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Die Welt · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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berg führte etwa folgendes aus: Da es Nationalisten gibt, deren Programm" mit dem ur.srigen mehr oder minder übereinstimmt, spricht alles dafür, daß wir mit ihnen zusammengehen sollen. Das Fehlen eines eigenen Parteiprogramms hat uns nicht gehindert, fünf Zionisten in die Duma zu bringen. Wir kämpften so lange für eine jüdische, einheitliche, parlamentarische Gruppe in der Duma, und jetzt werden wir gezwungen sein, die Zionisten in eine separate Gruppe abzusondern. Und wozu? Um lediglich das Wort Zionismus in der Duma zu proklamieren? Dabei werden wir sicherlich die Sympathien der Massen verlieren, die nicht begreifen werden, was die Forderung der bürgerlichen oder nationalen Rechte in Rußland mit dem Zionismus zu tun hat. — Die Anhänger einer eigenen, zionistischen, innerpolitischen Partei behaupteten demgegenüber: Da das innerpolitische Programm der Zionisten mit dem der Nationalisten im wesentlichen zusammenfällt, wird nichts daran hindern, daß beide Gruppen vollkommen konform handeln.m Wenn wir jedoch unter einer anderen Losung auftreten, geht unsere Arbeit als Zionisten in den Augen der Masse ganz verloren. So haben wir bis jetzt so viel beigetragen zur Bildung des Verbandes der Gleichberechtigung, zur Verbreitung der Idee einer Nationalversammlung, einer jüdischen parlamentarischen Gruppe, in der Wahlkampagne so viel geleistet, -- und trotzdem hört man die Frage: Aber was habt ihr Zionisten vollbracht? Die Massen sind daran gewöhnt worden, zu sehen, daß, sobald eine Arbeit für das gegenwärtige Leben auf die Tagesordnung kommt, die Zionisten sofort sozusagen ein anderes Kleid anlegen. Wir müssen diese Anschauung zerstören. Die Massen sollen begreifen, daß der Zionismus als solcher eine Antwort auf alle Fragen ihres Lebens erteilt. Es ist gar nicht so unrichtig, wie viele meinen, das Wort Zionismus in der Duma zu proklamieren. Alle politischen Parteien streben darauf hin, ihre Prinzipien bekannt zu machen. In der vorigen Duma bekamen unsere Kandidaten keine Direktiven von uns. Deswegen überraschten uns nachher einige mit unerwarteten . Äußerungen. Und warum dürfen nur wir befürchten, eine gefährliche Barriere zwischen den Delegierten aufzurichten? Warum fürchteten die anderen nicht, etwa Winawer als Kadett oder Bramson als Mitglied der Arbeitsgruppe, aufzutreten? Ais separate Partei können wir natürlich einen Bruch herbeiführen, können aber auch vollständig zusammengehen, :— einen Anteil nehmen an der Wahlkampagne oder uns von ihr fernhalten, einen eigenen Kandidaten aufstellen oder einen fremden unterstützen.^ Das hängt immer von unserer Taktik ab, die aber unseren Stem'pel tragen muß. Herr Seidenmann warnte davor, sich der noch unbekannten Völkspartei mit Leib und Seele#zu verschreiben. Diese Partei wirkt noch vorläufig akademisch in den Köpfen der Publizisten und anderer Theoretiker. Wenn diese Partei sozusagen auf die Straße hinausgehen wird, wird sie sich nicht mit einem Programm der »Realpolitik begnügen können, sondern sie wird den Massen ein Endziel zeigen müssen. Und was wird unsere Lage sein, wenn dieses Endziel unserem Ideal widersprechen wird? Herr Schabotinsky schlug nachher der Konferenz in den Grundzügen folgende Resolution vor, die auch nach zahlreichen redaktioneilen Korrekturen akzeptiert wurde. Resolution, betreifend unsere unmittelbare Tätigkeit v Zum Zwecke des Kampfes für die nationalen Rechte der Juden verfolgt die zionistische Organisation in Rußland folgende ^Taktik: ' - A Im öffentlichen Leben. - 1. Die Vorbereitung der öffentlichen Meinung, zugunsten unserer Forderungen und deren Propaganda unter den Vorstehern verschiedener nationaler Parteien und Gruppen. 2. Die Aufklärung der Lage und der politischen Bedeutung derjenigen nationalen Gruppen, die bei der Verwirklichung der provinziellen nationalen Selbstverwaltung außerhalb der-entsprechenden Provinzen leben, und ihre Vereinigung zur Ver- - . teidigung der Rechte Üer nationalen Minderheiten. . 3. Der Kampf gegen agressive oder im Sinne der jüdischen - - Assimilation wirke: de Tendenzen unter anderen Nationalitäten: B Innerhalb des Judentums. 