Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 6 (7.2.1902)
- Article
- Rede Israel Zangwill's
- Date
- 1902-02-07
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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JÄr. 6 *Die $t Welt" Seite 3 hahen, wie gestorben sind, zurück. Ich substituiere an ihre Stelle die Anklage wegen Phil i s t e r t h u rn s. y'v: Wir müssen nicht den Geschichtsprocess gleich Journalisten nach Tagen, Monaten oder Jahren beurtheilen. ,,£)ie Mühlen Gottes mahlen langsam/' der Sauerteig des. Gefühles arbeitet stetdglrch, und der Sieg1 der Macht ist oft 'nur der Sieg1 * eines anderen G e f ü hl e s. Denn Gefühle müssen öieh natürlicherweise yon selbst in mate-. rielle Formen umwandeln, sie dürfen nicht wässerige Aspirationen bleiben. Als im Jahre 1848 General Badetzky Mailand eingenommen und den Aufstand einiger italienischer Staaten gegen- Oesterreich niedergeworfen hatte, traf ein österreichischer Künstler einen italienischen Künstler,,.-, der sein Schulfreund war. „Nun," seid Ihr in Fetzen zerrissen worden!" sagte er. .„Das ist eine T. hat sache," antwortete ruhig der Italiener, „wir haben aber eine I d e e." Diese Idee war die Einigkeit und Unabhängigkeit dieses niedergeworfenen1 und zerklüfteten Italiens, und dreizehn Jahre später wurde Victor Emanuel vom ersten italienischen Parlamente zum Könige des „Greinigten Italiens" proclamiert. Warten Sie nur, meine Herren und Damen, bis unsere Idee dreizehn Jahre alt ist, und Sie werden sehen, was für eine herrliche Bar-Mizwa wir haben werden! Als ich in den schwersten Tagen' des Boerenkrieges mit einer englischen Dame conversierte, erzählte ich ihr zufälligerweise von einem Manne, der mir gesagt hatte, dass man jetzt überall versuche, England, da es jetzt bedrängt ist, niederzutreten. „Niedertreten V' rief die Engländerin inAu1> wallung, „England ist nicht zu Boden, und was mehr ist, Englands Söhne und Töchter können gar nicht in die Lage gebracht werden, die Möglichkeit ins Auge zu fassen, dass ihr Land zu Boden liege." Ich sprach dann von einem anderen Gegenstände, aber ich dachte, dass dies wohl der richtige Geist sei, der verhindere, dass je England von Fremden niedergetreten werde, da seine Söhne und Töchter die Auffassung nie zugeben möchten, dass ihre Hjeimat zu Boden liege. Ach! In unserem Falle ist es gerade das Gegeritheil. Unser Volk kann nicht die Möglichkeit ins Auge fassen, dass es sich aufzurichten vermag, und dieser Geist ist es, der es zu Boden drückt. - Sogar, wenn sie reich sind, wird ihr Geld verwendet, um jede andere Nation zu stärken, nur nicht die ihrige. Und was ist der Lohn? Einige Tage vor dem Massen-Meeting gegen die Einwanderung in People's Palace plauderten es die Zeitungen aus, dä*ss der anonyme Spender von 200 000. Pfd. St. für britische Spitäler an den König ein jüdischer Einwanderer Namens Sir Ernest Cassel sei. Hat diese Thatsache das antisemitische Meeting verhindert? Hatte es irgend einen Effect auf die Demagogen jener Plattform? Nicht ein Jota. Nehmen wir an, dass, seitdem bei uns; die Bewegung gegen die Fremdeneinwadiderung begonnen-, 100 000- Juden eingewandert sind — der letzte Census und genaue?, Zählungen von N. S. Josephs! und L. J.> -G-reenberg haben gezeigt, dass es weniger sind so beträgtdas Geschenk Sir Ernest Cassels für die Christenheit zwei Pfund für je einen eingewanderten Juden. Ich bin dessenv sicher, das Geld wäre viel besser verwendet worden, wenn es für den. Zionismus'gespendet worden wäre,, denn wenn wir'wirklich,, den Christen im East En,d ein Leid zufügen, wie sie behaupten, was für eine Wohlthat wäre dann für sie unsere zionistische Bewegung, die darauf hinausgeht} die armen Juden von diesem Lande fernezuhalten und nach Palästina zu bringen. Wir Zionisten sind die Einzigen, welche diese antisemitische Agitation vorausgesehen, und diees versucht haben1, noch bevor sie aufgetreten, gegen sie Stellung zu nehmen. Die arideren Juden leben nur von'-der Hand zürn Mund und bauen auf Sand. Sie