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Die Welt · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Article
Die Vorsehung, Palästina und die Rothschilds
Date
1902-03-07
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 * 01& W#It^ Nr. 10 Wenn die britische Regierung mit den britischen Zionisten cooperieren wollte, könnte sie die parlamentarische Commission entbehren, und Englands ruhmreiche gastfreundliche Tradition als das Asyl der Welt unbesudelt lassen. Aber auf dass die uralte Liebe der Juden zum Heiligen Lande zu einer Vereinigung mit demselben führe, müssen die Juden mehr thun, als bloss ihre Liebe kundthun. Sie haben die Alternative einer Vermählung durch Gewalt oder durch Kauf. Die erstere ist augenscheinlich unmöglich. Weder . Cäsar noch Napoleon könnten die Krieger der Diaspora anführen, deren Versammlung in einemLande ein Act der Aggression gegenüber der Regierung dieses Landes und dann wieder eine solche gegen eine Macht wäre, mit der dieses Land in Frieden lebt. Und wenn selbst alle christlichen Regierungen diesen paradoxen jüdischen Standpunkt aufmunternd sanctionieren würden, seine Kräfte würden durch die effective Million türkischer Soldaten im ersten Anstürme vernichtet werden. Das alles ohne Inbetrachtziehung der Thatsache, dass ein guter Theil der Juden unter islamitischer Herrschaft lebt, und dass alle Mohammedaner, ob weiss, schwarz oder mischfarbig, gegen jeden Versuch eines Angriffes auf die heiligen Stätten sich einmüthig erheben würden. Nein, die Idee eines Eroberungsversuches ist ebenso absurd und monströs als erschreckend und daher nicht wert, in Betracht gezogen zu werden. Bleibt die Heirat mitteist Kauf oder besser durch solche delicate Finanzoperationen, welche in modernen Ehen die alte Thatsächlichkeit ersetzen. Hat die Vorsehung nach dieser Richtung den Weg geebnet? Herrscht in der Türkei die genügende Geldnoth, um den Versuch solch einer Ehe zu machen? Sind in Israel die genügenden Geldmittel vorhanden, um den nothwendigen Versuch,zu unterstützen? In diesem historischen Augenblicke können diese beiden Fragen mit einem nachdrücklichen „Ja" beantwortet werden. . Man braucht nur folgende Stelle aus einem autoritativen Artikel im „Scotsman" (einem finanziellen Blatte) vom 10. Februar zu lesen, um daraus zu entnehmen, wie gross die Noth der Türkei ist: „Die türkische Regierung hat bereits jedes fassliche Activvermögen. dass sie irgendwo besitzt, verpfändet. Beinahe alles ist dort hypothekarisiert, vielleicht mit einziger Ausnahme der Atmosphäre. Inzwischen sind die unmittelbaren Bedürfnisse sehr pressant. Gläubiger schwebender Schulden wachsen von Tag zu Tag und verlangen zudringlich lärmend die Festsetzung eines Zahlungstermines, die Civilbeamten und das Heer bitten geräuschvoll und nachdrücklich um Auszahlung ihres rückständigen Soldes. Sofern nicht etwas geschehen wird — und zwar ehestens — um die Forderungen des Militär-Departements zu erfüllen, sind ernste Unruhen zu befürchten. Es fehlt nicht an Anzeichen, dass der Geist der Unzufriedenheit sich bis zur Insubordination steigert. Die Angelegenheit hat einen* so kritischen Stand erreicht, dass eine Vernachlässigung desselben nicht länger möglich ist. Die sind nicht leichter zu behandeln seit der zunehmenden Thätigkeit der jungtürkischen Partei . . . Was nach Obenstehendem also dringend noth wendig ist, ist bares Geld. Jegliche Quelle ist vollkommen erschöpft, und alles auf dem Trockenen." Des Mannes äusserste Noth ist Gottes Gelegenheit, sagt ein englisches Sprichwort. Was hat die Hand der Vorsehung gethan, um Israel auszurüsten, um in dieser Krisis intervenieren zu können und nicht