Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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~ Örüßen Sie alle Freunde und Leser Ihres geschätzten Blattes blinden Bettler in den Oasseii werden stehen lassen. Ihr dankbarer fwuf drücken Sic ihnen mein Zutrauen aus, daß. sie mich nicht als Morris Rosenfeld-* tmm,v: ■ -"■ - ■ O O O-O o o o c O O O O O O O I AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Holland Siebenter Delegiertentog der Niederländischen Zlonisten Wie wir schon in der vorigen Nummer zu melden Gelegenheit hatten, wurde am Sonntag den 29. Kislev 116/Dezemben der siebente Delegierten tag der Zionisten in Holland abgehalten. Eigentlich entspricht der Charakter dieser Versammlung nicht dem deutschen Worte: Delegiertentag- Vielmehr stellt sie eine Art „Generalversammlung" dar. Die niederländischen Zionisten haben sich nämlich in ihrem kleinen Lande einheitlicher organisieren können, als das in den meisten größeren Staaten der Fall war; sie haben nicht in jeder Stadt einen oder mehrere Vereine gegründet, die sich dann zu einer Federation zusammenzuschließen hatten, sondern sie haben sofort, als die zionistische Idee unter den holländischen Juden festen Fuß zu gewinnen anfing, einen Verein gegründet der das ganze Land umfassen sollte und jetzt auch tatsächlich umfaßt. Dieser Verein („De Nederlandsche Zionistenbond"» hat in allen Ortschaften, wo eine genügende Anzahl Gesinnungsgenossen wohnen, eine Abteilung, die ihren eigenen lokalen Vorstand wählt und ein weitgehendes Selbst verwaltungsrecht besitzt, sich jedoch allen Satzungen des allgemeinen Vereines und allen Weisungen der Leitung zu unterordnen hat. An.«der Spitze des Vereines steht der „Hoofdbestuur** (Hauptvorsjänd) in dem jede Abteilung eins ihrer Mitglieder entsendet und /(lern übrigens noch der Vertrauensmann für die Niederlande und der Nationalfondskommissär angehören. Dieser Hauptvorstand wählt nun wieder den Schriftführer und den Schatzmeister des Vereines, die zusammen mit dem Präsidenten, der von der Generalversammlung gewählt wird. den. „D^igeliiksch Bestuur" (Permanenter Aus- ••sCthuß) bilden. Die drei Mitglieder des Dageliiksch Bestuur-haben 0n einer Stadt (zur Zeit Amsterdam) zu wohnen. Sie stellen gleichsam 'das „Engere Aktionskomitee" des niederländischen.Zionismus dar. Einmal im Jahre tin den Chanukkah-Tagen) hält der Verein seine Generalversammlung ab; in diese Versammlung entsenden die Abteilungen eine Anzahl Delegierte, proportioneil ihrer Mitgliederzahl, maximal aber sechs. Auch die „Zionistischen Vereine",, die zu einem speziellen Zweck gegründet sind, "und die dem allgemeinen Verein ihren Beitrag zahlen, haben das Recht, diese Generalversammlung mit ihren Delegierten zu beschicken. Die Abteilungen haben -das Recht, selbst ihren Jahresbeitrag festzustellen; eine jede Abteilung und ein jeder angeschlossene Verein haben-aber der Zentrale jährlich für jedes ihrer Mitglieder einen holl. Gulden zu entrichten. Hieraus zahlt nun wieder die Zentrale für alle Mitglieder des Vereins zusammen* den Schekel, der auf holländisch «inen halben Gulden beträgt und behält den Rest für das zentrale Budget. Auf diese Weise ist der Schekel immer in den Jahresbeiträgen, die die Zionisten den Abteilungskassen zahlen, einbegriffen. Nichtsdestoweniger wird der Schekel auch von denen, die keiner .Abteilung ihren Beitrag zahlen wollen oder können, angenommen; sie haben aber im Vereine keine Rechte. " In betreff des Schekels hat der Hauptvorstand sich immer als den Kassierer des Aktions-K&rnitees betrachtet und ihn voll und ganz der Zentrale abgetragen, auch wenn der Restbetrag für die Ausgaben des Vereines nicht ausreichte. Am Sonntagmorgen 11 Uhr wurde die Versammluug vom Vorsitzenden, Herrn Sigmund Seeligmann., mit einer kurzen »Ansprache eröffnet. Eine Kommission zyr Prüfung der Mandate wurde ernannt; es ergab sich, daß 42 Delegierte anwesend waren; die 13 Abteilungen repräsentierten. Man schritt sofort statutgemäß zur Wahl eines Vorsitzenden für das nächste Jahr. Unter großem Beifall wurde ohne Diskussion der bisherige Vorsitzende,' Herr S. Seeligmann, wiedergewählt. Es folgte nun die Verlesung des allgemeinen Jahresberichtes. ' Dem" ausführlichen Stücke, dessen Verlesung fast eine Stunde in Anspruch nahm, sei u. a. folgendes