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Die Welt · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hälfte der 90er Jahre erlebt habe, auch in Hinsicht auf die gegenwärtigen Arbeiten eintreten kann. Ich will damit nicht behaupten, daß jede Arbeit in Palästina sinn- oder zwecklos sei. nur sehe :ch darin nicht die eigentliche Lösung und den Weg für die Erreichung unseres Ideals. Ich rechne mit der Tatsache, daß die Erreichung von rechtlichen Garantien oder eines Charters vor dem Einsetzen einer Massenkolonisation sich als eine Unmöglichkeit erwiesen hat, und das wird kaum in der nächsten Zukunft anders werden. Ich halte es aber nicht für absolut unmöglich. Ich glaube, daß wir es, wenn in unseren Händen eine mächtige Organisation und kolossale Mittel wären, schließlich doch erreichen könnten. Da aber die Schaffung einer solchen Organisation und solcher Milte! trotz aller Arbeit der vergangenen Jahre in der nächsten Zeit nicht vorauszusehen ist, so erscheint die Nationalisierung der jüdischen Massen, nicht in der Form einer abstrakten Lehre, sondern in der Schaffung von konkreten Lebensformen, ais unsere direkte Aufgabe, und die politische Tätigkeit in Rußland jetzt, wo wir ^ewissermassen die Möglichkeit der Selbstbestimmung besitzen, als eine Frage unserer Selbsterhaltungr B. Goldberg bemerkt, daß man sich nicht auf eine politische Richtung beschränken seile. Die Hauptsache ist daß das jüdische Volk selbst imstande sei» seine Rechte zu verteidigen: Lieber ein Minimum von Rechten in der Wirklichkeit als ein Maximum auf dem Papiere. ln Galizien z. B. besitzen die Juden die Gleichberechtigung, können sie aber nicht durchführen, da sie unorganisiert sind. Organisieren wir zunächst das Volk, damit es später seine Rechte schützen könne. Dr. Tschlenow: Ich will Ihnen meinen Standpunkt, den Ständpunkt eines mit einer alten zionistischen Praxis darlegen. Ich merke, daß wir in Extreme verfallen. Man neigt z. B. dazu, denjenigen, der den Zionismus mit der praktischen Arbeit in Palästina nicht identifizieren will, für keinen Zionisten zu halten. Ich selbst bin für reale Tätigkeit in Palästina, glaube jedoch, daß diese Tätigkeit erst nach der Erreichung von rechtlichen Garantien wirklich fruchtbringend werden wird. Des weitern erblicke ich nichts Neues in der Aufstellung der Forderung von Gegenwartsarbeit. Wir haben schon seit dem.* zweiten Kongresse zuerst die kulturelle, nachher die ökonomische. Arbeit in unser Programm eingeschlossen. Ich erwarte Wunder weder von einer Nationalversammlung noch von einem nationalen „Sejm*\ allein, sie können eine Besserung im ökonomischen und kulturellen Leben unseres Volkes herbeiführen, und deswegen bilden sie einen Teil unserer Ziele. Ich glaube, daß eine Nationalversammlung die politische Physiognomie des jüdischen Volkes aufhellen und manche reif gewordenen nationalen 1-ragen lösen wird. Noch eines ist für mich als Praktiker wichtig: In der ersten Zeit hat unsere Organisation unter einem Mangel an lebendiger, alltaglicher Tätigkeit gelitten, — 4ch freue mich "nun, daß wir unsere Kräfte auf derr^ Boden einet alltäglichen Arbeit vereinen können, die unser zionistisches Programm ergänzt. Nachdem sodann Grünbaum, Pasmanik und Schabotinsky ihre früheren Ausführungen zu ergänzen oder aufzuklären sich bemüht hatten, antwortete Herr Seiden mann auf die Kritik seines Referates, Er wies auf die charakteristische Tatsache hin, daß, während fast alle Redner die Postulate von Grünbaums Vortrag bestritten harten,' dennoch alle zum Schlüsse gelangten, daß die nationale Arbeit in der Diaspora notwendig und möglich sei. Daraus?cieht er den Schluß, daß diese Frage snruchreif-geworden ist und schlägt vor, nach einer eingehenden Erörterung einzelner Punkte seines Berichtes die von ihm verfaßte Resolution zur Abstimmung zu bringen! Eine Kommission, in die auch die Berichterstatter Seidenmann und Grünbaum gewählt wurden, brachte sodann im Verlaufe der Sitzung nachstehende , Resolutionen betreffend die politische Piatforni der rassischen Zionisten ^n, die von der Konferenz auch angenommen wurden: In der Erwägung, daß die Organisation des jüdischen Volkes zur nationalen Selbstbetätigung nach dem. zweiten Punkte des Baseler Programms ais eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Verwirklichung des Zionismus erscheint, indem sie die Kräfte des Judentums in der Diaspora vermehrt, ihm neue kulturelle, materielle und politische Mittel Am Kampfe für die Schaffung. eines normalen. nationalen Lebens In Palästina zuführt; in Anbetracht farner des. Umständes, -daß in den Lindernder Diaspora die nationalen Organisationen sich nur unter dem Schutze des Staates entwickein können, was nur. einer demokratischen Einrichtung des - Staatswesens, möglich ist — sanktioniert die ULJCohferent den bereits anf natürlichem Wege erfolgten Eintritt der Monistischen Massen in .