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Die Welt · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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menten der ganzen Welt zur Sprache kamen, schwiegen die jüdischen Abgeordneten im preußischen Landtag und im deutschen Reichstag. Im kleinen wie im großen, in der Gemeindestube und im Hohen Rat. der Knechtsinn, der sklavisch-demütige Haß der Libertini gegen den Stand, dem sie entwachsen zu sein wähnen, indes in Wahrheit die anderen, die vermeintlichen Heloten, längst Freie in Ketten sind. Spezialbericht über die III. Allrussische Zionistenkonferenz in Helsingfors «Schluß., LETZTE VKRHANDLUNGSTAGIf Nach der Annahme der Resolutionen schritt man in der NachmiUagssitzung des III. Tages zur Erledigung der zweiten Hauptfrage, nämlich der politischen Arbeit in Rußland. Die Diskussion über diese Frage nahm den III. und den IV. Tag wie auch einen Teil des V. Tages in Anspruch. 'Auf der Tagesordnung steht die Frage der allgemeinpolltischen Platform und des Verhältnisses des Zionismus zur russischen Gegenwart. Als erster Referent tritt Herr J. Grünbaum auf. Grün bäum: „Ich werde eigentlich in meinem Referate kein politisches Programm entwickeln. Ich will bloß eine Einleitung zu einem Programm geben. Ich will sozusagen die genetischen Momente dieses Programms, das erst im zehnten Jahre des Bestehens Unserer Bewegung aufgetaucht ist und die ursächlichen Zusammenhänge desselben mi^ unserem Programm aufdecken. Wir müssen von der Tatsache ausgehen, daß unsere Partei eine schwere Krise durchgemacht hat. Und diese Krise hat ihre Wurzeln hauptsächlich darin, daß wir um unsere nationalen Forderungen in Rußland selbst, um unsere innerpolitischen Prinzipien und Tendenzen keinen politischen Kampf führten. Diese Frage über die Stellung der zionistischen Partei zur russischen Gegenwart, zum politischen Kampfe in Rußland hat .uns bereits schwere Opfer gekostet. Es war ein Schibboieth innerhalb des Zionismus, es war eine Parole, unter der manche Gruppen von der Partei sich lostrennten und sich unter eine eigene Fahne scharten. Es war ein fataler Fehler, der die Bildung neuer Parteien nach sich zog. Und wir beginnen erst jetzt diesen Fehler einzusehen. Der Fehler aber liegt in der Grundauffassunjg des Zionismus, wie.man ihn bis vor kurzem deutete. Das war der Glaube an die katastrophale«Methode der Durchführung des Zionismus,- d.: h. die Methode der einmaligen Schlußhandlung, der spontanen Lösung- Wir glaubten, den Zionismus, die territoriale Losung der Judenfrage, mit einem Schlage herbeiführen zu können. Und der"Glaube löste in uns eine dementsprechende Stimmung aus. Da wir die ganze Frage auf einmal zu lösen hofften, blieben wir gleichgütig den Fragen des Alltags gegenüber. Aber unser Glaube mußte bald an den Felsen der Wirklichkeit zerschellen, und^mtt ihm ging die alte Form des Zionismus zugrunde» allmählich, schrittweise. Als das Leben , auf uns heran stürmte, gaben wir halbe Antworten. Surrogate von Lösungen. Wir haben in unser Programm zuerst die Kultur-, dann die ökonomische Frage aufgenommen und vergaßen' dabei, daß beide — Kultur und Wirtschaft — eng mit der Politik verbunden sind. Aber je tiefer wir ins wirkliche Leben drangen, umso-schwieriger ist unsere Stellung den Massen gegenüber geworden, denn die Massen forderten eine Antwort auf die Tagesfragen. Dann kam ein zweites Moment, hinzu: Unsere Ansicht über den Zionismus selbst und dessen Methoden hat eine wesentliche Wandlung äurchgemacM, da wir erkannten, daß der Zionismus ein Prozeß der Anhäufung nationaler Kräfte in Palästina wie auch in der Diaspora sei, dessen Resultat die nationale S-ibsfändigkeit sein müsse. . Das sind die beiden genetischen Momente, die die Krise gezeitigt haben. Die russischen Mitglieder des großen A. C. haben s zh seinerzeit beim Ausbruche des Freiheitskampfes zu einer Kundgebung veranlaßt gefühlt, , in der sie ihre Sympathie mit der Freiheitsbewegung ausdrückten. Aber diese Kundgebung war nur der Ausfluß einer momentanen Stimmung, einer idealistischen Begeisterung. Die Frage muß aber anders angefaßt werden. ~Sie besteht in folgendem: Da der Zionismus eine Renaissance-Bewegung der Juden in der Richtung auf Palästina, aber mit dem Ausgangspunkt in der Diaspora ist, so müssen wir im tfinbUct auf die wirklichen Bedürfnisse, d^ Massen uns darüber klar werden, unter welchen