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Die Welt · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
10 (7.3.1902)
Article
Chartered-Compnies
Date
1902-03-07
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die i> Welt" m i# Nachdem die Compltey' unter unendlichen Schwierigkeiten England' ein weites Absatzgebiet für seine Erzeugnisse erschlossen, däg€fto;4öii Handel mit den kostbarsten Naturproducteü Indiens monopolisiert hatte und dadurch den Actionäreiü steigenden Gewinn brachte*), gelang es ihr auch, durcfr glänzende Waifenthaten allmählich die Herrschaft über g&nz Indien zu erlangen. Die Direetoren der Company,- daheim die Unterthanen Seiner britischen Majestät, warten in Indien Süzeräne einer grösseren Zahl von Königen und Fürsten und Souveräne einer Bevölkerung, welche nähezu 300 Millionen ausmacht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann unter dem Einflüsse der neuen ökonomischen Doctrinen eine Reaction gegen die bis dahin viel gepriesenen Colonialgesellschaften in der öffentlichen Meinung sich Bahn zu brechen. Beseitigung aller Monopole, Ereihandel, war das Losungswort geworden. Als dazu die Aufdeckung grosser Missbräuche in der Verwaltung der Compagnien kam — der Process gegen Warren Hastings, einen ehemaligen Gouverneur von Indien, erlangte historische Berühmtheit — und als endlich der grosse Sepoy-Auf stand im Jahre 1857 die anderthalbhundert jährige Arbeit der ostindischen Company gänzlich zu vernichten drohte und nur mit den allergrössten Anstrengungen des ganzen britischen Reiches zu unterdrücken war, da war die letzte Stunde der ostindischen Company gekommen. Ostindien wurde 1858 zur Kron- Colonie umgewandelt. Doch merkwürdigerweise giengen kaum 20 Jahre vorüber und dieselbe öffentliche Meinung, welche mit so viel Energie die Aufhebung der souveränen Colonial-Gesellschaften gefordert hatte, schlug wieder um, und eine ganze Reihe Chartered-Gesellschaften sind erstanden, welche unter grossem Beifall des ganzen englischen Volkes als Pionniere für Englands Handel und Politik sehr wirksam thätig sind. 1881 entstand die ISTorth-Borneo-Company, welcher bald die Royal-Niger-Company, die East-Africa- und endlich die ' South-Afriea-Compan}' folgten. Belgien gründete die *' Congo-Companv, und auch Deutschland, che jüngste. Colon ialmacht, ahmte das gegebene Beispiel nach, indem es7 — die erste Organisation seiner Erwerbungen in fremden Welttheilen — in Ost- und Südwest-Afrika, sowie in iSreu- Guinea Colonialgesellschaften anvertraute. Die neuen Chartered-Companies gleichen nach vieler Richtung den früher bestandenen, aber sie unterscheiden sich auch wesentlich von denselben durch gewisse Modificationen, durch welche sie den modernen Ideen Rechnung tragen. In erster Linie ist ihr Privileg, welches früher ein allgemeines Handelsmonopol umfasste, ganz wesentlich eingeschränkt. Ausdrücklich heisst* es in allen Charters gleichlautend: „Der Handel in den der Jurisdiction der Gesellschaft unterworfenen Territorien ist frei, und dürfen ausser den Zöllen nur solche Taxen erhoben werden, welche 2u/r ^Bestreitung den Administration nothwendig fcind." Aber die Höhe dieser Taxen und die Art der Verwaltung ist nicht der Willkür der Gesellschaft überlassen, sondern unterliegt der Controle der Regierung des concessionierenden Staates. Ja, während für die alten Colonialgesellschaften die Handelsoperationen, manchmal noch dazu die Emigration, und Colonisation die Hauptsache waren, unterscheiden sieh die neuen Gesellschaften sogar auch dadurch, dass sie —, mit Ausnahme der Niger-Company — gar nicht selbst Handel treiben, sondern sich nur damit befassen, den Privathandel zu fördern und die Hindernisse zu beseitigen, welche seiner Ausbreitung in den uneivilisierten Ländern des Gesellschaftsbesitzes entgegenstehen. Darum be- *) Die holländ;sch-ostindische Company, eine Concurrenzgesellschaft der englischen, deren Bilanzen aus allen Jahrhunderten veröffentlicht sind, weist