Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Obgleich viermal wiederholt Hegt hier selbstverständlich nur ein lapsus calami vor.*) Dennoch soll er berichtigt werden, schon deshalb, weil* ich in meinem nächsten Buch unter anderen auch von Reb Nachman Kossower zu erzählen haben werde. Mit Zionsgruß Dr. Martin Buber. •> wie sich auch aus anderen Stellen des Aufsatzes ergibt. Anm. d. Red. Hermann Struck Ober unseren Gesinnungsgenossen Hermann Struck schreibt anläßlich einer Ausstellung von dessen Werken Anton Lindner in einem Hamburger Blatte u. a. folgendes: „Bei Commeter (Hermannstraße) ist der Vordersaal mit Radierungen Hermann Strucks gefüllt. Eng aneinander gereiht, strecken sich ungefähr hundert Blätter über vier umfängliche Wände. Landschaften,Bildnisse,Charakterköpfe,Typen, Architekturen, Stimmungsstücke etc. führen in eine überreiche Welt des individuell Erfaßten, eigenwillig Bewältigten, elegant Umrissenen. Linien, die auf das lebendigste von einem unmittelbaren Naturgefühl und von einer energischen Empfindung für menschliche und tonmalerische Werte erzählen, schließen sich da mit summarischer -^raft zu einer vielseitigen und vieldeutigen Beichte zusammen. Es zeigt sich somit eine künstlerische Potenz, der alles Gegenständliche und Unkörperliche ringsum wie von ungefähr ohne stilbildende Mühsal zur Linie wird. Ein sondergearteter Organismus, dem sich die Eindrücke des Lebens mit selbsttätiger Gewalt in verschiedentlich differenzierte Linien umsetzen. Eine sensitive Persönlichkeit, die auf Impressionen und Reize der mannigfaltigsten Art mit unabänderlichen, unwiderleglichen und logisch notwendigen Linien antwortet. Eine Schwarz-Weiß-Natur sozusagen, die ohne Linien stumm wäre, wie der Dichter ohne Worte. Einejinienschöpferische Invividuaiitat also, die allerlei Charakteristisches zu bekennen hat und dieses Sagbare oder Unsägliche nur durch individuell gefärbte Linien zu bekennenweiß. Ein spezifischer Zeichner von Gottes Gnaden, der (kraft seiner zeichnerischen Prädisposition) aus der Linie und nur-'aus der Linie, wie die Natur aus der Keimzelle, alle körperlichen/und-geistigen Erscheinungen entwickelt. Ein ausschließlicher Linh^.menseji, der diesekörpert^^^ und geistigen Erscheinungen aus innersteif^wang auf die einfachste und erschöpfendste Linienforme/ zu'nk&führen muß. Zudem: ein technischer Könner von i upd Rang und unerhörtem Fleiß. Ein, Radierer feinster . e/mit allen Finessen/ Tendenzen ujtd Möglichkeiten seiner " die .ihre tausendfachen Gesetze und ihre geheimen Berufs- ._ _ bat. Ein Künstler, der in jeder seiner Vollkommenheiten und Verfehlungen durchaus neugierig auf sictf selber macht." .. . . / „ '. . . Man sieht einen dreißigjährigen Meister, der jetzt schon /. ein Lebenswerk vonerstaunlichen^/Umfang und ungewöhnlicher Intensität auszubreiten Vermag. Em Lebenswerk, wie es sonst nur rückbückenden Jubelgreisen zy Gebote steht." Man fühlt einen Künstler, ^der sich , fast jedes/Sichtbare und unsichtbare Phänomen im großen UmVünd Aufyder Lichtspiele und Lebensformen mit impönierender.Energie für den Bezirk seiner Künste zunutze macht. Man/erkennt ejrien vpneufelt ernsten Arbeiter, der trotz seiner aJJzu jungen J^g^ncM^ohl schon seit vielen Jahren daran ist, den /Linie^ehalt/'des Lebens aus der Natur und aus seiner persönlichen / Sefffe heraus ins Auge und durch das Auge ins Handgelenk und Jfus dem/Handgelenk auf die Platte zu bringen. Man merkt ihm >*$chon Jfeute an, daß er bald alle Zwischentechniken seiner Sonderkunsr mit all inren Anleihen aus dem Bereiche der-Malerei, der' Ptes'tik und Architektur au! die Radiernadel spießen wird. Die Vielseitigkeit seiner Motive, der rastlose Trieb ::ur Tiefe, die Reinheit seiner Mache, das konsequente Bemühen um die Bloßlegurre seiner > Persönlichkeit, — — all dies spricht für den Mann mit zwingender Stimme und stellt ihn schon jetzt auf die Fußstapfen der Großen. Im silhöuettenartig Landschaftlichen, das fernab von zitternden Vordergründen perspektivisch nach hinten verfließt, nähert er sich der andeutenden Meisterkunst eines Frank Short. Im Bildnisse, das sich fast ganz auf das physische Element der Augen stützt, gelingen ihm zwischen haarscharfen Konturen und weich getönten Flächen rein geistige Spiegelungen, die an den beseelenden Linienystich William Strangs gemahnen. Und Watson kommt in Erinne- Derlei bewunderungswürdige Künste — um so bewunderungswürdiger, da sie ein Dreißigjähriger anstrebt und fast schon ganz bewältigt — ergeben im Jargon des Lexikographen die leichtfertige Phrase: mSchuf zahlreiche, nicht hervorstechende Radierungen.