ÖenFrelheitskatiipI der terttöriateh^yölteiKäurften Rußlands und - hält es für not« wendig, die nationale Vereinigung des Judentums nuf dem Boden der sich vollziehenden Umwandlung des russischen Staatswesens zum Zwecke der Anerkennung der Jüdischen Nationalität und der gesetzlichen Selbstverwaltung in allen Sachen des jüdischen Nationallebens durchzuführen. Infolgedessen wird die Zionistische Organisation in Rußland folgendes Programm vertreten: 1. Die Demokratisierng des russischen Staatswesens auf der Grundlage eines konsequenten Parlamentarismus, einer weitgehenden politischen Freiheit, einer Autonomie der nationalen Gebiete und der entsprechenden Garantien für die nationalen Minderheiten. 2. Eine vollständige und absolute .Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung. 3. Die Garantie der Rechte der Minderheiten bei allgemeinem, gleichem, direktem und geheimem Wahlrecht ohne Unterschied der Geschlechter, bei allen staatlichen, provinziellen und Gemeindewahlen. 4. Die Anerkennung der jüdischen Nationalität als eines Ganzen mit dem Selbstverwaltungsrechte in allen An- Bclegenheiten des nationalen Lebens, ie Einberufung einer allrussischen jüdischen Nationalversammlung zur Ausarbeitung der Grundlagen einer nationalen, Organisation. 6. Das Recht der Verwendung der nationalen Sprache bei Gerichte, in 3er Schule und im öffentlichen Leben. 7. Das Recht für die Juden statt der Sonntagsdie Sabbathruhe zu halten. Schabotinsky spricht in seinem und Seidenmanns Namen zur Frage der nächsten Tätigkeit. Seiner Meinung nach können die Juden, da sie weder quantitativ noch qualitativ eine glänzend hervorragende Kraft bilden, im Freiheitskampfe keine bedeutende Rolle spielen. Deswegen sollen sie nur an dem Auftreten der ausschlaggebenden Elemente - einen Anteil. nehmen. In dem Augenblicke aber, wo die Höhe des kulturellen Niveaus und die geistige Entwicklung in Betracht kommen, können wir eine bedeutendere Rolle spielen. Besonders bei der Lösung der nationalen Fragen und bei der Frage des Aufbaues des Nationalitätenstaates können wir mitsprechen. Zuerst glaubten viele unter uns. da wir ein Volk ohne Territorium sind, daß auch die andern Völker Rußlands ihre' nationalen Fragen exterritorial lösen sollten. Aber wir sind überall eine Minorität und können infolgedessen von den Majoritäten nicht verlangen, sie sollen sich uns anpassen. Deswegen müssen wir fordern: 1. Eine nationale Autonomie für die Gebiete mit einer einheitlichen Bevölkerung. 2. Die Garantie der Rechte der Minoritäten. Von" diesem Standpunkte aus können wir bestimmen, wer unsere Verbündeten sind. Das sind z. B. die Kleinrusser? von Petersburg, das sind die Polen in Wolhyriien, im südwestlichen Gebiete usw. Wir müssen diese Gruppen auf ihre Interessen hinweisen. Wir dürfen uns also nicht auf ^je mit uns sympathisierenden Elemente, sondern müssen uns auf solche Elemente stützen, die "mit uns einheitliche Interessen verfolgen. Die unbedingte Voraussetzung von solche^ Zusammengehen ist eine demokratische Politik. Ein Verband solcher nationaler Minoritäten muß für die Rechte der einzelnen, in ihm vertretenen Völker eintreten-. Gleichzeitig mit der Wirksamkeit nach außen müssen wir innerhalb des Judentums eine Basis für die nationale Organisation begründen, deren staatliche Anerkennung wir im politischen Kampfe erkämpfen wollen. Wir müssen die embryonale Grundlage der zukünftigen Gemeinden ipso facto schaffen und die Einberufung einer Nationalversammlung vorbereiten. Alle diese Arbeiten außerhalb und innerhalb des Judentums sollen die Zionisten unter der eigenen Fahne als zi onistisehe : Par t er vollbringen. Man kann und soll'in die engste Verbindung " mit verwandten jüdischen-Parteien eintreten, aber in eigenem Namen und unter der eigenen Flagge wirken. Dieselbe Taktik müssen wir auch während der Wahlen verfolgen, aber, um die Gefahr der Zersplitterung-der jüdischen Stimmen zu vermeiden, ist eine äußerste. Vorsicht geboten. E&-wnpfiehlt sich in diesem Falle ein gemeinsames Vorgehen mit dem jüdischen Wahlkomitee, wobei wir jedoch das, Recht behalten sollen, im eigenen Namen und vom eigenen Standpunkte, aus eine Wahlpropaganda zu führen bis zur letzten.? Wahlversammlung wo wir unbedrngt für die Kandidaten der Listet der Majorität stimmen sollen, auch wenn diese Kandidaten Gegner, des Zionismus'sind. Eine Ausnahme soll der Fall bilden, wo, die Majorität einen Assrmilanten wählt ^; •' > ' '•: - ' \±£ Ali diese Ausführungen' Schabotmskys knüpfte sich'eine lebhafte^ Debatte. Den entgegengesetzten Standpunkt vertraten Weißenberg;' Motzkin usw^die, für die Bildung * einer VÄtkspaitei eintraten^ bestehend: ans jüdöchen Nationalen u^ HeiT Wei^e^«o ' - . ä^:^^^^^^;^]»!^

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