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Die Welt · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
5 (31.1.1902)
Article
Die Bagdad-Bahn und Palästina
Date
1902-01-31
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 *Die # Welt" Seite 3 dem orientalischen Phiegmä erwachen und -wieder zu thätigen, regsamen Menschen werden. Die neue Bahn wird wesentliche Einnahmen ziehen aus dem Ueberlandverkehr und der Postbeförderimg, welche ungefähr um 5 Tage auf dem Landwege rascher vor sich gehen w i r d, als auf dem Wege durch den Suezcanal, und wird zweifelsohne vom finanziellen Standpunkte aus in kurzer Zeit ein rentables Unternehmen werden. Denn es werden Länder durchquert, in denen schon jetzt ein reges wirtschaftliches Leben herrscht, und die grosse Mengen Aron Getreide, Baumwolle, Steinsalz, Eisen, Kohle und Petroleum auf den europäischen Markt werfen können. Die Bagdad-Bahn wird auch eine grosse Bedeutung für Palästina haben. „Bs kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt/' Die angrenzenden Länder üben unbedingt einen Einfluss aufeinander aus, mitten in einer Wüste kann kein Paradies, kein Gan eden erstehen, ausser einer Fata Morgana. Palästina ist auf seine Nachbarländer angewiesen, es muss, will es wirtschaftlich blühen, ein reiches Hinterland haben. Die Bagdad-Bahn ist mm die Ursache und Veranlassung, dass Babylonien und Mesopotamien aus der morgenländischen Lethargie m frischem, jungem Leben erwachen. LTebrigens können diese neu erschlossenen Gebiete als Eeservefelder für unsere Bethätigung dienen, wenn einmal ,der Boden unserer alten Heimat für unsere Arbeit nicht mehr ausreicht. Soll aber Palästina wesentlichen Nutzen von der neuen Bahn-Trace, welche Asien Europa eisenbahntechnisch angliedert, ziehen, so muss es durch Zweiglinien eine Verbindung mit der Hauptlinie suchen, und auch herstellen; .Solcher Anschlüsse gibt es zwei: entweder das Pruject ,dgs russischen Grafen Kapnist oder die Horizontal^Bähn Damaskus-Tell Habesch. Graf Kapnist wollte überhaupt für die russische Bagdad-Bahn Tripoli in Syrien (etwas nördlich von Beyrut) als Ausganspunkt nehmen. Von hier sollte die Bahn über den Libanon nach Horns und über Palmira nach Eahaba am Euphrat gehen, diesen Fluss bei Hit überschreiten und von Iskanderich einen Zweig über Bagdad und H.anakin nach der persischen Grenze und einen anderen Zweig südwestlich nach den Wallfahrtsorten der Schiiten Kerbek und Nedjef entsenden. Die Hauptlinie, die circa 1700 Kilometer lang ist, würde sich nach Graf Kapnist, dann südöstlich über Kornea (am Zusammenfluss des Euphrat und Tigris) nach Bassora fortsetzen und von hier in einem Bogen nach Kuweit gehen. Diese Trace Kapnist's ist durch die Diun bereits concessionierte deutsche Bagdad-Bahn hinfällig geworden, kann aber theilweise zu einem Anschlüsse Syriens und Palästinas an die deutsche Bagdad-Bahn verwendet werden. Weit kürzer ist es, wenn auch mit grösseren Schwierigkeiten verbunden, eine Eisenbahnlinie von Damaskus, das schon mit Muzerib (Hauran) und Beyrut (Beritus) durch eine Bahn verbunden ist, nördlich über Horns, Homah und Haleb nach Teil Habesch zu legen. .Diese-Theilstrecke, die vorläufig nur ins Bereich der Möglichkeit fällt, wird sich'mit zwingender Nothwendigkeit durchsetzen, wenn einmal die Cecil Rhodes'sche Cap—Cairö-Bahn, an der schon jetzt fleissig gearbeitet wird, ausgebaut ist, und. wenn der All British ßailway- Plan, Cairo oder Suez durch eine Transversalbahn über Arabien und Persien mit Indien zu verbinden, verwirklicht wird. Dann