Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Article
- Rede Israel Zangwill's
- Date
- 1902-02-07
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 „Die # Weif Seite 7 erst unsere Bibel? Das Misslingen der Rothschild'scheri Ineubation beweist nichts gegen eine natürliche Geburt. Zu denken,, dass nach achtzehnhundertjährigem Warten der Moment endlieh kam, wo die Möglichkeit, Paiästiua wieder mit Juden zu besiedeln vorhanden ist, zu denken, dass die Millionen für die Colonisation wirklich durch einen grossen Philanthropen seinem Volke vermacht wurden, und das Ganze nun brach liegen lassen, ist entsetzlich! Dr. Gäster vertheidigt die Association gegen die Klagen, welche ich nicht erhoben habe. Welche Klagen -f>Lob ich denn überhaupt? Ich tadelte sie nicht einmal deswegen, dass sie dem Zionismus nichts von ihrem Ueberflusse gebe. Welchen Tadel sprach ich aus? Ich fand es ungerecht, dass die Curat oren — als in einer kritischen Periode der jüdischen Geschichte ein Jude vom Herrscher Palästinas empfangen wurde, und in der Maccabean Society genug gesägt hatte, um die Möglichkeit von fruchtbarem Wirken für die sterilen Millionen des Baron Hirsch zu eröffnen — nicht officiell Dr. Herzl zu einer Gonferenz einluden. Wir hören es oft sagen: „Wenn Dr. Herzl etwas im Aermel habe, warum bringt er es nicht hervor??" Aber welcher Staatsmann gibt dem grossen Publicum seine vertraulichen Verhandlungen kund? Dr. Gaster sagte: „Wenn der Weg gepflastert ist, denke ich, wird uns die finanzielle Unterstützung nicht vorenthalten werden." Ich weiss nicht auf welche Autorität er sich für diese Behauptung beruft. Gewiss, Mr. Montefiore widersprach nicht, aber Dr.Gaster hat sich seit damals widersprochen. Denn letzten Samstag hielt er eine Rede in einem ganz anderen Sinne, Aber der Grand Rabbin Frankreichs, Zadoc Kahn, ein anderer der Curatoren, sagte letztes Jahr in einem öffentlichen Meeting: „Wenn die Idee eines jüdischen Staates realisiert ist, so wird die „Ica" ihn mit allen Elementen, die für seine Existenz nothwendig sind, versorgen". „Für seine Existenz Warum nicht für sein Entstehen? „Wenn der Weg gepflastert ist'", wahrlich, wenn der Weg gepflastert ist, wird uns die „Ica" einen Wagen zur Verfügung stellen. Aber ich denke, wir werden dann eher zu Fusse gehen. Jetzt könnte das Geld vonnutzen sein. Ihre guten V o r s ä t z e sind unnütz. Wir wissen, welcher Weg mit guten Vorsätzen gepflastert ist. Sein Name ist nicht Palästina. Der Weg nach Palästina ist nur mit Gold gepflastert. Mit einigen Worten gesagt, wie es in. den ersten Tagen, in den Tagen des Laurence Oliphant, der „Jewish Chronicle" gethan, ist es das Capital, welches erforderlich ist, das Capital, welches, wie diese Zeitung damals satirisch bemerkte, die einzige erforderliche Eigenschaft ist, die unsere Brüder besitzen. Was die „Ica" anstatt dessen mit dem Gel de anfängt, wie die „Ica" hilft, Israel zu retten, haben wir bereits gesehen. Wissen sie wirklich, was sie mit ihrem Gelde zvünnachen haben? Haben sie je die Einnahmen ausgegeben? Wieviel <g?eben ,sie aus? Was kostet es, wenn man Nüsse knackt? Das.einzige von dem wir wissen, das sie ausgegeben, war eine .Million Erbschaftssteuer: dies ist durch die Zeitung kundgethan worden/ Wir wissen auch, dass sie den Ruhm, haben, zwei Wiener Ädvöcaten die grösste Expens-Note, nämlich, 8Ö0 000 Kronen, gezahlt zu haben. Ich bin glücklich^ dass der „Jewish Chronicle" mit mir übereinstimmt, dass sie wenigstens jährlich eine Bilanz veröffentlichen;soll. *: Im Jahre 1900 hatten wir die beklagenswerte Iinmigration unglücklicher Rumänen,.und die „Ica" ist noch, jetzt ernstlich am Werk, um sie da und dort unterzubringen.. Aber diese rumänischen Juden waren nicht Bettler. Sie waren Männer von Kraft und geistiger Fähigkeit. Ton denjenigen, welche -das' Armen-Juden-Asyl passierten, waren^ 194-' Ziinrüfermeister, 87,, Sclu^iede, .03 - tZimr i^feaffbeitföryn 3JÖiiWebeixte W/Laoadwirte eti&.Hl Siewfcren