Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Article
- Die Frauen der Bibel
- Date
- 1902-12-26
- Page
- 7 (sequence 5)
- Language
- German
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droHende Gefahr, und es gelingt ihr, den alten König zur Tat zu erwecken. David lässt beim Anblick dieser so beredten Bathseba sein ganzes Leben an sich vorüberziehen; es wird ihm klar, was er nicht bloss dieser Frau, welcher in höherem Grade als allen anderen sein Herz gehörte, sondern noch mehr, was er der Mutter Salomos schuldet und er ernennt sofort diesen Salomo zum Thronfolger. Salomo verdankt seinem Vater viel, aber seiner Mutter schuldet er noch grosseren Dank, nicht etwa, weil sie ihn auf den Thron gebracht, sondern weil sie ihn zu einem seines Vaters würdigen Sohn, weil sie ihn zum König, zum weisen Salomo, erzogen. Diese acht Frauen der ersten Gruppe in unserer biblischen Bildergalerie sind die klassischsten Zeugen für die hohe und vornehme Stellung, welche die Frau der Bibel einnimmt; durch sie erlangen wir das volle Verständnis für die Tatsache, dass die hervorragenden Männer in unserer 4000jährigen Geschichte nicht so sehr Söhne grosser Väter als vielmehr Söhne grosser Mütter sind. Durch diese acht Mütter grosser Söhne wird es unsklar, warum bei jener Würde, die in Israel erblich war, der Priesterwürde, ein Makel der Mutter, die Ausschliessung, um nicht zu sagen die Äusstossung zur Folge hatte; durch sie verstehen wir auch, warum bei den Königen von Juda, den Trägern der erblichen Davidskrone, jedesmal der Name der Königin- Mutter genannt wird. Aber diese Frauen, reden zu uns nicht allein von einer ruhmreichen klassischen Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart und noch mehr von 3er Zukunft. Denn gerade in unserer Zeit, da der Kampf um die soziale Stellung des Weibes auf der ganzen Schlachtlinie entbrannt ist, darf die Stimme nicht unbeachtet und unbeherzigt bleiben, welche uns alle, Männer und Frauen, oder richtiger Frauen und Männer, daran gemahnt, dass das Wohl des Menschengeschlechtes im Grunde genommen doch nicht davon abhängt, welche Stellung die Frau im sozialen Leben, in der Gesellschaft, sondern davon, welche Stellung sie im Familienleben, im Hause einnimmt. Die Frau, das steht unerschütterlich fest, wird nur so lange die Krone der Schöpfung bleiben, so lange sie als Gattin die Krone des Mannes, so lange sie als Mutter die Erzieherin ihrer Kinder, so lange sie als Priesterin der Sittlichkeit der Grundpfeiler des Hauses und des Familienlebens sein wird. Zum 25. Kislev. Und wieder stellt der Held vor uns, Der erinst mit stolzem Siegesruf Bern Volke neue Kräfte schuf. .Äls seines Feindes Schild verklang, Und weit hinaus die Kunde drang: Jeruscholajim wankte nicht. Tn einer Tempelslanrpe glomm Ein helles Makkabäerlicht. w. Das brannte stark und griff um sich Und fasste manchen, der sein Blut Und seine Seele und sein Gut Aufopfern wollte, um die Schmach, I)fe der Verräter Schar verbrach, Zu tilgen und im ganzen Land Den Gott zu preisen, der den Ring Des Judenvolkes stets verband. * Und immer mächtiger erwuchs Die Tat Makkabis. Und sein Lob, Das einst der Volksgeist um ihn wob, Ist uns're Zukunft, unser Hort, Glüht heute fort, stürmt in uns fort, Bleibt unser Volkslied und Gebet, Das wir noch sagen, wenn der Tod Erwartend vor dem Hause steht. & Die Lahre der alten Zeit. Gedanken sind die Befreier des Menschen, wenn sie auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit sind. Gedanken sind die Ketten des Menschen, wenn sie die Grösse der Opfer erwägen, die es braucht, um verkannte Wahrheit, misshandelte Gerechtigkeit an die Sonne zu bringen. Aus den Rissen solcher Fesseln traten die Helden der Weltgeschichte hervor. Heldenhafter in unserem Urteile, je lauter die Warnerstimmen gewesen sein mussten, denen sie ihr Ohr verschlossen. Wann waren diese Stimmen lauter, als da Mattathia das Opfermesser des Priesters zum Schlachtschwerte der jüdischen Freiheit machte? Wann lauter, als das Tal von den Hufen des syrischen Reiterheeres erzitterte, während gegenüber eine Handvoll Juden Abschied vom Leben nahm? In auffallend kurzer, auffallend schmuckloier Erzählung sind die Tatsachen dieser Kämpfe unserer Erinnerung aufbewahrt: Weil jeder eilte, als erster zu sterben, lebte Judas Freiheit. Auf ihrer Vorhut standen die Hasmonäer, bis endlieh Roms Angst ihren letzten Dränger unter schweren Lasten Erde begrub und auf dem Brandplatze von Moria, auf den Schlachtfeldern Bar Eochbas triumphierte. Eine Schlange zog ihre Ringe um den Leib dieses toten Helden. In dieser Sage liegt tiefe Poesie. Das besiegte Juda ist umschlungen von dem Symbol der Unendlichkeit. — Hinüber in Ohnmacht und Leid nahmen die Juden eine kurze, schmucklose Erzählung mit. Eine Erzählung von schwerer, langer Not und einem Sieg wie durch ein Wunder. So ward die Schilderung der Makkabäerzeit zum Hoheliede jüdischer Hoffnung, zum Tröste verzweifelter Herzen. Und noch eine Wirkung übt sie durch ihre trockene Chronik/Sie ist nicht breitspurig und poetisch, sondern meldet kurz und einfach getane Pflicht. Pflicht war es im alten Juda, das Aeusserste gegen die Knechtschaft zu wagen; Pflicht, das Leben für die Freiheit einzusetzen. Und so hat die Erzählung einen Weg zum jüdischen Gewissen gefunden und ist dort zu einem Mahner grosser Taten, zu einem Ansporn der Freiheit geworden. Diesen Ansporn empfinden am meisten wir, die Zionisten. Nur dass unser Eifer der Nachahmung die Formen unserer Zeit annimmt. Die Freiheit ist nicht mehr zu erstürmen — unser ist es, sie Schritt für Schritt zu erarbeiten, zu ertrotzen. Dazu nehmen wir die innere Stärke aus jenen Zeiten, von denen uns zwanzig Jahrhunderte trennen. Wohl wissen wir, dass wir gegen Hindernisse anlaufen, die unserer Kraft die schwersten Proben geben werden. Wohl wissen wir, dass wir selten einen offenen Kampf auf klarem Felde zu führen haben, sondern in den Niederungen des in der Not des Ghetto verkommenen Judentums einen aufreibenden Pionierdienst zu leisten haben, wo Scheelsucht die Arbeit unserer Liebe lohnt. Dass diese Arbeit nicht Müsse, nicht Ende bietet. Sie wird uns nicht ermüden! Wir werden freudig unser Letztes bieten. Denn wir geizen nach einer schmucklosen, kurzen Erzählung über uns, ähnlich jener aus den Makkabäerzeiten. Kürzer allerdings, viel kürzer soll sie sein. Sie soll nicht Namen, nicht Taten bringen. Nur den einen Satz muss sie wieder bieten: Es lebte die Freiheit Judas! J. Upfimny.