mir sich selbst, sondern auch das Ottomanische Reich zu erlösen, dessen Integrität, wie ich glaube, eine hohe Noth wendigkeit für den Weltfrieden ist? In der Börnestrasse in Frankfurt am Main sieht man ein schlankes Giebelhaus, das einsam dasteht inmitten seiner modernen Nachbarn. Dieses Haus ist beinahe das einzige Ueberbleibsel der „Judengasse", in welche die Juden Generationen hindurch gepfercht waren; und es ist erhalten, weil es die Wiege war einer jüdischen Fin ander s-Fämilie, deren Operationen — unter Schutz der Vorsehung — die Geschicke Europas beeinflusst. Diese Brüderschaft von Baronen übt —in den verschiedenen Hauptstädten zerstreut, aber loyal miteinander und einem Netz befreundeter Häuser zusammen arbeitend — eine einzige Macht ausj eine Macht, welche, weil die amerikanischen Plutokraten sich auf ihre eigene Hemisphäre beschranken, in unserer ohne Rivalen ist. Diese Macht könnte, ohne einen Pfennig zu spenden, durch blosses Zunicken, durch einfaches Indossieren des Zionismus, das Problem des ewig wandernden Juden lösen und wahrscheinlich dabei einen Profit von Millionen machen. Augenscheinlich durch die Vorsehung für die Rettung Israels vorbereitet, kann diese Macht ihre Bestimmung nur zum Schaden ihrer gegenwärtigen Stellung an der Spitze des Judenthums vernachlässigen. Aber würde der Sultan sich herablassen, mit Israel zu unterhandeln? Nun, in diesem Augenblicke befindet sich Dr. Herzl, der Führer des modernen Zionismus, in Gonstantinopel, durch kaiserlichen Willen dorthin berufen. Denn Se. Majestät vertraut Dr. Herzl, mit dem er vor einiger Zeit eine sehr eingehende Besprechung hatte. Er weiss es, dass Dr. Herzls Absichten nicht gegen die Einheit seines Reiches gerichtet sind, sondern nur darauf hinauszielen, für die Colonien der Einwanderer eine einfache Form der Selbstverwaltung zu erlangen. Es mangelt dem Df. Herzl nicht an Geld, denn die armen Juden der ganzen Welt haben über eine Viertelmillion subscribiert, und es gibt nicht wenige Finanzmagnaten sowohl in England als in Süd-Afrika, welche bereit sind, sich anzuschliessen, wenn er von seiner gegenwärtigen Reise feste Concessionen heimbringt. Es ist auch leicht möglich, dass die Curatoren des Hirsch'schen Nachlasses, durch die Erfahrung darüber im klaren, dass ausserhalb Palästinas ihr Geld keine Früchte trägt, ihre Millionen zuletzt doch zur Disposition dieser Bewegung stellen werden. In diesem Falle könnte die Rückkehr nach Palästina — das ist ausser Frage — morgen beginnen. Es ist eines der mannigfachen Missgeschicke Israels, dass in dieser dramatischen Krise in seiner Geschichte, da die Hoffnungen von achtzehn Jahrhunderten ihrer Verwirklichung sich nähern, drei Personen, welche alle in der gleichen Richtung thätig waren, nicht mehr am Leben sind: George Elliot, Baron Hirsch und Lord Beaconsfield. George Elliot würde, durch ihren eigenen prophetischen Erfolg inspiriert, die Muse der Bewegunggeworden sein; Disraeli hätte alle politischen Schwierigkeiten beseitigt und Hirsch würde seine Millionen ihrer nichtigen Verwendung in Argentinien entzogen und sein Rettungswerk auf Palästina übertragen haben. Da hätte der Zionismus seinen Poeten, seinen Politiker und seinen Zahlmeister gehabt Nun, da naturalistischere Zeiten und schwächere Seelen vorhanden sind, könnte er beinahe angesichts des Hafens Schiffbruch leiden. Lord Rothschild ist Präsident des Rathes der „United Synagogue" in London, der orthodoxen Synagoge, in deren Doctrin die Wiederherstellung Palästinas ein Haüptdogma ist, und die Meinung, dass dies Wiederherstellung ohne menschliche Mitwirkung durc®

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