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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-09 · Heft 43 (9.4.1839) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 43 (9.4.1839)
Date
1839-04-09
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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172 „sten Bitten fürdas Wohlsein und Glück des Besten alle.c „Fürsten, zum himmlischen Vater, zu senden." . .-■ < „Eines paffenden Tempels bedürftig, würde die'treue „aber nur mittelmäßige Gemeinde>nie einen, solchen erlangt „haben, wenn Euere Majestät nicht geruhet Hatten, durch „Hochftdero Milde ihr dazu zu verhelfen. — Sie gabih- „rcn Wunsch, ihre Bitte unrerthunigst zu erkennen, und „als ein liebreicher Vater geruheten Euere Majestät, dersel- „ben mehr zu'verleihen, als . sie je hoffen durste." „Wir sind die Abgeordneten unsrer Glaubensgenossen zu „Maastricht. Höchst ehrend ist für uns dieser Auftrag; — „doch nur schwach und unvollkommen können wir die Gefühle der Treue, der Ehrerbietung, der Anhänglichkeit, der „Ergebenheit und des Dan.kes, wovon jeder beseelt ist, aus- „ drücken." „Empfangen Sie, o Sire! diese aufrichtige Versicherung „durch unsren Mund. Ist einst unser Tempel erbaut, fte- „het er einmal.zum ewigen Beweis und,Andenken, daß er „Wilhelm dem Ersten, Könige der Niederlande sein' Dasein „verdankt, so werden darin umrnterbrochene Dankgebete „ausgesprochen, Bitten und Wünsche zum Himmel empor „steigen, auf daß Er, der die Welr regiert, Euere Majestät „noch lange Jahre seinen getreuen Unterthanen erhalte und „Höchstdenselben sowol in diesem als in jenem Leben, die „vollkommenste Belohnung angedeihen laste." Worauf Seine Majestät - zu crwiedern geruheten: „Meine Herren! Ich danke Ihnen sehr, für den „Beweis der Ergebenheit, welchen Sie mir im „Namen Ihrer Gemeinde gegeben haben; es ist „mir gewiß angenehm gewesen, daß ich der Ge- „meinde zu der Erbauung einer neuen'Synagoge „habe verhelfen können. — Ich hoffe daß Ihre „Gemeinde, welche sich immer durch Treue und „Ergebenheit für mein Gouvernement ausgezeichnet hat, darin vollharren wird." — Worauf Herr Blömendal erwiederte: „Wir sind stolz darauf, bei „Ihrer Majestät als getreue Unterthanen bekannt zu sein, „und werden wir uns stets bestreben, dieser Auszeichnung „würdig zu machen." Auch fragte Seine Majestät-„Wann werden Sie zu bauen ansangen?" Die Abgeordneten antworteten: „Künftigen Marz." „Wann wird der Bau vollendet sein? Innerhalb eines. Jahres. —- Sind Ähre Mittel nun hinreichend? — Worauf von Seiten der Abgeordneten geantwortet wurde: „daß zwar die Kosten höher laufen.werden als man geglaubt hat; allein daß alsdann auf andere Weise Mittel geschafft würden ohne deswegen dem Lande beschwerlich fallen'zu muffen. Nachdem Se. Majestät noch einige Fragen an die Abgeordneten zurichten die Gewogenheit gchabt hatten, wurden dieselben, nachdem sie die Gemeinde in Höchsidrro Huld und Gewogenheit empfohlen hatten, huloreichsi entlasten. Nachdem die Abgeordneten noch einigen hohen Personen ihre Aufwartung gemacht und für deren Mitwirkung sich unterthanigst bedankt hatten; verließen sie die Residenz, wohlzufrieden mit ihrer Sendung.' Die Ausführung des Ganzen wird nun erster Tage öffentlich auf dem Rathhause zu Maastricht in Verding gegegeben, und die Aufsicht des