entnommen: * / . * Die Mitgliederanzahl steigerte sich von 594 (am 30. Juni 1905) auf 777 (am 30. Juni 1906). Außerdem "gibt es denn noch eine geringe Anzahl (etwa 25) nur —- Schekelzahler. Die niederländischen Zionisten delegierten die Herren G.C. Polak, \. H. Kajin und Dr. S. Franzie-Berenstein nach dem siebenten Kongresse. Von den 614 wahlberechtigten Schekelzahlern beteiligte sich nur ein verhältnismäßig geringer Teil an den Wahlen; die größte Majorität war 123. Es ist hierbei zu beachten, daß dieser Wahl kein prinzipieller Wahlkampf vorangegangen war; es läßt sich voraussehen, daß bei der nächsten Delegiertenwahl die Verhältnisse anders sein werden. Iis wird dann weiter ausführlich berichtet über die Propagandakampagne im abgelaufenen Winter und über die Hilfsaktion zugunsten der Pogrom-Opfer. Der Hauptvorstand unterstützte auch im abgelaufenen Jahre die zionistische Halbmonatsschrift „De Joodsche Wächter", die in die Hände eines anderen Verlegers überging und die für die Verbreitung unserer Idee in Holland schon viel geleistet hat. Zur intensiven Führung der Propaganda und Agitation ist eine spezielle Kommission eingesetzt. Dieselbe bestand zwar aus nur drei Mitgliedern, bildete aoer auch nur die Zentrale. Sie hat das ganze Land in Distrikte eingeteilt; in jedem Distrikt hat sie einen Vertrauensmann, der fortwährend mit ihr in Verbindung bleibt und die spezielle Aufgabe hat, die Gründung neuer Abteilungen vorzubereiten. Zwei neue Abteilungen wurden gegründet (Coevorden und Hilversumi. In den November- und Dezembertagen entwickelte der Verein eine außerordentliche Tätigkeit zugunsten der Hilfsaktion. Sofort nach dem Eintreffen der ersten Unglücksnachrichten ließ der Vertrauensmann einen vom ganzen Hauptvorstand unterzeichneten Hilfsnufruf in der Tagespresse erscheinen. Der Dagejijksche Bestuur weckte durch Rundschreiben und Briefe die Abteilungen zur regen Tätigkeit, zum Organisieren von Protestversammlungen, zur Bearbeitung der lokalen Presse und zur Gründung von Sub-Komitees auf. Allerorts kamen diese letzteren denn auch zustande; hier und dort bestanden sie ausschließlich aus Zionisten, an vielen anderen Orten vereinten sich Juden und Christen verschiedener Schattierung zu Gesamt-Ausschüssen. Die Sammlung führte zu einem sehr befriedigenden Erfolg; die gesammelten Gelder wurden teils an den Hilfsfond des J. C. T. abgeführt, teils auch anderen Komitees (u. a. auch der Allianz) übertragen. Die Bjelostok-Ereignisse gaben zu einer so ausgedehnten Wirksamkeit keinen Anlaß, da noch Hilfsgelder vorhanden waren. Gemäß der Weisung des A. C. suchte der Verein seine Kraft im Organisieren von Protestversammlungen und in der Bearbeitung der lokalen Presse zu betätigen. Leider gestatteten die örtlichen Umstände nur in wenig Abteilungen die Veranstaltung größerer Meetings. Die Sammlungen für den Natronalfond führten zu verhältnismäßig befriedigenden Resultaten. Der Bericht schloß mit einer ausführlichen Ubersicht über die Wirksamkeit jeder Abteilung im besonderen. Es folgte nun die Verlesung des Rechenschaftsberichtes, nebst Bericht der Revisoren. Der Stand der zentralen Kasse ist ein sehr wenig günstiger; der Kassabericht zeigt ein beträchtliches Defizit. Nach Beendigung des Berichtsjahres hat aber der Hauptvorstand eine umfassende. Agitation behufs freiwilliger Beitragsleistungen eingeleitet; dadurch wird diesem Übelstande wahrscheinlich bald abgeholfen sein. Übrigens waren auch schon Anträge auf die Agenda gebracht, die bezweckten, die Einnahmen der "Zentralkasse auf eine gesundere Grundlage zu stellen. V " Es folgte die Behandlung der Vertrauensmann-Kandidatur, die die niederländischen Delegierten dem nächsten Kongreß vorzulegen haben werden. Der Vortrag des Hauptvorstandes enthielt zwei Namen: J. H. Kai;i jetziger Vertrauensmann i.:id Mitglied des engeren A.C.) und S. Seeligmann (Vorsitzender des Vereins). Nachdem Herr Seeligmann auf eine an ihn gerichtete Frage mitgeteilt hatte, daß er in der Frage der praktischen Palästinaarbeit denselben Standpunkt wie rlerr Kann einnehme, beschloß die Versanmlung, die Entscheidung über diese Kandidatur bis zur Vorversainmlung zum VIII. Kongresse aufzuschieben. Der'Bericht des Nationalfonds-Kommissärs Herrn Aronowitz, dem für seine aufopfernde, nimmerruhende Tätigkeit der