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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-06 · Heft 42 (6.4.1839) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 42 (6.4.1839)
Date
1839-04-06
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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phöm'zische, aegyptische, griechische und babylonische (assyrische) Buchstabenschrift?-Diese Fragen haben, wie man weiß, durch die Behauptungen neuerer Kritiker (Bohlen), daß die Schreibkunst in der'Zeit Mosis noch nicht so gewöhnlich gewesen, um einige Bande'von ihr erhalten haben zu können, eine besondere Wichtigkeit erlangt, und insbesondere von diesem Gesichtspunkte aus. wird eine gedrängte Darlegung der Ansichten und Untersuchungen unsres gelehrten Verfassers den Lesern willkommen sein. — Die gewöhnliche Annahme ist, daß die Phönizier Erfinder, der Buchstabenschrift seien, und diese den. Griechen und Hebräern, vielleicht selbst den Aegyptern mitgetheilt haben. — Nun ist zwar der palastincnsisch-hebraischen Schrift die phönizische ganz ähnlich, dennoch erweist sich keine von beiden als alter als die andere, so daß auch das Verhältniß der griechischen Schrift zu beiden dasselbe istl Auch ist die Nachricht, daß Kadmus die Schrift von Phönizien nach Griechenland gebracht, höchst unzuverlässig. Es liegt kein historischer Grund vor, daß die Phönizier Erfinder der Schrift gewesen, 'wozu bei ihnen auch keine vorwiegende- Veranlassung vorhanden war, vielmehr weisen diese selbst auf Aegypten hin. Für die.Behauptung, daß die Hebräer von den Phöniziern die Schrift erlernt, spricht Nichts, und da schon zu Josephs Zeiten gelehrte Aegyptische Schreiber (Lmall^n) erwähnt werden, hätten sie sich doch wohl da diese Kunst'aneignen müssen. Hier aber mußte der Zweifel entstehen, ob die Aeg. damals wirkliche Buchstabenschrift besaßen, unö ob sie eine solche besaßen, wie die Phönkzisch- Hebraische war. Diesen Zweifel zu lösen, beschäftigt den Vers. im Fortgange seiner Untersuchung, woraus erhellet, daß. zwischen dem Aegyptischen Alphabete (nach Champ'ollion) und dem Hebr. viele Gleichartigkeit sich zeigt, beide aber dennoch einen verschiedenen Charakter haben, jedes'ein seinem Volke gemäßes Gepräg-e. Dahingegen hat das Phönizische Alphabet nichts dem phön. Charakter Gemäßes (nicht ein einziger Buchstabe verräth Schiffarth und Handel. —) Nun finden aber die Hebräer dasselbe Alphabet in Babylonien wieder (Daniel) mit gleichen ‘ Zeichen und denselben Namen, Assyrien wird von tüchtigen Zeugnissen als Ursprungsland der Wissenschaften bezeichnet, ja die Quadratschrist wird vom. Talmud „assyrische Schrift" genannt, so daß dort eine dem hebräischen Uralphabete entsprechende Schrift einheimisch gewesen. (Es ist hier auch eine Inschrift eines aus den Nuipen der Mauern Babylons ausgegrabenen Ziegels nicht zu übersehen, die semitische Schrift.,.in enthält.) Das Vaterland der Semitischen Sprachen war also auch das der Semitischen Schrift, so daß alsp anzunehmen,- daß sie von hier aus mitgenommen worden, und schon Abraham sie sich erhalten hak. Die Aegypter haben sie nun ihrem. Charakter gemäß entwickelt und modifizirt. Blicken wir nun von hieraus auf . die oben angeregte Frage wegen frühzeitigen Gebrauchs der Schrift zurück, so ergrebt sich also aus des Verf. Untersuchung ein organischer Ursprung und eine nothwendige