Ganzen ist einem berühmten Baumeister übertragen worden. . r M ü n ch e n, 21. Marz. (Privatmitth.). Nie, gewiß nie befanden sich irgendwo Juden in einem verkehrteren, in sich selbst verworrenem Zustande, als'unsere Glaubensgenossen in meinem bairischen Vaterlande, ßin Jeder fühlt sich fast auf den Kopf, und die. Füße zugleich gestellt, so daß dasjenige, was er so eben als gerade, auftechtstehend, natürlich und naturgemäß betrachtet, - ihm in demselben Nu als verkehrt, naturwidrig und auf die Spitze placrrt erscheint. Unter oer Hand verändert sich die Umgebung, vor den klarschenden Augen gestalten sich die ^Erscheinungen um, und wahrend wir einen Augenblick mit einem freudigen Rufe begrüßen zu oürfen glauben, schlägt ein düstrer, unfreundlichec Auftritt unsere freudige Hoffnung nieder, und schmerzlich angetastet ziehen wir uns jammernd zurück, indem die Einen hoffnungslos in ein düstres Schweigen versinken, die Ändern sich selbst beraubend in dem langweiligen Kreise eines nichtigen Alltagslebens sich herumtreiben, die dritten aufschauen zu den Höhen, von wannen ihre Hülfe kommen soll, die vierten endlich bald mir blutendem Herzen, bald mit hoffenden Gefühlen sich losreißen aus. den Armen ihrer Lieden, sich trennen von ihrem Vaterlande. Wir fühlen, es, was Vaterland, das hohe, heilige Wort bedeutet; wir lieben unser Baiecn, wie kein andrer es mehr liebt; wir tragen seine Lasten, wir leisten seine Forderungen, wir bringen unsere.Opfer, wir scheuen keines, um zu erringen den Freudenruf, Kinder, Eingeborne, Baiecn genannt zu werden./ Zahllose Schüaren vdn Jünglingen widmen sich allen Gattungen von Handwerken,' die ausgenommen, deren Ausübung man uns verbietet und untersagt;, Lehranstalten und Hochschulen zahlen wackere Jünglinge, die der Auszeichnung von Selten ihrer Lehrer sich erfreuen; ein reger Geist herrscht unter dem größten Theile der Gemeinden, .durch zeitgemäße Einrichtungen in der Schule und im Gotteshause ihre Fortschritte in und mit dör Zeit darzuthun; nirgends, gewiß nirgends verdient der Jude weniger den Vorwurf, daß er mit der alten Sitte den alten Geist . nicht adthun wolle, weil nirgends mehr Wille zur geistigen und sittlichen Ausbildung sich offenbart; und doch trotz aller dieser Aufopferungen, trotz aller Vieser Anstrengungen, -die die Gegenwart und Zukunft mit der Vergangenheit versöhnesollen, keine andere Erscheinung, keine andre Aussicht, als die Gegenwart in die Vergangenheit'sich wandeln sehen, und nach langem, langem Wandern, statt am gehofften Ziele, sich erstaunt an dem Orte wieder wissen, von dem man sich entfernen wollte, gleich als hatte man sich kn einem ewigen, simieverwirrenden SchwlNdftkreise bewegt. Wäh- - rend der freundliche Geist der Zeit mit allen Sprüchen und Formeln der Menschlichkeit und Humanität den finstern Dämon mittckalrerlichen Menschenhaffes dannen will; wahrend des Schöpfers Ruf: es. werde Licht, in die sich senkende Nacht vergangener Jahrhunderte ertönt, und ein Morgen rosiger Hoffnung aufzutauchen scheint, scheinen wir dje.Arr*. tipoden dieser sonnebeleuchteten Welt zu sein, und der Nacht, die die Sinne bindet, die Hände fesselt, wieder enlgegenzuharren. Denn die Namen von Judenextrageldern, Schutzhriefen, Gansegeldern und Dultgeschenßen

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