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Die Welt · 1902-01-03 · 1 (3.1.1902) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
1 (3.1.1902)
Article
Rede Dr. Max Nordaus
Date
1902-01-03
Page
9 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 1 Die # Welt08 Seite 9 Programmin schlechterdings nichts neues hinzu, sie sind darin enthalten. Wir arbeiten nie so unmittelbar für den Zionismus, wie wenn wir die Juden fähig machen, brauchbare Zionisten zu werden. Der Programmpmikt, zu dem ich als allgemeiner Berichterstatter bestellt bin, spricht mit echt jüdischer Weltfremdheit von der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes. Halten Sie mir die kleine, wohlwollende Kritik zugute, die darin liegt, dass ich diese Reihenfolge umkehre. Denken wir zunächst an die wirtschaftliche Hebung des jüdischen Volkes. Sie ist die dringendste und wichtigste Aufgabe. Die körperliche, die geistige Hebung kommt später. Man sage nicht, dass die wirtschaftliche Hebung erst an dritter Stelle aufgeführt wird, weil sie eben die schwierigste ist. Es hilft nichts, uns um diese Schwierigkeit herumdrücken zu wollen, wir kommen nicht um sie herum. Die körperliche und geistige Hebung sind auch nur scheinbar weniger schwierig als die wirtschaftliche, man kann jene nämlich überhaupt nicht in Angriff nehmen, ehe diese vollbracht ist. „Ohne Geld keine Hochzeit", sagt das jüdische Sprichwort derb, „wo kein Mehl, da keine Wissenschaft", lehren die Pirke-Aboth in gewählterer Ausdrucksweise. Es ist grausam, von der körperlichen Hebung armer Teufel zu sprechen, die sich nicht aus Unwissenheit schlecht nähren, sondern die nichts zu essen haben, die nicht aus schlechter Gewohnheit in elenden Löchern, in Schmutz, Ucberfüllung und verdorbener Luft hausen, sondern die Kosten einer minder lebensgefährlichen Wohnung nicht erschwingen können. Wer hätte den Muth, nackten Hungerleidern ohne Geld für die Hausmiete salbungsvoll zu predigen: „Brüder, nährt Euch reichlich, kleidet Euch warm, lebt in mehreren luftigen, reinen, hellen, wohleingerichieten Stuben \" Einen solchen Rath darf man nur ortheilen, wenn man den weisen "Worten gleich die Mittel hinzufügt, die ihre Befolgung erfordern. Anderen Völkern, die körperlich herunterkommen, muss man einschärfen, dass sie mörderische Laster ablegen, dass sie nicht übermässig trinken, sich keiner Völlerei hingeben, keine Unzucht treiben, nicht spielen, nicht verschwenden, nicht unflätig, luft- und wasserscheu sein sollen. Wir brauchen uns diese gesundheit- und lebenzerstörenden Laster nicht abzugewöhnen, denn wir haben sie nicht. Wir müssten, um den physischen Verfall unserer Kasse aufzuhalten, im Gegentheil Gewohnheiten annehmen, die wir nicht haben : nämlich die Gewohnheit, geräumig zu wohnen und reichlich zu essen. Uns das anzugewöhnen, würde ims wahrlich nicht schwer werden, wenn wir erst das dazu nöthisre Geld hätten. Die körperliehe Hebung des jüdischen Volkes ist eine Geldfrage. Lassen Sie das jüdische Volk wohlhabend sein und Sie werden kein Wort über seine körperliche Hebung zu verlieren brauchen. Es wird ganz von selbst und. mit grösster Schleunigkeit wieder erstarken. Sehen Sie sich die jüdischen Familien an, die seit drei Generationen bemittelt sind! Vergleichen Sie diese stattlichen Reiter, diese trefflichen Fechter, diese flotten Tänzer, Preis-Turner und Champion-Schwimmer, vergleichen Sie diese grossen, breiten Gestalten mit den unbeholfenen und ausgemergelten, hustenden Jammerzwergen des östlichen Ghettos. Dann haben Sie sofort die Formel, die Ihnen das unfehlbare Mittel zur körperlichen Hebimg des jüdischen Volkes und auch die Zeit dazu angibt, die das Mittel braucht, um seine volle Wirkung hervorzubringen. Den reichen Juden brauchen wir überhaupt keine Rathschläge, zu <reben. Einmal sind sie so wenig Juden, dass sie bei der Erörterung jüdischer Volksangelegenheiten kaum noch in Betracht kommen. Dann aber gehören sie ohnehin schon zu den leidenschaftlichsten Jägern und hervorragendsten Pflegern