wird Palästina zum Herzen des Weltverkehrs Asiens, Europas und # Afrikas werden, dadurch^ dass die Stränge dieser drei gigantischen Bahnuntemehmungeii durch das Land laufen. Dr. Martin Weismami. f \ Palästina, ein wasserarmes Land? Von J. Treidel, Culturingenieür, und A. Aronsohn, Landwirt. (Mitteilungen des Agronomisch-Cull lirtechnischen Bureaus für Palästina, Caiffa). Deuteronomium VIII, 7: Denn der Ewige, Dein Gott, bringt Dich in ein schönes Land, ein Land der Wasserbäche, Quellen und Seen. Wie nur wenige Länder, besitzt Palästina ausserordentlich günstige Vorbedingungen zum vortheilhaften lohnenden Betriebe der Landwirtschaft. Die im Abendlande oft die schönsten Hoffnungen vereitelnden, häufig unberechenbaren Witterungsumschläge kommen höchst selten vor, und nie vernichtet Hagelschlag oder heftiger Platzregen in Palästina die reife Saat. Mit gleicher Kraft senkt die Sonne den ganzen Sommer hindurch ihre Strahlen vom heiteren wolkenlosen Himmel auf den an mineralischen, zum Aufbau der Pflanzen erforderlicheu Bestandtheilen reichen Boden. Die während des Winters niedergehenden starken Regengüsse liefern das nöthige befruchtende Nass für die Wintersaat, und die im Frühling noch vorhandene Bodenfeuchtigkeit, vereint mit dem in den Sommernächten reichlich fallenden Thau, lässt die Sommerfrucht aufgehen. Obwohl sich Palästina dank seinen günstigen Bodenverhältnissen und klimatischen Bedingungen in hervorragender Weise an dem Weltmarkte mit seinen landwirtschaftlichen Producten betheiligt (mit Weizen aus der Hochebene des Hauran-Gebirge, Sesam aus der Ebene Jesreel, Gerste aus dem Districte Gaza, Durrha aus dem Jordanthale und der Saron-Ebene), so vermissen wir doch die Cultur, welche eine intensive Bewirtschaftungsweise und somit eine Colonisation in grossem Massstabe gestattet — den Futterbau. Dieser Mangel ist dem Fehlen einer künstlichen Bewässerung zuzuschreiben. Die Ausnützung der vorhandenen Wasserkräfte unter Anwendung der uns zugebote stehenden culturtechnischen Hilfsmittel würde einen ausgedehnten Futterbau, somit eine geregelte Viehhaltung und Stalldünger* production zulassen. Eine künstliche Bewässerung gestattete ferner den Anbau der jetzt nur vereinzelt vorkommenden Culturen wie: Reis, Mais, Hirse, Sojabohnen, Bananen Baumwolle und Orangen in grossem Massstabe. Ausserdem ermöglichte eine zweckentsprechende Bewässerung unter Anwendung geeigneter Düngemittel den aufeinanderfolgenden Anbau von Winter- und Sommerfrucht in demselben Jahre wodurch jährlich auf demselben Boden zwei Ernten erzielt würden, wie wir JLas schon jetzt mitunter in den bewässerten Theilen des J&r^äirthales vorfinden* Diese unberechenbaren Vortheile einer künstlichen Bewässerung veranlassen uns, in folgendem in kleinen Umrissen einen Ueberbliek über die uns verfügbaren Wasserkräfte zu geben. Palästina hat während der Regen periqde eine mittlere Niederschlagsmenge von 500—700 inm (Pluviometer an gäbe), welche derj er igen von Deutschland und Oesterreich, ausschliesslich der Alpenländer, Ungefähr gleichkommt. Der. Gedanke, die reichlichen Regenmengen des Winters in Stauweihern oder vermittelst Thalsperren aufzufangen, um sie während der trockenen Jahreszeit dem Boden zuzuführen, ist ein naheliegender und fand schon im Alterthum seine Verwirklichung, wie die zahlreichen noch erhaltenen Reservoir-Bauten im Lande . Gilead und die salomonischen Teiche bei Betlehem beweisen. Ueber die ersteren, welche aus der byzantinischen Epoche her-

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