Entwickelung, ein Umstand gegen welchen alle Zweifel über die Möglichkeit des Nkedersch'reibens ganzer Bücher zu Mosis Zeit als unhistorische Fassung erscheinen. /Wann wirk man auch aufhören, die 45 integrkrendsten Theile der Menschen-Cultur zu zufälligen Geschehnissen zu stempeln, und, bei sonstiger,, doch gar nicht zu leugnender, schon hoher Geistes- und gesellschaftlicher Bildung, in Frage zu stellen? Indem wir den Forschungen unsres Verf. nur aufrichtigen Dank zollen, müssen wir uns von deren Fortsetzungen immer ein Mehreres versprechen. . ' G-. 36) Encyclope'die du Jeu des Echecs ou Resuine compratif ' en tabieaux synoptiques des meilleurs ouvrages ecrits sur ce jeu par Ies auleurs francais et etrangers, par Alexandre. Paris, 1838. Ohez Causelte, Libraire. Der Leser wundere sich nicht, ein Referent über eine Schrift, welche das Schachspiel betrifft, in diesen dem Judenthume gewidmeten Blättern zu finden. Es geschiehet auch nicht darum, weil Herr Alexander, einer der ersten Schachspieler zu Paris, ein Jude ist. - Aber weil auf den 'Blättern der Geschichte des Schachspiels auch so Manches verzeichnet steht, was der jüdischen Literaturgeschichte angehört, mag man einmal eine Abschweifung von dem Ernste ' in das Gebiet des Spiels gestatten. — Neben Königen, Gelehrten und jenen Bauern eines deuschen Dorfes, welche sich einen Ruhm daraus machen, sich im Schachspiel aus- 'zuzeichnen, fanden auch mehrere der berühmtesten und frömmsten, Rabbinen, solche, welche sich jede Act von Vergnügen versagten, ihre Freude an diesem vielbeliebten Spiele; ihre Geschichte erwähnt deren an mehr als einer'Stelle; Abn Esra unter Andern machte das, Schachspiel zum Gegenstand eines Gedichtes.- Wir besitzen auch über diesen Gegenstand ein sehr altes Büchlöin „die Wonne des Königs" betitelt, von'dem wir folgenden Auszug geben. Ein Rabbine hatte zwei Söhne, welche sschon in einem Alter von 14 und lö Jahren durch ihre vorzüglichen Anlagen für die Wissenschaften, zu denen er sie bestimmt hatte, die Ehre seiner alten Tage zu werden versprachen — wenn nicht plötzlich ein unversöhnlicher Haß unter ihnen ausgebrochen wäre. Ec. wandte alle möglichen Mittel an, um die Ursache dieser Zwietracht zu entdecken, aber ihre gegenseitige Delikatesse, ihre Liebe zu ihrem Vater schienen ein unüberstekgliches Hinderstiß zu sein, zu dieser Kenntniß zu gelangen, beide beobachteten Stillschweigen. Endlich nahm der bekümmerte Vater seine Zuflucht zu seinem besten Freunde, und beschwor ihn, einen jeden' seiner Söhne allein zu vernehmen, und ihnen wo möglichst das Geheimniß ihrer Abneigung zu entreißen. Dieser ging-zuerst zum Aelsesten; gerührt durch die Mahnungen und Bitten', vermochte derselbe der Freundschaft und Theilnahme, welche ihm der ehrwürdige Greis erwies, nicht zu widerstehen, und entschloß sich. Alles zu bekennen. Er sagte ihm, daß sein fortwährendes Mißvergnügen mit seinem Bruder nur aus der großen Liebe entspränge, welche er für ihn hätte; daß er ihn nicht sehen wolle, weil er ein Spieler wäre, und schlechte Gesellschaft besucht, daß derselbe alle Bitten über diesen Gegenstand zurückgewiesen, obschon er ihm mit, den beredtesten Ausdrücken alle Fehler und die ganze schreckliche Zukunft eines Spielers geschildert; und daß er nicht glaube , daß ein so eingewurzeltes Uebel aus

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