* Darüber müßte man sich wundern, wenn man nicht seit langem gewohnt wäre-, das Mittelmäßige berühmter Männer gepriesen und gefeiert, aber das Ungewöhnliche namenloser Kämpfer als mittelmäßig verurteilt zu sehen. Unter den Porträts interessieren die vergeistigten Bildnisse Gerhart Hauptmanns, Theodor Herzls und Giovanni Segantiiris besonders. Durch seitliche Belichtungen sind hier überirdische Reflexe, die gleichsam aus dem Innenleben der Porträtierten kommen, tonmalerisch nach außen gekehrt und zwischen summarische Linien gelegt. Die rapide Macht jener magnetischen Wirkungen, die aus außerordentlichen Menschenköpfen im Augenblick auf uns einzuströmen pflegen, ist mit dem rassigen Instinkt eines zeichnerischen Zeichendeuters festgehalten. Hier sind die edelsten Aufgaben einer mannhaften Bildniskunst intuitiv erfaßt und bezwungen. Eine gleich starke Geistigkeit wird in einer Serie palästinensischer Skizzen lebendig. Der Brunnen bei Jaffa, Absaloms und Raheis Grab, das Tote Meer, die Palmen-Allee in Rischon le Zion seien genannt. Eine Reihe fcftiischer Dörfer mit ihrer sonnigen Schwermut schließt sich in sanften Tönungen an. Gegenständlicher geben sich Studien „vom Rande Berlins*4 (Neubauten — Rennbahn Karlshorst — Fabriken — Wasserturm — Am Bahndamm). Aus Scheveningen, Igels, Sils-Maria, Agnetendorf, Weimar, Rom, Venedig liegen Ausschnitte vor, die sich bis zu Whistlerscher Silberstiftzartheit und Liebermannscher Luftfülle steigern. Ein apartes Verfahren leitet aus Grunewald-Szenerien und märkischen Gehöften durch intime Verblasenheit holländisch weiche Stimmungen ab. Hier klingt Israels an, der Hermann Strucks Lehrer war. Und Israels spricht auch mit seiner großväterlichen Stimme aus den weißbärtigenlRabbiköpfen, die zu Strucks Speziali- :äten gehören. Aber über Anreger und Aneiferer dringt fast auf jedem dieser hundert Blätter die Eigenkraft des jungen Berliners hinaus. Mit freudigem Anteil darf man in ihm eine neue Hoffnung unserer Kunst und eine neue Erfüllung begrüßen." Statistisches aus den Vereinigten Staaten Die israelitische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten ist von 3000 im Jahre 1818 auf 1418 013 im Jahre 1906 gestie]gen. Vom!-. Juli 1895 bis zum 30. Juni 1906 sind 150 846 Juden in diesem Lande aus andern Staaten angekommen. Dayon waren 106 896 Russen. Hiervon sind alle mit Ausnahme von 17 000, welche in Philadelphia und Baltimore landeten, im Hafen von New-; York angekommen. Daß die große Mehrzahl dieser Einwandere/-' in New-York sich ansiedelte, geht ausfolgendem Ausweis hervor: Von den 1418 013 Juden,*welche in diesem Lande leben, befinden sich allein ungefähr 600 000 in der Stadt New-York. sind mehr von ihnen in Manhattan, als in der Türkei, Persien. und Ägypten zusammen, und dfe vereinigte jüdische Bevölkerung von Deutschland und Belgien erreicht etwa die Zahl der.-in New-York lebenden Juden. Rußland mit einer jüdischen Bevölkerung von 5 215 805 und Österreich-Ungarn mit 2 076378 ,^s1nd die einzigen Länder, in welchen die Ziffer die der in den- Vereinigten Staaten lebenden Juden übertrifft. Im Vereinigten Staatenkongre-ß befinden sich' fünf Juden, und zwar im Senat Isidor Rainer, im Abgeordnetenhaus Henry M. Goldfogll, Julius Kahn, Lüden, N. Littauer und Adolf Mayer. Bekanntlich ist auch der ^Handelssekretär des neuen- Kabinets des Präsidents Rooseyelt ein Jude, nämlich Mr. Oskar S. Straus. — (Im "britischen Parlament sitzen sechszehn Juden, von denen., zwölf* Liberale und vier Konservative sind.); / Im verflossenen Jafire wurden 44 neue Synagogen ihrer Bestimmung übergeben,-"22 industrielle ur.d wohltätige Gesellschaften gegründet. Morris^ Rosenfeld in Gefahr, zu erblinden Als Antwort auf eine Anfrage des Philadelphiaer „Jüdischen Kämpfers*' schrieb der bekannte DtCnter der „Lieder des Ghettofolgendes: „Ich mache jetzt eine Kur durch. Ich bringe -ein großes Opfer, intern ich diesen Brief schreibe, weil meine Augen immer inehr den Dienst versagen. Es ist möglich, daß ich' in. jedem /Augenblick das \Augen^licht verliere. Die optischen Nerven sind rang, wo mansch säuberlich gefügten und dennoch malerisch un-/ infol Läh zerstört< so daß icn in ieder Minute reinen Architekturen gegenübersteht, die mit der schweigsame^ & „ . t ,. . ,s ,.. , s , n± .. . ■ , * ^Gewalt verwitterter «Mauern zu unserer Seele sprechen-und *in . auf das gänzliche brbhnden gefaßt bin----Mein Fonds ist.schon Gefühl der innigsten Weltabgeschiedenheit wecken. / so gut wie erschöpft, und mein großes Unglück fängt erst jetrf an.