Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Article
- Die Bagdad-Bahn und Palästina
- Date
- 1902-01-31
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3315709-3315959-3315965-3318285--30290-3318388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite £ „Die & Welt" Nr. t und Haidar Pascha, die jetzt durch kleine Bosporusdampfer verbunden sind, sollen an der schmälsten Stelle des Bosporus, zwischen Rumeli Hissar und Änadoli Hissard, wo die Meerenge bloss 600 Meter breit ist, durch die „Sultan Abdul Hamids-Brücke" in kürzester Zeit einander nähergebracht werden. Durch dieses Ueberbrüekungsproject der Meeresenge an der Stelle, wo vor zweieinhalb Jahrtausenden Däreios Hyptaspes (im Jahre 513 v. Chr.) eine Schiffbrücke errichtet hatte, um sein ungeheures Kriegsheer nach Europa zu führen, wird ein einheitlicher Schienenstrang die beiden alten Welttheile Europa und Asien zu Friedens- und Gesittungswerken vereinen. Die Bagdad-Bahn von Constantinopel nach Kasima respective Kuweit am persischen Golfe wird ungefähr 3000 Kilometer messen und beträgt die Hälfte der ganzen sibirischen Balm und zwei Drittel der Canadian Pacific Railway. Die Schwierigkeit des kleinasiatischen Eisenbahnbaues liegt in der grossen Ausdehnung und wird noch erhöht dadurch, dass die Traee durch wildes, vielfach zerrissenes Land führt, das zwei grosse Gebirge zu überschreiten und über den Euphrat zwei grosse Brücken und eine über den Tigris zu schlagen sind. Die Zuführung des liohmateriales, die im Morgenlande schwieriger als im Abendlande ist; und die Sicherung der friedliehen Arbeit, wie die Auffülrrnnsr vielfacher Kunst- und Schutzbauten werden einen grossen Theil der praliminierten Baukosten verschlingen und wird vielleicht i; die Yoransehlagsumme weit überseh ritten werden müssen. Wenn aber einmal der Berg von Hindernissen materieller und technischer Natur überwunden ist, so darf man sich, gestützt auf die Ertragsfähigkeit des Bodens und auf den Katurreichthum der durchschrittenen Länder, berechtigten Hoffnungen auf schnelles Aufblühen dieser Gegenden hingeben. Für Millionen fleissiger Hände wird durch die Bagdad-Bahn ein neuer Bethätigungsraum geschaffen. Mesopotamien und JBabylonien waren im Alterthuni die reichsten Länder der Welt, und noch im späten Mittelalter war der Grundsteuerertrag von Babylonien allein grösser als die Gesammteinnahme des türkischen Reiches von heute. In Mesopotamien, das sich nach Gutachten von Fachleuten zur Baumwollen- Cultur ausgezeichnet eignet, nmfasst der Alluvialboden fast 25 Millionen Hektar (ungefähr die Gesammtausdehnung Italiens), die ausserordentlich fruchtbar und imstande sind, sechzigfältige Ernten zu geben. Ein grosser Theil des überschüssigen Menschenmateriales Europas findet hier die günstigsten Vorbedingungen für Colonisationszwecke. Die Entwässerungsnnd Bewässerungscanäle, deren das alte Babylonien an 120 Tausend aufzuweisen hatte, werden in der grossen Ebene am unteren Euphrat und Tigris wieder eröffnet und nutzbar gemacht - werden. Das herumlungernde Proletariat dieser Gegenden wird aus Die Trace der Bagdad-Saftn.