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Die Welt · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Article
[Ohne Titel]
Date
1902-01-10
Page
8 (sequence 7)
Language
German
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Seite 8 »Die # Welt* Nr. 2 Scharfe Debatten entstehen über die Fragp des zweijährigen Congresses, die solche Ausdehixung gewinnt, das ohne ihre Erledigung die Sitzung um 7*4 Uhr *früh geschlossen werden muss. ii IV. Tag. VI. Sitzung. Beginn: Sonntag 10 Uhr vormittags. Präsident: Dr. Max N o r d a u. Dr. S c h a 1 i t referiert über den aus Nr. 2 der „Welt" bekannten Entwurf des A.-C. über die Schaffung eines jüdischen Nationalfonds. Die Discussion über dieses Referat währt mit einer zehn Minuten langen Pause bis gegen 4 Uhr nachmittags und wird stellenweise sehr erregt; mitunter folgen Abstimmungen auf Abstimmungen. Es wird von mancher Seite, hauptsächlich von Doctor Bodenheimer und Herrn L u r i e, getadelt, dass das Referat des Actions-Comites keine genügenden Bürgschaften für die Sicherung des Nationalfonds böte, da für die Schaffung einer juristischen Person nichts vorgesehen sei. Der Antrag L u r i e geht dahin, das Referat des Actions-Comites überhaupt von der Tagesordnung abzusetzen und eine Gommission mit der Abfassung des neuen Statuts für den nächsten Congress zu beauftragen. Gegen diese Anträge opponiert Präsident Dr. H e r z 1 aufs schärfste, denn sie bedeuten ein Hinausschieben einer hochwichtigen Frage auf mindestens ein Jahr, der Nationalfonds müsse ebenso geschaffen werden, wie die Bank geschaffen worden ist, unbeschadet der Möglichkeit einiger Irrthümer. Die Bedenken bezüglich der Sicherung des Vermögens durch Schaffung einer juristischen Person wurden durch einen Antrag Dr. Kokesch (Wien) aufgehoben, welcher Antrag lautet: 1. Das Actions-Comite wird beauftragt, dafür Sorge zu tragen, dass für den Nationalfonds die legale Basis einer juristischen Person zum nächsten Congresse geschaffen werde. 2. Der Congress wählt eine Commissipn aus den Juristen eines jeden Landes zum Studium dieser Frage; diese Gommission hat sich mit dem Actions-Gomite ins Einvernehmen zu setzen und innerhalb der drei nächsten Monate ihre Arbeit aufzunehmen. 3. Dem Actions-Comite wird empfohlen, die Schaffung der juristischen Person für den Nationalfonds in dem Ganton Basel-Stadt zu erwirken. 4. Durch die sofortige Annahme des von der Actions-Commission vorgelegten Entwurfes und durch den somit sofort ins Leben tretenden Nationalfonds wird nicht ausgeschlossen, vielmehr wird vorbehalten, dass die Bestimmungen den einzelnen Gesetzgebungen der verschiedenen Staaten angepasst werden sollen." Dr. Herzl bringt nun diese Anträge zur Abstimmung. In einer Vorfrage an den Congress erklärt sich derselbe einstimmig für die sofortige Schaffung eines jüdischen Nationalvermögens. Die Abstimmung soll nun ergeben, ob der Congress die von den Vertretern der schärferen Tonart gewünschten Sicherheiten verlangt oder die Bürgschaft des Statuts mit dem Zusatzantrage Dr. K o k e s c h für genügend erachtet. Ueber die Art der Abstimmung wird in längerer Geschäftsordnungs-Debatte discutiert. Die endgiltige Abstimmung ergibt 105 Stimmen für die Anträge des Actions-Comites gegen 85 Stimmen für den Antrag Dr. Bodenheimer. — Die Verkündung dieses Resultates wird vom Congresse mit demonstrativem Ju6el aufgenommen. Sofort nach der Abstimmung eilten einzelne Delegierte auf die Tribüne, um grössere Beträge für den Nationalfonds zu erlegren. Dr. Bodenheimer kündigt die Uebergabe von 2000 Mark eines Heidelberger Vereines an, der auf Anregung des Herrn Prof. S c h a p i r a seit dem ersten Congresse für den Fonds gesammelt hat. Um 3 Uhr wird ohne Pause die Debatte über das Organisations-Statut fortgesetzt. Da die Reden über die einzelnen Paragraphe durch ihre Dauer erwarten lassen, dass für die noch unerledigten Punkte die vorgesetzte Zeit nicht ausreichen dürfte, so stellt Delegierter Lilien den Antrag: Der Congress möge für seine Verhandlungen noch einen Tag hinzunehmen. (Wird fast einstimmig angenommen.) Gegen den Antrag T s c h 1 e n o w schlägt Delegierter Co wen vor, dass der Manager und die Directoren der Bank den Jahres-Conferenzen nicht beizuwohnen haben. Delegierter Director W o 1 f f s o h n : Ich glaube, man muss zwischen Congress und 'Bank eine scharfe Grenze ziehen. Die Directoren befinden sich nicht in dieser Eigenschaft auf dem Congresse, sondern als zionistische Delegierte zionistischer Gruppen. Zu den Jahres-Gonferenzen, glaube er, sollten die Directoren wohl als gesinnungsgenössische Fachleute eingeladen, nicht aber durch den Congress zum Kommen genöthigt sein. Sie werden sich Einladung und Kommen stets zur Ehre rechnen. Bei der Debatte über die Möglichkeit der Theilung einer Landes-Federation treten die russischen Redner für unbedingte Einheitlichkeit ein. Um 6 Uhr wird die Sitzung unterbrochen. * VII. Sitzung. Anfang Sonntag 6 Uhr abends. Präsident Dr. Herzl. Um 8 Uhr abends wurde die Sitzung neuerlich eröffnet mit einer glänzenden Rede des bekannten englischen Schriftstellers Zangwill, die Ausbrüche grosser Heiterkeit, aber auch stürmischen Beifalls erregte. Dr. N o r d a u übersetzte diese Rede, die Zangwill Englisch sprach, ins Deutsche. (Wir brachten diese Rede in voriger Nummer.) Der Antrag Zangwills, „der Congress möge das Vorgehen der Testamentsvollstrecker des Baron Hirsch verurtheilen", wird von Dr. Herzl nicht zur Abstimmung gebracht. Es gebe Worte, sagte der Präsident, die nicht verloren gehen, doch möge man jetzt von einer Abstimmung abstehen, obzwar die Gründe nicht öffentlich vorgebracht werden können. Die hierauf folgende Specialdebatte über den neuen Organisationsentwurf ergibt im grossen und ganzen keine neuen Gesichtspunkte. Es wird beschlossen, dass, uneingeschränkt von einer bereits bestehenden Landes-Organisation, sich eine besondere Organisation constituieren kann, wenn sich zu derselben mindestens 50 Vereine mit mindestens 5000 Mitgliedern zusammenfinden. Als der \ Referent der Commission die weitere Bestimmung beantragte: „die Bestätigung dieser neuen Organisation obliegt dem Wiener Actions-Comite", erklärte das Actions-Comite für Russland, unter solchen Bedingungen ein neues Amt nicht wieder annehmen zu können* Da sich dagegen Widerspruch erhob, wurde

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