Bedin^geu diesem :P^zeÖ möglich sei» und was ihm In der Diaspora fuynmend gege^ Die ■ Antwprtf auf-diese Präge wirkt auf unseren Kam'pf bestimmend, programmatisch. Die Antwort ist die. dal» wir in der Diaspora für die Renaissancemöglichkeiten kämpfen müssen, die zwar hier nicht verwirklicht, aber wohl vorbereitet werden können. Der Zionismus ist pessimistisch inbezug auf die Zukunft der Juden in der Diaspora. Daraus will man denn den Schluß ziehen, daß jedes Streben nach „Wiedergeburt** in der Diaspora selbst eine Verlängerung dieses Prinzips sei. Wir können in dieser Schlußfolgerung nur eine Begriffsverwirrung erblicken. Die so denken, unterscheiden nicht zwischen der wirklichen, tiefen Bedingung der Judennot, die durch keine Emanzipation behoben werden kann, nämlich dem Mangel des eignen Territoriums und dem rechtlichen Drucke, der Misere, die mit der ' Judenfrage als solcher nicht organisch verbunden ist. und die die Volksenergie nur in Fesseln schlägt. Diese Rechtsnormen, die uns bedrücken, wollen wir beseitigen, um eben der Energie des. ein Heim suchenden Volkes einen Ausgang und Freiheit zu verschaffen. Hier kann somit die pessimistische Grundauffassung des Zionismus unserer . Arbeit für die Gegenwart keineswegs Abbruch leisten. Die auf dje Beseitigung der.Beschränkungen, unter denen wir als Individuen, wie als Volk leiden, gerichtete Aktion ist eine negative. Dieser muß eine schöpferische, neubildende, positive Arbeit folgen. Es muß unsere Aufgabe sein, ein möglichst freies Gemeinleben innerhalb der realen Möglichkeiten über die religiöse Sphäre hinaus, auf die wir bisher als soziale Körperschaft beschränkt waren, auszubilden. Also unsere Interessen sind einerseits negativ-individueller, anderseits kollektiv-positiver Natur. Somit entsteht für uns die Frage, welche politisch-rechtliche Ordnung für die Durchführung > unserer Forderungen am günstigsten sei. Und wir können aus dem Wesen der Forderungen bereits die Antwort ableiten: nur -: eine vollständige, radikale Demokratisierung des russischen Reichs kann unsere politische Platform sein. Und ich möchte deshalb folgende Resolution formulieren und Ihnen zur Arfhahme empfehlen: „Die zionistische Organisation in Rußland schließt sich'der von allen territorialen Völkern Rußlands erhobenen .Forderung der Demokratisierung der Reichsverfassung auf Grund der vollständigen Volksherrschaft: (Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied von Abstammung, Bekenntnis und Geschlecht, Freiheit der Rede, der Presse, der Versammlungen und Verbände, Freiheit der Streiks uno! gesetzlicher Schutz der Arbeit, Trennung der Kirche vom Staate,** Dezentralisation der Verwaltung, national-regionale Automie. wie. auch Autonomie der nationalen Minderheiten) an, da diese Forde- ... rungen für die dauernde Organisation der jüdischen Bevölkerung, die freie Entwicklung ihrer nationalen Kräfte und Energien eine notwendige Bedingung sind". Es folgte das Referat über „nationale Selbstverwaltung und unsere nationalen Forderungen4*. Herr A. Seiden-; mann sprach in Vertretung des am Vorabend der ^Konferenz \ verhafteten Redakteurs Dr. J.* Lurje (der inzwischen bereits' .j freigelassen "wurde. Die Red.). Herr Seidenmann sagte un--r~ gefäfir: „Wir gehen von der Erkenntnis aus, daß1 nur ein territoriales Voi, ein Volk, das auf^ irgendeinem Territorium eine •■' kompakte Majorität bildet, eine Autonomie im /vollen" Sinne dieses ^v Wortes ausnützen kann. Für ein territoriumldses Volk kann "es nur eine eingeschränkte, verringerte Aiitonom-e geben. Eine der- J artige Autonon ie ist eigentlich keinem sie ist höchstens eine Form der nationalen Selbstbestimmung. ,/Wir . müssen nun den Umfang und den Inhalt der Forderungen feststellen, die in diese Form ein-v^ geschlossen werden körinen. Die allgemeinen politischen, wirt-S>^ schaftlichen Und sozialen Interessen können es nicht sein. In dieser Hinsicht kann die jüdische nationale Selbstverwaltung nur «wisse Korrektive-und Palliative mit sich Sängen, w4e C.B. dieJ5rga»ii2 sation-der öffentlichen Wohltätigkeit Aber die wesentliche'»gifct& •ceigentliche Domäne der nationalen Selbstverwaltung ist d1e na.üoaakk^ Kultu'r in allen ihren Ver^wei^ujiton^^^W.lür" Via« C " Leben in der Diaspora eine ungeheure ^edejatuiig hat Diesel der nationalen Selbsttätigkeit. ist .;weniger an das TenitQrium^gi^

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