1. Die zionistische Organisation irr Rußland führt eine selbstständige politische Tätigkeit, die sie als eines der Mittel zur Verwirklichung des Zionismus betrachtet. 2. Die Mitglieder der zionistischen Organisation können nicht Mitglieder anderer jüdischen Parteien sein. Anmerkung. Den Verband für die Erreichung der Vollberechtigung des jüdischen Volkes in Rußland als eine Organisation ansehend, die die Vereinigung verschiedener Elemente des Juden tüms zu einem..besonderen Zwecke.janstrebt, welcher keinen partei politischen Charakter trägt, erachtet die Konferenz die Anteilnahme an diesem Verbände, solange er seinen parteilosen Charakter behält, für zulässig. 3. Zum Zwecke der Erreichung bestimmter konkreter Forderungen tritt die zionistische Organisation in Verbindung mit verschiedenen Parteien und Verbänden, insofern deren Programm unseren Aufgaben in Rußland nicht widerspricht. +. Zürn Zwecke der Zuführung der weiten jüdischen Massen zur politischen Aktivität empfiehlt die Konferenz die Propaganda unserer Prinzipien,_speziell der Idee einer Na tional- . verkammliuig. 5. Die Konferenz empfiehlt ferner die Schaffung von jüdischen Gemeinden und nach Möglichkeit deren gesetzliche Legalisierung. Diese Gemeinden umfassen die ganze lokale jüdische Bevölkerung, haben gewählte Repräsentanten an der Spitze und sollen mit den Funktionen einer vollständigen nationalen Selbstverwaltung ausgestattet sein. Dort wo schon jetzt uemeindeorganisationen existieren, > soll man deren Demokratisierung und die Erweiterung ihrer Funktionen bis zur vollständigen nationalen Selbstverwaltung erstreben. C Die Wahltaktik In Anbetracht der Fehler des jetzigen Wahlgesetzes, die eine äußerste Vorsicht im Kampfe der Parteien^ innerhalb des Judentums erfordern, stellt die Konferenz folgende Regeln für die Walkampagne auf: 1. An denjenigen Punkten, wo dank der numerischen Oberzahl der jüdischen Bevölkerung der Erfolg der Juden absolut sicher ist, auch bei einer Zersplitterung der judischen Stimmen, führen die Zionisten nötigenfalls die Wahlkampagne selbständig. 2. An allen andern Stellen tragen, die Zionisten das ihre zur Bildung eines vereinigten jüdischen Wahlkomitees bei das von der Bevölkerung gewählt ist,, oder, eines koalierten Komitees, in welchem die Zionisten als eine besondere Partei auftreten und während der ganzen. Wählkampagne eine selbstständige Agitation für ihr eigenes politisches Platform und für die ihnen genehmen Kandidaten entfalten. 3. Nach Abschluß der Wahlagitation stimmen die Zionisten für den von der Mehrheit der jüdischen. Wähler bestimmten Kandidaten» ausgenommen den Fall, daß dieser Kandidat ein ausgesprochener Assimilant ist * ' '" 4. Von den jüdischen Kandidaten fordern, die Zionisten die Anerkennung der nationalen und demokratischen Prinzipien, die im politischen Programm der zionistischen Organisation enthalten sind, und ihren Eintritt in die jüdische parlamentarische Gruppe. '•' ' '- ~ x 5. Von. den nichtjüdischen Kandidaten verlangen die Zionisten die Anerkennung der demokratischen und nationalen Forderungen des zionistischen Programms.; - * ' ■ "•■ - - Damit waren die schwierigsten Fragender Konferenz zur Erledigung gelängt, und es verblieb nur noch die Aufgabe, die praktisch-administrativen Fragen, wie O rg ä ni s'ati o n , h. eg a l fsi e ru n g der Partei, Zentralbureau etc. zu^r lösen. "Ober die diesbezüglich gefaßten. Beschlüsse werden, ^wirirr unseier nächsten Nummer berichten. Mit begeisternden Schlußreden des Helsingforsei Rabbiners, des Vorsitzenden Dr. Tschlenöw und des Delegierten Schabotinsky und unter Absingung der Hatikwah endete nach sieben inhaltlichen Tagen und einigen Nachtsitzungen'die dritte •Allrussische Zionistenkonferenz am Montag den 10. Dezember. LEOPOLD HILSNER Wir entnehmen den bedeutsamen Ausführungen Burckhärdi ' nachfolge^de.Stelleji: . : - : ^^^.^; *vV~v- -^'Nach Arthur Nußbaum, Prof. Liszt, Max Nprdau u. a. . nimmt nunmehr einer, der hervorragendsten VertreteVäes modernen? Österreich, Dr. Max Burckhard, das Wort zum< Falle Hilsner, T ' ■ >. - u. »>- : „ •-••«, . o x * 4 - lu i i - *; r ' 'V „Im ganzen muH man den Hltener-Prozeß defi traurigsten -Ver ggi dessen Revision die österreichische Justiz noc^ In diese! |bcrantreten will. ' . •;; ~::^;-:;. , llllfc^

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