Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Article
- Rede Israel Zangwill's
- Date
- 1902-02-07
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seiler W Die p Welt* Nri 6* sieht, zu vereinen und Palästinas, bedarf er nicht mehr, seitdem seine eigene Plattform von „Milch und Honig überfliegst." :; Dr.. Gaster fragt: „Wie wagt es ein Jude, einen anderen anzuklagen?" Was? Sind wir eine- Eotte in einer Liga? Ich versichere ihm, wenn wir einmal in Zion sind, dass wir da einen öffentlichen Ankläger haben werden. Wie wagen es Juden, die irn öffentlichen Leben eine Stellung einnehmen, zu verlangen, dass man sie mit Kritik verschone? Die ,,IeäCf existiert, wie Mr. jäontefiore sagt, wegen der russischen Juden. Will er uns erklären, wie den russischen Juden geholfen wurde? Ich wünsche nichts zu hören von Almosen, Schulen und Leihanstalten. Er selbst gibt zu, dass das nur .Palliativmittel sind. Ich möchte etwas hören von einem .staatsmännischen Plane der endlichen Regeneration, die in, ihrer natürlichen Entwicklung die Macht der Selbstbefreinng enthalt. Denn das ist es und nichts anderes, was der Zionismus vorschlägt. In Mr. Montefiores Worten — ich. kann sie nicht oftgenug citieren — „er ist der einzige Weg, wie die ungesunden Elemente eliminiert werden können, und wieendgiltig Unabhängigkeit für zeitweilige Unterstützungen und Subsidien gesetzt werden könne." ' t <.,: j . Versprechen die Anfänge des Baron Hirsch einen solchen Erfolg? Der bemerkenswerteste Erfolg der Thaten des* Baron Hirsch in: Argentinien besteht darin, dass sein Agent, Mr. Arnold White, der Hauptredner bei der antisemitischen Demonstration in Peoples Palace war. Wollen violleicht die Guratoren Arnold White weiter zahlen, weil BaroniHirsch, ihm einst Geld gegeben? Wollen sie an Argentinien weiter glauben, weil Baron Hirsch einstens daran glaubte? AVenn Sie zu sehen wünschen, wie die ,,Iea" mit < Ihrem Bettungsplane umspringt, so haben Sie sich nur dieses antisemitische Meeting der „britischen Brüder" in Peoples Palace, vergrössert zu einem allgemeinen Ausbruch des englischen Antisemitismus, vorzustellen. Sie mögen sich Mörder vorstellen, die das Ghetto stürmen undimsere Synagogen.in Brand stecken, Gesetze gegen die Fremden, welche unseren flüchtigen Juden jedes Obdach versagen, und spec-ielle mit Jubel begrüsste Gesetze gegen die Juden, um England würdig des Continents zu mächen. Dann in der Mitte dieser machtigen Finsternis stellen Sie sich,!vor, wie die „Ica" eine neue Schule in Spitalsfields gründet und. ein ige-Acres morastigen Bodens in Essex,:so weit als möglich von der Eisenbahn entfernt, ankauft, um sie mit 19 Familien, die io Seelen umfassen, zu besiedeln. War nicht der wirkliche Grund, warum Baron Hirsch nach Argentinien gieng, der, weil Baron Edmund Rothschild in Palästina arbeitete? Und jetzt, wo die beiden Pläne zu einem geworden sind, ist es nicht die Aufgabe der Curatoren, beide in einer Weise nutzbar zu machen,,in welcher sie allen nützlich gemacht werden können, nämlich: den Strom der jüdischen Bethätigung nach Palästina abzulenken. Baron Rothschild und Baron Hirsch sind Wohlthäter, welche, unsterblich .bleiben werden, selbst wenn ihr Projeet misslingt, aber es heisst ihnen gegenüber die tiefste Dankbarkeit zeigen, wenn man ihre Projecte vor einem Misslingen, rettet. ,Ieh; sage dabei nicht, dass der zionistische Plan absolut des. Erfolges;,sicher..,ist, selbst dann, wenn wir schon morgen den Chartern hätten. Die Aufgabe, die dann vor uns läge, ist eine der schwierigsten in der Geschichte der Menschheit. Es ist aber keine.Schambeine Sache zu versuchen, die selbst misslingen kann..i>E#.; wäre aber eine ewige und stete Erniedrigung für das ganzem jüdische Volk — keinen Versuch gemacht zu haben. Die Jüdische Colonialbank — der sicherste Beweis, dass wir versuchen — nimmt den ersten Stock eines grossen- Gebäudes in Walbrook