Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Article
- Rede Israel Zangwill's
- Date
- 1902-02-07
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 „Dte a£ WeMtr Nr. 6 ganz in jüdischem Geiste. Die „Ica" — Pardon! — das ' geheime Sündeh-Bock-Comite, welches den Spielplatz ' übernahm, hat, wie wir gesehen, das Spiel sehr ernst genommen und brachte einen mürrischen Geist hinein; so dass alle jungen Leute unter Geschrei'davonliefen. Der Bericht hat nichts Angenehmes zu vermelden. Er hofft mit der Zeit alle Bothschild-Knoten zu lösen. Was ihr früheres Wirken in Palästina anbetrifft, so unterstützt die „Ica" 99 Colonisten, die sich auf 5 Colonien vertheilen!- In den „Vereinigten Staaten" Amerikas gibt die „Ica" gleichfalls zu, nur weniges geleistet zu haben, da eine positive Thätigkeit ihrerseits verhindert war „durch die Abwesenheit des Präsidenten und die Krankheit des Direetors". In Canada, wo nur 22 Familien leben, bemerkt Mark Tapley, dass die „kleine Uirseh-Colonie" von selbst erstarke, ohne grosse Ausgaben zu erfordern. Hier steht die Dreschmaschine, die 1897 gekauft wurde, ohne Arbeit, weil nicht genug Getreide vorhanden ist, um nur die Entlohnungen der Maschinisten zu decken. So endigt die Geschichte der Colonien. Wenig — aber schlecht. Sie scheinen rein kostspielige Kinderspielzeuge zu sein. Wenden wir unser Augenmerk den Schulen zu. In ganz Argentinien sind alles in allem 906 Colonisten da, aber dafür sind 20 Schulen mit 20 Directoren und 20 Professoren, gar nicht zu reden von den vielen Lehrerinnen >; und Inspectoren. Das kommt mir nicht sehr ökonomisch vor. Aber ich bin kein praktischer Geschäftsmann, ich bin ein leerer Träumer. Diese Schulen genügen nicht dem Erziehungs-Enthusiasmus der „Ica" in Argentinien, denn dort gibt's noch ausserdem Schulen für Erwachsene. Mit dem Zustande der Juden Rumäniens, wo die land- 7 geborenen Juden als Fremde angesehen werden, sind wir alle vertraut. Rumänien bedeutet die Hölle auf Erden für die Juden. Jede Woche lesen wir von neuen Greueln, von neuen Versuchen, die Juden durch Gesetze und "Verordnungen umzubringen. Wie Mi\ Montefiore sagt: „Was soll mit diesen unglückliehen Leuten geschehen, die einer Verfolgung ausgesetzt sind, die nicht weniger schlau als aggressiv ist, und gegen die .keine Partei die Hand erhebt, und die selbst die Grossmächte Europas weder mildern, noch bestrafen können". Wie löst nun die Association das rumänische Problem? Wiederum Schulen! Ueberall helfen sie mit Schulen! Es sind in Bukarest 5 Schulen, in Jassy 2 Schulen*und 3 Schulen in Botoschany. Es sindim Ganzen ein Viertel Hundert Schulen, in Rumänien, ohne' die ungezogenen Schulen mitzurechnen, denen die Unterstützung wieder entzogen wurde,, weil sie sich nicht; ans Programm der ,,Icaf< hielten. Und für ganz Rumänien ist nichts anderes da! , . Die Schulfrage in Eumänien mag so dringend'/ sedfl&j. wie Mr. Montefiore behauptet, aber was uns ■ dringender,! erscheint, ist, Eumänien eine Lection zu-ertheilen, und das hat, wie er traurig Zugibt, keine jüdische Körpiersohaft die Macht, zu thun. Wenn trotz dieser1 Schulen die rumänischen Juden ohne jede Organisation ins Elend fliehen,- ohne zu wissen, wohin, so theilt die „Icadie momentane Panik' der jüdischen Gemeinden von überall. Sie versucht es, die rumänischen Juden von -London fernzuhalten, fernzuhalten von den Vereinigten Staaten, fernzuhalten von jedem Lande, wo ihre Gegenwart die Judön, welche dort bereits wohnefiL,' in ihrer Existenz bedroht; und wenn es der „Iea" so zeitweilig gelungen ist, die Unruhe zu bemänteln, so athirxet ' sie tief auf, und — gründet ' wieder eine neue Schule. - > •- ■ ' ■■ ■ ■ '- ■ .. - . Und wie endigt der iinge'heuerli6h6' Bericht'? Er endigt bögoilÄ :lrW '^^km%:-gteMFeiner ^ro^seä Symphonie, die auf den Anfang zitrückgeht.1'' Uftd daß ist sein letztes Wort: „Wir häb&f tuASti* JäW'Mn^n-^i^ßfeheSk I/chrer für unsere Colonien in Argentinien