen soll. Das AVichtigste aber sei, unsere Glaubensgenossen gegen solcheKatastrophen widerstandsfähiger zu machen, ihnen den harten Kampf ums Dasein durch geistige und wirtschaftliehe Kräftigung zu erleichtern. Zu diesem Zwecke werde der Hilfsverein Elementar-, soweit möglich auch Mttel- und wo erforderlich Ackerbau- und Gewerbeschulen einrichten" ... (Es ist möglich, dass durch Schulen die geistige Kräftigung — wahrscheinlich ist die BeiWingxmg der deutschen Sprache gemein* — erfolgen wird. Die wirtschaftliche Kräftigung durch Schulen dauert wohl auch dem Hilfsverein zu lange, selbst wenn er nur kleine Gruppen im Auge hat; denn bei dem riesigen jüdischen Proletariat und bei den zahllosen „Luftmenschen" und Bettlern wird damic kaum etwas zu erreichen sein.) „Die Hauptsache sei, dass nach Lage der Dinge die Beherrschung deutscher (also richtig vermuteit) Bildung die sicherste Gewähr biete, unseren Glaubensgenossen eine wirklich befriedigende äussere und innere Situation zu bereiten und sie in den Stand setze, im Lande selbst zu verbleiben und so das Gesamtniveau der jüdischen Bevölkerung zu heben" ... Die Aufgaben des Hilfsvereines der deufe«üien Juden fasst das Statut in folgenden Sätzen zusammen : „§ 1. Der Hilfsverein der deutschen Juden., welcher in das Vereinsregister des Königlichen Amtsgerichtes I Berlin eingetragen werden soll, setzt sich — unter Ausschluss jeder gewinnbringenden Tätigkeit für die Mitglieder — das humanitäre Ziel, die sittliche, geistige und wirtschaftliche Entwicklung der Glaubensgenossen zu fördern. Die Dauer des Vereines wird auf imbestimmte Zeit festgesetzt. § 2. Der Hilfsverein will seine Tätigkeit insbesondere den Glaubensgenossen im östlichen Europa und in Asien zuwenden. Der Sitz des Hilfsvereines ist in Berlin." „Dieses Tätigkeitsgebiet zerfällt am wesentlichen in drei räumlich voneinander getrennte Bezirke: Galisien, Rumänien und die Türkei. Zwar wären unsere Glaubensgenossen in Russland nicht minder der Hilfe bedürftig, dw politischen Verhältnisse liegen aber dort heute und leider wohl auch noch für absehbare Zeit derartig, dass es nur in besonderen Ausnahmsfällen möglich scheint, den Glaubensgenossen in Busslemd vom Ausland her Hilfe -zu bringen/' Wir wollen noch konstatieren, dass der Eechenschaftsbericht über die mit dem Wiener „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" begründete, respektive subventionierte Haarnetzindustrie referiert. Mehr als 2000 Mädchen und Frauen sollen im Jahre 1901 das Haarnetzen erlernt haben, wie der Wiener Verein berichtet. In 70 Orten Galiziens wurden Haarnetze erzeugi. Auch mit Drechslerarbeit und billiger Stickerei sollen Yersuche gemacht werden. Es wurden Grossuntemehmer für diese Arbeitsmärkte interessiert. Die ersten Ausgaben für das Aus-

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