bilden ein Holland unter fderä- Meeresspiegel<nind> geben, siehonoitht: .die;- Mühe, die; Teiche in Ordnung zu halten. Der Zionismus wäre über die British Brothers Le'ague5) nicht entsetzt, wenn nur unsere Brüder gleich Briten handeln'wollten, und wejrn.sie, anstatt sich zufrieden zu .geben, dass die eingewanderten Juden ausgeschlossen bleiben, liebreich uns helfen wollten, für sie ein anderes Heim zu finden. Als Engländer halte ich ihre Politik. für ausserordentlich kleinlieh, kurzsichtig und unehrenhaft für die grosse Tradition der englischen Freiheit, jener Freiheit, für die wir jenseits des Wassers kämpfen. Für die Rechte der Uitlanders in Transvaal zu kämpfen und die Eeehte der Uitlanders bei uns zu restringieren, ist eine beklagenswerte " Contradiction. Nichtsdestoweniger kann ich die Erregung in East London vollkommen begreifen. Denn unsere jüdischen Statistiken, welche nur anzeigen, wie viele tausende Juden jährlich einwandern, geben kein genaues Bild, so lange sie den Umstand ausseracht lassen, dass mehr als die Hälfte dieser tausende von Juden sich auf derselben engen Fläche ansiedeln. Wo immer aber der Schuh drückt und enge ist, dort spürt man den Schmerz, der Schuh mag sonst noch so gross und weit sein. Es ist fehlgegriffen, wie Mr. S. Joseph es thut, auf die Ueberfüllung von St. Pancras und Camberwell6.) hinzuweisen. Die Frage, um die es sich handelt> ist nicht die der starken Ueberfüllung, sondern der ungleichen Yertheilung. Der Kampfes™ f gegen die Juden ist aber nur eine andereForm j ener Schutzzollpolitik, welche unsere leitenden Staatsmänner immer verleugnet haben, ist derselbe Schrei, der sich erhob, als die Menschenarbeit von der Maschinenarbeit abgelöst wurde. Es ist das natürliche Schreien derjenigen, die verdrängt sind; und so wie die Ludditen7) seinerzeit cliie Maschinen zerbrachen, so dürften wahrscheinlich unsere britischen Brüder eines Tages die jüdischen Quartiere zertrümmern. Das würde unseren englischen Juden furchtbar erscheinen, aber am Continente ist es eine Episode, an die man sich schon längst gewöhnt hat. Davon haben unsere englischen Juden keine Vorstellung, da sie sieh der jüdischen Bruderliga nicht angeschlossen haben und in Basel spärlich vertreten waren. Die Berichte über diesen grossen Congress geben nur einen schwaehen Nachhall jener denkwürdigen Tage, jener schlaflosen Nächte. Das Werk, das man auf der Plattform verrichtete, war kaum der zehnte Theil von dem, was wirklich gearbeitet wurde. WTohin immer jemand in diesem vielräumigen Casino seine Schritte lenkte, stiess er auf Comitesitzungen. Ich muss gestehen, dass ich nur Weniges weiss von dem, was vorgegangen. Mein eigener Antheil war ein möglichst geringer, viel kleiner, als der unseres Vorsitzenden, der zum Vicepräsidenten erwählt wurde, was dem „Mr. Speaker"8) in unserem Parlamente gleichkommt. Meine Arbeit beschränkte sich lediglich auf eine.Bede, in der> ich die Curatoren der Hirsch-Stiftung kritisierte für die Art, in welcher eine grosse Weltangelegenheit zu. einer Kr ä^ gemacht wurde, und ctiei {Millionen, die für Israels Heil bestimmt waren, aus Mangel , jeder Concentrationverzettelt werden. - \ Diese meine Bede hat eine etwas überflüssige Bede meines Freundes J}t. .Gaster von der Anglo Jewish-Association hervorgerufen, in welcher er sich von meinen Gefühlen und Empfindungen lossagte. Aber wie schon der Vorsitzende Mr.; Claude Montefiore sagte, niemand hat gedacht* dass ich in einem;anderen Namen spreche, als in meinem eigenen. Dn Gaster vertheidigt die Jewish Colonization Association, oder um die bekanntere Abkürzung zu gebrauchen, die „Ica^ in drei Punkten: 1. dass die ^Ica4" nur wenig verantwortlich sei für die, Administration der palästinensischen Colonien, seitdem diese von einem speciei- ,len palästinensischen Comite geleitet wird, und dass die Unhöflichkeit dieses Comites gegenüber der internationalen Deputation im letzten Jahre, nur; ungerechterweise der „Ica" in die\ Schuhe ges#Jipbefn... W^eJLl<?y &^. clic , ,,Icak>