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Die Welt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Article
Der Hilfsverein der deutschen Juden
Date
1903-03-20
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. \% ^Die $ Welt" Seite 3 Von den deuisehtümelnden Aspirationen des Vereines, der in dieser Beziehung ein würdiges Seitenstüek zu den Schulen der „Alliance" im Orient schaffen will, in denen jeder Geist willkommen ist, nur nicht <ler jüdische, will ich gar nicht sprechen. Das sind Ansichten, die eben der Ausfluss einer Anschauung sind, die nicht begreif t, dass es nur ein Bettungswerk mit Aussicht auf Erfolg gibt — das jiidisch-volkliche. Nur wenn der Hilfsyerein der deutsehen Juden im national-jüdischen Geiste geführt, wenn er als Volksinstitution aufgefasst würde, der: als kleiner Baustein in unserem Volksbau auch einen Zweek erfüllen will, wenn er in innigem Zusammenhange mit allen anderen grossen jüdischen Instituten stehen würde, raan er als dienendes Glied dem Ganzen sich anschlösse uiid seine Tätigkeit entsprechend änderte, nur dann könnte f ür das Judentum . Dauerndes leisten. So wie er jetzt ist, -wird er eben einen der vielen Wohltätigkeitsvereine vorstellen, mit etwas mehr Bctätigungsmum, etwas mehr Berichterstattungen. Es gibt nur dann einen Erfolg, wenn die jüdische Wohltätigkeit der ganzen Welt organisiert und in innigem. Verband sein wird, geleitet von einer einzigen Zentrale. Biese Zentrale kann nur eine aus lern ganzen Volke gewählte Korporation sein. Wir hoffen, dass der Hilfsverein der deutschen Juden ebenso wie die anderen Gesellschaften, die „Alliance", die „Anglo Jewiish Association" und die „lea" im Laufe der Zeit, vielleicht auch erst durch irgend eine arge Verschlimmerung der jüdischen Lage sich endlich zu dieser TJeberzeugung bekehren werden. Die zionistische Organisation wird dann gerne bereit sein, sie alle zusammenzufassen — zur grossen Organisation unseres ganzen Volhes. Dr. Sieg. Werner. Die „Alliance Israilite". Wie die „Alliance Israeli te" üben' unsere nationale Bewegung denkt, ist genügend bekannt, aber wie sie handelt, welche Mittel sie zu ihrer Ausrottung* gebraucht, ist nicht nur in den weiten jüdischen Kreisen, sondern auch den Mitgliedern dieser jüdischen Institution kaum bekannt. Ungemein" täuscht sieh derjenige, dci die Tätigkeit der „Alliance" nach ihren Jahresberichten beurteilen wollte und der glaubt, dass sie mit den paar Zeilen, eines solchen »Jahresberichtes, zionistischer Tätigkeit gewidmet, ihr ganzes Interesse au unserer Sache erschöpftlat. Im Verlaufe von vier Jahren verfolgen wir hier diese hinter den Kulissen versteckte kleinliche Tätigkeit der eh« mal s grossen. „Alliance Israelit©", die gegen das wachsende nationale Erwachen unseres Volkes gerichtet ist. Eine lümdvoll Pariser .Jiul<in will sich in das Schicksal unseres Volkes gewaltsam hineinmengen und mit einer unqnalifizierl>.nren Gewissenlosigkeit verletzen, sie unsere jüdischen Gefühle. : Alljährlich wird bei uns in Pinlippopel seitens des SchulkoniLtees zugunsten anner Selnilkinder ein liall veranstaltet. Schon im vorigen Jahre listt das Ballkomiitec den Saal mit der bulgarischen Nationalfiihiie und zugleich auch mit der jüdischen,geschmückt. Dieses Jahr aber haben einige unserer Antizionisten sich vorgenommen, die Zulassung der jüdischen Fahne auf dem Balle niclit zu dulden und trotz des Verlangens des Schulkomitees und der Mehrzahl der Mitglieder derBallkommission hatten sie Massregeln znrVerhinderung der Ausschmückung des Saales mit der jüdischen Fahne getroffen. Doch die jüdischeBcTÖlkerung der Stadt hat dieSaehe ernster aufgefasst:derBall hl nämlich ein jüdischer, er wird im Namen der jüdischen Bewlkerung