Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-12-26 · 52 (26.12.1902) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
52 (26.12.1902)
Article
Die Frauen der Bibel
Date
1902-12-26
Page
6 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3316012-3327269--36449-3327379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

macht, hat uns nicht allein betem gelehrt, sondern auch ihren Schwestern den Weg gezeigt, auf welchem sie ihre Söhne zu Propheten erziehen können. Wenn der Psalmendichter Samuel dicht neben Moses stellt, so kommt das hauptsächlich daher, dass Hannahs Platz in unserer Geschichte neben Jochebed ist. Hannah hatte die einzig richtige Auffassung von der Erziehung ihres Kindes; ihr galt diese Erziehung als der höchste Gottesdienst, darum erklärte sie dem Gatten, dass, so lange der Knabe seiner Mutter bedürfe, sie bei ihm zu Hause bleiben und nicht nach Silo hinaufziehen werde. In der Kinderstube als Mutter gewissenhaft alle Pflichten erfüllen, ist ein Gottesdienst, zur'Königiii geboren wurde., Für den einst so schönheitsdurstigen König treten selbst jetzt noch die unverkennbaren Spuren jener Eeize deutlich hervor, mit welchen sie ihn einst in Fesseln geschlagen, jetzt, da sie die Erfüllung eines ihr gegebenen Versprechens vom König fordert. Es gilt nicht allein, ihrem Sohne Salomo die Thronfolge zu sichern, sondern auch ihre eigene auf dem Spiel stehende Frauenwürde zu retten. Adoniah trifft alle Vorbereitungen, um im Augenblick, da der Vater die Augen schliessen wird, sich die Krone auf zusetzen, und da drängt der Prophet Nathan die Königin, David so rasch als möglich aufzusuchen, ihn an seinen Aus ,,Lieder des Ghetto1'. Von Morris Rosenfeld. Deutsch von Berthold Feiwel. Illustriert von £. M. Lilien. Verlag S. Calvary fr Co., Berlin, 1903. dem nichts vorangehen darf, ein Gottesdienst, der selbst dem Besuch des Gotteshauses vorangehen muss, so lautet die Lehre, welche die betende Hannah nach wie vor allen Frauen verkündet. Das achte und letzte Bild der ersten Gruppe zeigt uns Bathseba als die Mutter Salomos. Fesselnder für viele freilich wäre das Bild dieser Bathseba aus jener Zeit, da David in unbezähmbarer Leidenschaft sie zur Königin gemacht, aber ich ziehe es dennoch vor, das Bild nicht der blendend schönen, sondern der klugen und besonnenen Enkelin Achitofels in den.Vordergrund zu stellen, welches sie uns an der Seite des vor der Zeit altgewordenen David zeigt. Da sehen wir; dasg die Mutter Salomoe tatsächlich Schwur, dass Salomo sein Nachfolger sein werde, zu erinnern, und dann ihm die Frage vorzulegen, warum denn Adoniah die Zügel der Regierung bereits ergriffen. Der vor Eifer glühende Prophet rät der Königin, die Sache ein klein wenig zu übertreiben und David für die Anmassung Adoniahs verantwortlieh zu machen, und als wäre Bathseba ihrer Aufgabe nicht ganz gewachsen, will er bald nach ihr beim König eintreten und ihre Worte mit seiner Bede ergänzen. Doch Bathseba lässt sich selbst von einem Propheten nicht gängeln; sie hütet sich, ihren Gatten zu reizen^ sie spricht nicht in Frageform mit ihm, sie macht ihm aus seiner Nachsicht mit Adoniah keinen Vorwurf; in vorsichtig schonender Weis© schildert sie ihm die ihr und Salomo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.