ein, und was meinen Sie, ist im Parterre? „Sandows Schule für Selbstenwiddung". Unsere Bank wird in Wirklichkeit getragen durch die ' Schule des kräftigsten Mannes der Erde. Ist das kein schönes Bild vom Zionismus? Unser Geld ist nutzlos 1 ohne die Muskelkraft, ohne die physische Regeneration unseres Volkes, ohne die geistige Stärke, die es allein einer- Rasse ermöglicht, ihr Haupt zu erheben und felsenfest dazustehen. Und es ist noch ein anderes Ding, das wir brauchen, ich sage es ohne Zögern: Moral. Eine der schlimmsten Erscheinungen eines Lebens, das wir gesondert vom Reste der Gemeinde leben, und der Kritik, der wir von unseren Gegnern unterzogen werden, ist, dass der jüdische Schriftsteller es nicht wagt, die Fehler seines Volkes zu bezeichnen. Denn Sie alle würden ausrufen: „Besudeln Sie doch nicht Ihr eigenes Nest, geben Sie uns nicht den Gojim preis"! Wenn Sie, meine Herren und Damen, die Romane von Dickens und Thackeray lesen, so werden Sie finden, dass sie nichts anderes sind, als eine Satire auf das englische Leben; ihre Werke sind voll von Landstreichern, Schwindlern, Wüstlingen, Abenteurern und sogar Mördern; sie giessen ihren Spott auf die beliebtesten Erscheinungen des Landlebens, sie lehren das Volk sich selbst erkennen. Wir, die immer nach den Vorstellungen der Christen zu leben haben, die, wenn wir nicht alle Engel sind, uns alle Teufel nennen, gemessen nicht diese Freiheit der geistigen Kritik, und die Folge ist ein ungesundes öffentliches Leben bei den Juden, das voll ist von Selbstanräncherimgen. Wir haben, kurz gesagt, keine Opposition. Heute abends schlage ich auch vor, für eine Opposition zu sorgen: Euch zu sagen, dass wir noch nicht wert des Zionismus sind. Wenn wir noch warten müssen, bevor wir unser EndzieL erreichen, verwenden wir die Zeit vortheilhaft, um unsere Moral zu heben. Jawohl, das sind die drei Dinge, auf die unsere Bewegung aufgebaut sein muss, die drei M: Money, Muscle and Morals (Geld, Kraft und Moral). Wenn ich auch nicht alles glaube, was in den antisemitischen Zeitungen und Eeden über Eeastend-Juden steht, kann ich doch nicht bezweifeln, dass gewisse Klagen nicht ganz der Grundlage entbehren. Ich denke nicht daran, dass Whitechaple^ weil die Eeast-End-Juden das Haupteontingent der englischen Zionisten liefern, von lauter Heiligen bewohnt ist, ebenso wenig als ich glaube, dass die Anti zionisten des Westens Sünder seien. Es gibt leider zu viele jüdische Gerichtsverhandlungen in den Zeitungen, zu viele Bankerotteure und zu viele Geldleiher und auch zu viele blutsaugende Hausherren. Es ist ein Chillul Haschern, eine Profanation des Namens. Wir können uns nicht immer damit entschuldigen, dass unser Scharfsinn durch die Verfolgungen geschärft wurde, dass wir durch ungerechte Gesetze so bedrängt waren, dass wir uns gezwungen sahen, die Gesetze ein wenig zu umgehen. Wir müssen anerkennen, dass in England die Gesetze nicht ungerecht sind, nicht aggressiv sind, dass das Uebervortheilen anderer zu einem Uebervortheilen seiner selbst führt, und dass der hartherzige Hausherr der Fluch seiner unschuldigen Brüder wird. Es wundert mich, dass die Rabbiner nicht mehr Aufmerksamkeit der eigentlichen Morallehre zuwenden, obwohl ich weiss, dass ihre Herden so gewandt und gelehrt sind, dass sie ihnen die zehn Gebote übelneh men könn en. Ich weiss nicht, ob es schwarze Schafe unter uns Zionisten gibt; ich hoffe nicht. Es würde uns sehr besorgt machen, es wäre ein C h i 11 u 1 Zion, eine Profanation Zions.: Es ist die Pflicht jedes Zionisten, in der Zwischenze4t, 'in:der er auf Zion wartet, hier schon sieh ein Zion zu macheiv .di h. jeder in seiner Brust ein Centrum der Aufrichtigkeit! und!: Efea-fcnbaftlgkeit, so dass. dann, wenn Zion den Zionisten-:einöiäl^"offen-"sitelr^ clio ZiHiiisten auch für Zion. reif-sind. '.['■ ■ •-J' i Und wird der Tag? je-kommen,, wann Zion uns - offen