Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 2 (10.1.1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-01-10
- Page
- 7 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 2 „Die # Welt* Seite 7 die Besitzthümer der Bewegung zu sichern, die zu schaffen die schwere Arbeit der vergangenen Ja,hre waren. Der Congress übe hier einen Einfluss auf unser Finanz-Instrument aus und auf den jüdischen Nationalfonds, der heute an einer Stelle inauguiert wurde, die hoffentlich nicht das Missfallen unserer frömmeren Gegner hervorrufen wird. Wir müssen das Eigenthum unserer Bewegung mit vollkommenen Sicherheiten umgeben. Deshalb müssen wir an die Wurzel der Bewegung zurückgehen, uns die ersten Gruppen, aus denen in weiterer Steigerung sich unsere Organisation aufbaut, so einrichten, dass der aufrichtige und wirkliche Volkswille zum Ausdrucke gelangt. Das Verhältnis der Centralleitung zu den Landes- Organisationen und der Verkehr der Centrale mit den Landes-Organisationen und der Verkehr zwischen den Vereinen und den Landes-Organisationen muss klarer bestimmt werden. Für etwaig auftretende Schwierigkeiten wollen wir Vorsorge treffen in der Errichtung eines Schiedsgerichtes und in der Aufnahme einea Bestimmung, dass 5o Vereine schon das Recht haben, sich zu einer besonderen Organisation zu vereinigen. Dem Congresse wird ferner vorgeschlagen, seine Tagung nur für jedes zweite Jahr auszusprechen, in Fällen der Dringlichkeit bleibt jedoch dem Actions- Comite d^s Recht vorbehalten, früher einen Congress einzuberufen; in der Zeit zwischen den zweijährigen Congressen haben Conferenzen stattzufinden, an welchen die Functionäre und Vertrauensmänner der Bewegung theilnehmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. Als Obmann der Organisations-Commission referiert Dr. B o d e n h e i m e r. Dr. Bodenheimer (Köln) als Vorsitzender des Organisations-Comites, erstattet den Bericht über das neue Organisationsstatut. Er beginnt mit der Bemerkung, dass unser Führer Dr. H e r z 1 mit grossartiger Intuition in diese Frage einen neuen genialen Gedanken hineingetragen habe, welcher die Berathungen besonders fruchtbar gemacht habe. Die Organisation solle sich, wie ein lebendiger Körper auf die Zelle, so auf den einzelnen Schekelzahler als unterstes Organ der Bewegung aufbauen. Wir erfassen demnach die ganze zionistische Bewegung wie einen lebendigen Organismus, dessen einzelne Glieder miteinander in steter Wechselwirkung gebend und empfangend stehen. Eine höhere organische Stufe als der Schekelzahler bilden die zionistischen Vereine, die in den einzelnen Ländern ihre Zusammenfassung zu Landesorganisationen finden, an deren Spitze ein Landes-Comite, eine Federation oder ein Rayonsvorstand steht. DenVertretungskörper der Landesorganisation bildet der Delegiertentag, dessen Vertreter gemäss einem vom Landescomite ausgearbeiteten Statut gewählt werden und das alljährlich einmal zusammentrit. Die Vorsitzenden von Landes-Organisationen, Rayons oder Federations bilden zusammen mit dem engeren A.-C. das grosse A.-C. Das Executivorgan des Congresses ist das engere A.-C. Besondere örtliche Verhältnisse können die Bildung mehrerer Landes-Organisationen in einem politisch einheitlichen Gebiete als wünschenswert erscheinen lassen. Diese ist im Einverständnisse mit der bestehenden Landes-Organisation statthaft. Neue Organisationen sind die gemeinschaftlichen Sitzungen des grossen A.-C. mit den ständigen Ausschüssen; der ständige Legitimations-Ausschuss und das Schiedsgericht zur Entscheidung von Streitfragen zwischen den einzelnen zionistischen Körperschaften, insbesondere zur Schlichtung von Differenzen mehrerer Landes-Comites oder bezüglich der Bildung neuer Landes-Comites. Redner schliesst mit der Empfehlung, Einzelheiten nicht zu ändern, da die Verbesserung einzelner Paragraphe die Einheit des ganzen Organisation - planes schädigen könnte, so dass der Nutzen hierdurch mehr als aufgewogen wäre. Redner empfiehlt aus diesem Grunde die en bloc-Annahme. Als erster Correferent spricht Ingenieur Ussischk i n russisch. Er begründet den von ihm ausgearbeiteten Organisations - Entwurf, der in der Hauptsache den Congress alle drei Jahre für mindestens sechs Tage einberufen will, mit Delegierten, die seit drei Jahren schon Schekel zahlen. Dr. Tschlenow unterstützt die Anträge der Commission und glaubt, dass die gesetzgeberische, finanzielle treibende und Demonstrations- Wirkung der Congresse durch Combination eines grossen Congresses in je zwei Jahren und Zusammenkünften der Vertrauensmänner der Landschaften in der Zwischenzeit (einmal im Jahre) erreicht werden kann. (Beifall.) In der nun folgenden Generaldebatte erklärt u. a. Dr. Kokesch: Die Referenten antrage haben den Zweck, zu verhüten, dass verdächtige Elemente in den Congress hineinkommen. Man möge daher jeden Verwässerungsantrag ablehnen, namentlich den, wonach vier Wochen vor dem Congresse gegründete Vereine das Recht der Wahl haben. Auch die Höhe des Schekels bitte er zu erhöhen, da bei dem jetzigen Geldeinlauf ein Deficit im A.-C. nicht vermieden werden kann. (Beifall.) S c h e n k i n (Odessa) hält von den Wirkungen und der Nothwendigkeit der Congresse so viel, dass er die Zwischendauer nicht verlängern, sondern verkürzen möchte. Von lebhaftem Beifall oft unterbrochen, führt er aus, wie das lebendige Leben und die Arbeit auf den Congressen ein Bedürfnis der Bewegung wären. Dr. Mozkin ist für die Abhaltung des Congresses in zwei Jahren. Jedes Jahr dagegen soll ein Zionistentag an einem vom A.-C. zu bestimmenden Orte stattfinden, wodurch eine Demonstrations-Wirkung grösser als durch einen Congress hervorrgerufen würde. Er ist gegen jeden Passus, der bei den Delegierten langjährige Schekelzahlung bedingt. Dadurch werde man manchen Arbeiter der Sache kaltstellen. In der nun folgenden Specialdebatte entsteht schon bei § 1 eine interessante Debatte über einen Antrag des Abgeordneten Trietsch, der ins Baseler Programm den Ausdruck: „unterdrückte, grosse Mehrheit des jüdischen Volkes" und statt „Heimstätte in Palästina" zu setzen wünscht: Palästina und seine Nebenländer". Für letzteres bestünde angeblich räumliche Nothwendigkeit. Redner glaubt, dass durch ersteres die Aeusserungen mancher Zionisten erklärt werden, die sagen, dass sie für ihre Person im Lande zu bleiben gedenken. Dr. Herzl erwiedert darauf, dass man doch unmöglich der Freizügigkeit etwas in den Weg legen könnte. Unsere Gegner behaupten, dass wir auf Grund eines Majoritäts-Beschlusses das jüdische Volk zwingen wollten, nach Palästina zu gehen. Die Absichtlichkeit dieses Missverständnisses ist klar. Auf Antrag wird um 2 Uhr nachts die Auszählung des Saales vorgenommen; anwesend 180 Delegierte.