eigentliche - Arbeitskraft; die in 'neuen ißolonien;;isp erforderlich iit Kun hören wir, sind einige ,?von" ihnen in den Kohlen- und Eisenbergwerken von Cape Breton und Neufundland beschäftigt. Wenn die Millionen des Baron Hirsch gut verwendet worden wären, so hätte man diese Eumänen, anstatt sie mit Niedergeschlagenheit zu empfangen, aufs herzlichste bewillkommnet und wäre eine jüdische Colonie bereit gewesen, sie zu empfangen. Grosse Theile des Territoriums der „Ica" sind noch immer nicht urbar gemacht. Waruni dann der Verzug? „Die „Ica" ist kein Wohlthätigkeits-Bureau," sagte Mr. Zadok Kahn, als er gebeten wurde, die verhungernden Arbeiter Palästinas zu unterstützen. Ganz recht so! Die „Ica" ist kein Wohlthätigkeits-Bureau. Eben darum erinnere ich die Jewish Colonization-Association an ihre Aufgabe, jüdische Colonien zu schaffen. Ihre Millionen sollten für die Wiedererlangung Palästinas verwendet werden, wie die britischen Millionen und auch jüdischen Millionen für die Wiedererlangung Aegyptens verwendet wurden. Aegypten rentiert sich und ebenso wird si«h Palästina rentieren. Ja, ich glaube, dass wir - die. Unterstützung der „Ica" nicht mehr benöthigen in dem Momente, als sie uns den Charter erlangt, den Charter, d e r i n den St a t nten a u sdrücklieh e r w ahnt i s t. Was Mr. Zadok Kahn „die Elemente, welche nothwendig für die Existenz des jüdischen Staates sind," nennt, werden von selbst kommen. Sie brauchen nur die Geschichte irgend einer neuen amerikanischen Stadt zu lesen, das Hineinstürzen der Colonisten, das Verth eilen der Bautheile in einer kurzen Spanne Zeit, um zu erkennen, wie das Erschliessen eines Kronlandes in Palästina für jüdisches Capital und jüdische Arbeitskraft von selbst dieses Capital und diese Arbeitskraft heranziehen wird. Die gegenwärtigen, .unglücklichen Colonien der „Ica" würden die ersten sein, von dem allgemeinen Steigen der Werte zu profitieren, vom sprichwörtlichen „unverdienten Gewinste". Das ist die x\rbeit, durch die die Colonien rentabel gemacht werden könnten, nicht aber ihre überflüssigen Arbeiter ausserhalb Palästinas verhungern zu lassen. Als Dr. Gaster letzten Samstag zur Anklage zurückkehrte., fragte er: „Haben Zionisten ein Recht, die Curatoren anzugreifen, die gewisse vorgeschriebene Regulative befolgen und nach dem Gesetze die Function eines Trust verrichten?u Aber meine Damen und Herren, meine Citationen beweisen zur Genüge, dass, wenn überhaupt etwas von zweifelhafter Legalität in den Operationen der ,,Ieau ist, es nicht die Ausgabe in Palästina ist, sondern die endlosen Ausgaben für jene Unternehmungen, von denen einige nicht einmal in indirectem Zusammenhange mit den Colonisationszwecken stehen. Wenn Landleute in Russland nahe daran sind, des Hungertodes zu sterben, so hilft ihnen die „Iea" über die Krisis hinweg; wenn sie aber in Palästina des Hungertodes sterben, dank» wird uns niitgetheilt, dass die „Ica" kein Wohlthätigkeits-Bureau ist; höchstens könne sie ihnen helfen, Palästina, zu— verlassen. Dr. Gaster sagt : es sei kein Unterschied zwischen dem Betteln einer Nation und dem Betteln einer Einzelperson. Betteln? Das Geld wurde der jüdischen Nation vermacht, und sie verlangt ihr gutes Recht. t)r. Gaster liebt nicht scharfe, bittere Discussionen, aber Argumente sind keine Bitterkeiten. Ich habe es versucht, Dr. Gasters eigene Gefühle beim Jewish Lads Brigade Dinner am letzten Mittwoch kennen zu lernen: „Das sind die besten Fechter, -welche wissen; wie man gerade von der Schulter weg zu treffen hat." Wenn ich je eine Kampfrede für Zion gehalten habe, so war es unser letztes Meeting in dieser Halle, als Dr.- Gaster präsidierte, während die Rede, um deinen wegen er sich von mir lossagte, in Basel gehalten wurde, hunderte von Meilen weit von hier. Gewiss, unser ^Iter Kämpe,, i^r; gro^jj^^, ^W1'^^^^ ^n?$} haben;,, sich, mit .der. alten officiellen Gruppe, welche' schon Kxitii^ .diese sociale Schutzwaffei als ein Verbrechen am-