angeworben. Nachdem er spänisch erlernt hatte, wurde er nach Buenos- Aires gesandt-und unterrichtet in einer unserer Colonien." So endigt der grosse Plan des Baron Hirsch zur Rettung Israels: Der deutsche Lehrer hat spanisch, gelernt. Die ganze Zahl der Unternehmungen, welche-die „Iea" selbst führt oder unterstützt, ist nicht weniger als 193. Wie viele Eisen im Feuer! Weit davon entfernt/ diese Arbeitsvertheilung in drei verschiedenen Continenten zu bewundern, stimme ich mit Montefiore überein, — Sie sehen, ich stimme immer mit Montefiore überein — dass „die Eier in zu vielen Körben liegen". Und . ich möchte gerne jene Körperschaft sehem die in der Lage wäre, alle diese Eier vor dem Zerbrechen zu bewahren. Das ganze Project der „Iea" ist künstlich und unmöglich. Jedes einzelne Comite ist, abgesehen,vdass es sich mit diesen 193 Un-; ternehmungen befasst, mit einer Unzahl persönlicher Angelegenheiten beschäftigt. Wir wissen, zu ihren, Ehren sei es gesagt, wie viel Local-Thätigkeit aller Art hier von den drei englischen Mitgliedern geleistet wird. Mr. Montefiore widmet einen grossen Theil seines Lebens dem Studium. Zu ermessen, wie viel Zeit dieses Trio auf das ewige Pumpen, welches durch eine so künstliche Maschinerie nothwendig ist, verwendet, überlasse ich Ihnen. Die Jahresversamni-, lung in Paris war, nach dem Bericht, nicht stark besucht. Es war überhaupt das Ganze in einigen Minuten vorüber. Die 193 Unternehmungen wurden mit einem Augenzwinkern weggeputzt, und die Curatoren konnten wieder auf >den Boulevard zurück. Sie sehen, meine Damen und Herren, wie es der „Ica" an einer Opposition fehlt. Setzen wir voraus, dass die Maschine in bester Ordnung ist/ und dass sie vollkommen ihrer Aufgabe gerecht wird, waö würde es dann sein? Ein Dampfhammer, der Nüsse knackt. Es wäre prahlerisch zu sagen, dass die Maschine viele ISTussarten in vielen Ländern knackt, sie knackt immer nur Xüsse. - Nehmen wir an, die Curatoren der Hirsch-Stiftung würden, anstatt so viel eigensinnig Gutes zu thun, ein wenig an den jüdischen Nationalgeist glauben. Wenn sie nur ihre Millionen mit dieser grossen Kraft vereinen wollten! Das* wäre das schönste Beispiel in der Geschichte eines grossen Werkes, das ohne Glauben zustande kam. Die Currttören weisen immer auf die ungeheure Schwierigkeit ihrer Aufgabe hin. Gewiss ist es unendlich schwer, Wasser den Hügel hinauffKessen zu machen. Aber die Schwierigkeit rührt daher, dass sie sich selber diese gesucht haben. ■ Ich möchte Ihnen sagen, wie eine natürliche Bewegung verglichen mit einer künstlichen vor sich geht. Als ich vor drei Jahren in Sheffield war, besuchte mich ein junger Mann und sagte mir, er habe ein Geschäft mit einem kleinen Capital von 3—400 Pfund, ob ich ihnt rathe, das Geschäft hier zu verkaufen und mit seinem Vermögen nach Palästina zu?'übersiedeln." «Ich erwiderte ihm: „Nein, noch nicht jetzt, warten Sie!"' Letztes Jahr besuchte mich eine Jüdin "aus1 Chicago undsagte mir, ihre beiden Knaben wären nun erwachsen, ob ich ihr rathen möchte,: für sie eine Farm* in Palästina zu kaufen und sie dort anzusiedeln) und'wieder sagte ich: „Warten Sie!^;/Trotzdem ich ihr sagte: „Warten Sie!", so können wir wirklich nichtlänger-warten. Denn Palästina wacht auf, und die Nationen finden die Bedeutungdes Landes heraus. Eines Tages weif den vielleicht die Coneessionen, welche wir wünschen, an die Fremden übergegangen sein und Palästina noclimak auf blühen, und dem ewig wandernden, Juden wird seine eigene Thüre zugeschlagen werden, so dass er weiter wandern muss;-wer weiss wie viele Jahre noch! Sagen Sie mir nicht, dass Palästina nicht fähig ist, unsere Flüchtlinge * zu ernähren^ „Die Hormonen kameiv.iu einen? JS^lz-Seer-DistTieti^^feim nVHista^Wntl :maeiiteiiifii^?r aüs einen; Garten,! Warum? Weil sie an sich selbst glaubtm^i Wenn (feig-groteske Evangelium eines Joe Smith eine so erfolgreiche Coloniastion bewirken konnte, was dann