für die Jahre 1605 bis 1648 zusammen 987 Percent Dividende aus. Am höchsten war dieselbe im Jahre im : 75 Percent l schränken sie sich auch nicht auf den Handel allein, sondern unterstützen auch Ackerbau, Viehzucht und Industrie. Darum suchen die modernen Colonialgesellsehaften auch nicht, wie die ältesten Gesellschaften, ihre Stützpunkte) am Meere, sondern sie dringen in das Hinterland ein. Der eigentliche, und Hauptzweck d|eT modernen Chartere d-C ompanies i s t, i n de in erworbenen Territoriuni. einen Zustand anzustreben, welcher zu dessen grösstmöglicher ökonomischer Fructifi ci^e - zr u n g no t h w~e n d i g i s \t. Und das Faeit der Thätigkeit dieser Gesellschaften? Sie erschlossen bisher dunkle Weltgegenden der ganzen Menschheit. England speciell dankt seinen Colonial-Gesellschaften ein enormes Anwachsen seines Colonialbesitzes. 1876 besass England in Afrika rund 280 000 Quadratmeilen, im Jahre 1898 betrug dieser Besitz 2 500 000 Quadratmeilen, hatte sich also fast verzehnfacht. Die Erfolge der Colonialgesellschaften waren aber noch grösser nach innen. Alle englischen Staatsmänner, ob liberal oder conservativ, anerkannten gleicherniassen die segensreiche Thätigkeit der Compagnien. Ihre rasche Initiative und Elasticität führten in kurzer Zeit Thaten aus, zu welchen eine Staatsregierung mit ihrem schwerfälligen Mechanismus Jahrzehnte gebrauchen würde. Die Gesellschaften mussten, um ihre Actionäre zu befriedigen, ihre Territorien so rasch als möglich zum Erträgnis bringen.' Welcher Staat hätte in so kurzer Zeit eine Bahn gebaut, wie es in Rhodesia der Fall war, wo es. galt, zum Behufe der Besitznahme des Landes, dasselbe zu durchqueren? Dabei darf man die ökonomische Bedeutung der Frage für das Mutterland nicht vergessen. Diese neuen Länder, welche der .Krone nicht einen Penny Ausgaben verursachten, eröffneten neue Märkte für seinen Handel, neue Absatzgebiete für seine Industrie. Und das englische Volk ist jetzt einsichtig gentug, den grossen Zug dieser Gesellschaften zu erkennen. Die enormen Investitionen waren schuld, dass die Dividenden nicht gleich die prophezeite Höhe erreichen konnten. Welches Vertrauen das Land und die finanziellen Kreise trotzdem in dieseGesellschaften setzen, beweist der Umstand, dass jede neue Actienausgabe sofort vergriffen ist. Im Jahre 1895 hatte die Süd-Afrikanische ihr Capital um 500 000 Pfund auf zusammen 2 500 000 Pfund erhöht. Ein Syndicat hat sofort die 1 Pfund-Shares um dreieinhalb Pfund übernommen, also mit 250 Percent! Die Actien sind hierauf auf 9 Pfund gestiegen, also bis zu 900 Percent! Xicht bloss das Speculationsfieber kann diese hohen Course erklären, sondern das felsenfeste Vertrauen, welches die Colonialgesellschaften sich durch ihre Thätigkeit zu erringen verstanden haben. Interessant und erwähnenswert ist die Thatsaehe der Umwandlung einer Colonialgesellsehaft in einen selbständigen Staat. Im Jahre 1876 wurde über Anregung des Königs Leopold II. von Belgien und \inter dessen Präsidium eine internationale afrikanische Gesellschaft zu dem Zwecke gegründet, die Erschliessung des dunklen Welttheiles allseitig und energisch durchzuführen. Alle europäischen Grossstaaten ausser England betheiligten sich daran. Die Gesellschaft begann ihre Thätigkeit mit der Erforschung des Gebietes vom Zambesi bis zur Congomündung. Die Erkenntnis von der Bedeutung und dem Reichthum des CongogeMetes führte inr Schosse der Gesellschaft zur Gründung eines eigenen „Comite d'etude du Congo". Dieses Comite, welches sich in kurzer Zeit in eine selbständige „Association du Congo" umgestaltete, entfaltete eine so erfolgreiche Thätigkeit, dass im November 1884 eine eigene internationale Conferenz zusammentrat, um die durch die Erwerbung der Gesellschaft geschaffene Situation nach internationalem Rechte zu klären. Auf der Berliner Congo-Conferenz einigten sich die Mächte, das von der Congo-Gesellschaft er-

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