aller Sports und wären wahrscheinlich allesammt bereits Enakssöhne, wenn sie zu ihrem Unglück bei der Abkehr vom Judenthum nicht zugleich in die schlimmsten Ausschweifungen und Sittenlosigkeiten der verfaultesten Gesellschaftsclass.cn Europas und Amerikas verfallen wären. Jenen Juden, die einen Pfennig und eine Stunde übrig haben, können wir natürlich nur weiter empfehlen, dass sie flcissig turnen sollen. Darüber brauchen wir kein Wort mehr zu verlieren. Der Gedanke der Heranzüchtung eines Muskeljudenthums ist hier angeregt worden, die gebildete jüdische Jugend hat ihn erfasst, sie wird ihn zweifellos immer allgemeiner verwirklichen. Es gibt zur Zeit, nach dem Ausweise der Jüdischen Turnerzeitung", dreizehn national-jüdische Turnvereine. Wir sollten dahin streben, dass jeder zionistische Verein, der dazu nur irgend imstande ist, eine Turnabtheiiung entwickle. Für die grosse Masse des jüdischen Volkes alxT, an die wir doch in erster Linie denken, ist all das belanglos. Diese Masse kann zur Zeit ihre Lebenshaltung nicht erhöhen und sie hat für Turnen und Sport irgendwelcher Art weder Zeit noch Mittel übrig. Wollen wir ihr hygienische liathschläge ertheilcn, so müssen es solche sein, die nichts kosten, aber auch nicht einen Pfennig! Und da finde ich bei angestrengtestem "Nachdenken nur zwei Reformen, die mir nützlich und dringlich erscheinen und die ohne Geldopfer ausführbar sind. Das jüdische Volk muss sich die allzu frühe Eheschliessung und die allzu frühe Einschulung der Kinder abgewöhnen. Die Verheiratung halbwüchsige Jünglinge und Madchen, die wirtschaftlich noch lange nicht selbständig sind, ein Brandl, der an unsere reorgenländisehen Ursprünge erinnert, ist ein Krebsschaden an unserem Volksorganismus. Sie ist daran Schuld, dass das jüdische Weib vorzeitig leidet, welkt und altert, dass die jüdische Familie zu früh und zu reichlich mit Kindern gesegnet wird, die die Kitern weder ernähren noch erziehen kennen, und dass der jüdische Jüngling den Ernst und die sittliche Würde des Ehebundos nicht erfasst und mit erschreckender Leichtbliitigkeit Weih und Kinder verl.'lsst, wenn sie ihm ein wenig unbequem werden. Könnten wir unsere Brüder im Osten dazu*l)estiiumo.n, das Durchschnitisalter des Eintritts in die Ehe um etwa acht Jahre zu vermehren, so hätten wir der Kasse einen ungeheuren Dienst erwiesen. Kaum weniger schädlich, als die frühe Ehe ist die frühe1 Einschulung der Knaben. Diese bleibt eine Sünde, selbst wenn das Cheder seine harbarische (iesundheiiswidrigkeit verliert. Es verhindert die körperliche Ausbildung und. legt Keime späteren Siechthums in den Organismus, wenn man das Kind vor vollendetem sechsten Jahre zur Schule schickt und es mehr als höchstens fünf Stunden täglich zu geistiger Anstrengung anhält. Unter dem späteren und kürzeren Unterricht wird das jüdische Kind geistig nicht verlieren, sondern gewinnen. Nun bin ich aber auch mit meinen Rathschlägen zur körperlichen liebung des jüdischen Volkes zu Ende und wende mich mit Zagen teil unvergleichlich wichtigeren Problem zu: seiner wirtschaftlichen Hebung. Durchgreifend ist dem jüdischen Volke nicht zu helfen, so lange seine grosse Mehrheit rechtlos, so lange es im ganzen verfolgt, gehasst, bestenfalls von triebhafter Abneigung umgeben ist. Das Allheihnitttel heisst: eigener Kodon unter den Küssen des jüdischen "Volkes. Was wir bis zur Erreichung dieses Zieles thun können, wird nothwendig Stückwerk bleiben und das Debel nicht an der Wurzel fassen, sondern höchstens einige klinische Symptome bessern, vielleicht auch nur verschleiern. Das jüdische Volk ist bettelarm und muss es unabänderlich bleiben, erstens weil es sich Beschäftigungen hingibt, von denen mit mathematischer Bestimmtheit naehgeAviesen werden kann, dass sie schlechterdings nichts einbringen können, zweitens, weil es eine anarchistische Tndivi dual Wirtschaft statt einer Volksökonom ie betreibt und jeder einzelne Jude seine ganze Kraft in rücksichtslos

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