gegeben, folglich myiss auch die jüdische Fahne dabei sein. Eine grosse Menschenmenge hat an dem Tage, wo der Ball stattfinden sollte, die Fahne unter Absangen der zionistischen Hymno feierlich in den Saal getragen und sie an der Seite der bulgarischen angebracht. Als die Antizioniden dessen gewahr wurden, wendeten sie sich an die Polizei und verlangten die Entfernung der Fahne unter dem Porwande, dass es eine jüdische Fahne nicht gebe, dass (kren Anwesenheit einen Skandal hervorrufen und sogar manchen jüdischen Gast unangenehm berühren werde. Auch der Schuldirektor der „Alliance" erklärte im Namen der letzteren das Anbringen der Fahne für unzulässig, worairf ihm aber seitens des Sctmlkomitees erwidert wurde, dass es» nicht Sache der „Alliance" sei, sich in die Frage der Ausschmückung des jüdischen Ballsaales in Philippopel einzumengen. Der Stadthauptmann Hess sich von diesen Einwänden der-Antizionisten beeinflussen und erteiHc den Befehl, die Fahne herunterzunehmen. Aber eine kleine Schar begeisterter Jünglinge umringte die Fahne, fest entschlossen, sie mit ihren Leibern zu decken und bis zum Aeusaicrsten zu verteidigen. Draussen auf der Strasse wuchs die Menge immer riesiger an. Der Stadthanptmann sah Ruh genötigt, eine Abteilung berittener Wachleute zum Bai llokalc zu berufen und Hess die Arretierung einiger Personen, darunter auch die des Vorstandes des Schulkomitees, unseres wackeren Gesinnungsgenossen Eechtsanwalts Dr. Marco Romano, vornehmen. Erst in diesem Augen blicle gaben unsere Antizionisten nach, indem sie sich bereit erklärten, die Fahne auf ihrem Platze zu belassen. Mit groswm Jubel vernahm draussen die Volksmenge die Nachricht ii her diese Wendung und ging hierauf ruhig auseinander. Damit war der Zwischenfall zu Ende. Wie auch zu erwarten war, ist der Ball ohne weitere Störung abgehalten worden. Die Tatsachen haben aber gezeigt, dass das jüdische Volk eine Fahne hat, welche es auch liebt, und diLs-s die Entfernung der Fahne und nicht deren Anbringen skandalös sei. Der wirkliche Skandal entstand alx« erst zwei Wochen nachher, als die „Alliance" ihre Hache nahm. Wahrlich, man weiss nicht, worüber man mehr enijört sein soll, über die Ungesetzlichkeit der „Alliance", oder über den Zynismus, mit welchem diese Gesetzlosigkeit I id rieben, wird. Die „Alliance Israelite" hat nämlich im Namen des Komitees in Paris die sofortige Einstellung der Bü'oxliguug der 200 armen Kinder unserer Stadt angeordnU. Die Kinder sollen dafür biissen, dass ihre Väter es nicht begriffen haben, wie teuer sie die Verteidigung der jüdischen Fahne zu stehen kommen werde, Die Väter sollen dafür büssen, dass sie noch nicht begriffen haben, um welchen Preis sie ein zionistisches Schulkoii iitee wählen. Und ist es der jüdischen Welt bHcimnt, aus; welchem Fonds diese armen Kinder beköstigt woxlen? Vom speziellen Fonds der Baronin Hirsch» Und dieser Fonds dient in den Hoden der „Alliance Israeli te" als Werkzeug zur Demoralisation der jüdischen Bevölkerung; seiner bedient sie sich, um nationale menschlich schöne Gefühle von Juden zu ersticken. So wird der Wille der verstorbenon. Wohltäterin profaniert! Auf solche Art kämpft die „Alliitnce Israelitc" aus sicherem Hinterhalt gegen die national.) Bewegung!'") Du IL Riincdovslvy. *) Die „Alliance" faüd es niclit einmal der Mühe wert, eine Erklärung seitens des Schulkomitees über die Begebenheit zu verlangen, und als das Schulkomitee den hiesigen Schuldirektor ersuchte, er möge, bis die Sache endgiltig erledigt sei, das Kochgeschirr zum Gebrauche lassen, worin, man vorläufig die durch Sarnnluttgen beschafften Speisen imr die Kinder bereiten wolle, lehnte der Direktor die Bitte ab.

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