Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 41 (4.4.1839)
- Date
- 1839-04-04
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Preßburg, 28. Febr. Eine neue, von Meir Letteris überarbeitete Edition von Ben-seeb'S 1!Lirr (hebr.- deutsches und deutsch-bebr. Wörterbuch) wird bei A. Edlen von Schund bald erscheinen. Der 4ie Lheit von "ist vollendet und der 5te unter der' Presse. DaS schon I. 1837 No. 46. erwähnte Epos Tipjiereth Jiatisclibi erscheint binnen,Kurzem. V Be l le trist it Bruchstück aus: Le Roi des paysans par Jean Czynski. . (Fortsetzung.) Aber, im Gegentheil, als die Worte meines alten Vaters das Herz der Richter, bewegten, unterbrächet Ihr ihn; als eine Stimme sich zu unfern Gunsten erhob, erbleichtet Ihr vor Zorn; und als falsche Zeugen erklärten, uns zu erkennen, glänzte die Freude in Euren Blicken, Ja, Euer Betragen hat Euch verrathen, indem es erwies, idaß Ihr den Faden der niederträchtiges Ranke haltet, deren Opfer wir find. Ihr Habel die letzten Zeugen aufgerufen. Woher wußtet Ihr km Voraus, >was sie ausfagen würden? Und wer sind diese Zeugen?. Eure Diener, welche von Euch ihr Dasein stiften. ,; : ';• Meine Herren, betrachtet mich, betrachtet ihn; ich, armes angekkagtes Mädchen, ' nahe daran verurtheilt zu werden, ich entzünde asrf seiner. Stirn die Flamme des Zornes oder vielleicht der Scham; sehet die Zeugen an, wie sie die Äugen Niederschlagen, und mir nicht in's Antlitz zu schauen wagen! Das lebhafteste Interesse knüpfte sich an die Worte Esterka's. Man hörte sie begierig an, alle Blicke wandten sich auf sie; man verfolgte mit den Augen den Pater oder die Zeugen, so wie sie auf sie wies. Die Geister singen an, wieder zu sich zu kommen; man hatte sie schuldig, überführt geglaubt, jetzt schwankt man wieder, zweifelt. Esterka bemerkt es, und fährt mit mehr Sicherheit fort: — Aber was sollte denn die Triebfeder unsres Verbrechens sein? was Böses hatte uns ein Kind thun können, welches' eben geboren worden? sollte man sagen, daß die Religion,, der Fanatismus, der Aberglauben .uns bewegen könnten, Unschuldige, zü tödten? Aber ihr könnet dies nicht glauben. Euer geheiligter Monarch, der geruhet hat, in mein Gefangniß herabzusteigen, der mich befragt, und von unsrer Unschuld sich überzeugt hat, hat mir selbst gesagt, daß Eure Religion die unsrkge nicht umstößt, und daß der Meister, den Ihr anbetet, so gesprochen: „Denket nicht, daß ich gekommen, zu zerstören das Gesetz und die Propheten, ich bin nicht gekommen, sie zu zerstören, sondern sie zu erfüllen." Ihr müsset also wissen, daß unser Aott, der zugleich auch . der Eure ist, gesagt hat: „Du. sollst nicht, tödten." Glaubet nicht, daß dieses Gesetz nur gegen unsre Glaubensgenossen verbindlich ist. Dasselbe Gesetz sagt uns auch: „Ein und dasselbe Recht, ein und dieselbe Gerechtigkeit, ein. und dasselbe Gesetz soll sein für Euch, und für den, dev sich aufhalt unter Euch." „Ihr, sollet ihn lieben, wie Euch selbst, denn Ihr wisset, wie dem Fremdlinge zu Muthe ist, denn Fremdlinge wäret Ihr in Egypten! Leset, die Bibeldie Bücher Mosis nach, und Ihr werdet Wort für Wort die Vorschriften finden/ die . ich jetzt ausgesprochen. ' Und. Ihr wollet, daß wir Christenkinder mordeten im Namen des Gottes, welcher zu tödten uns verbietet, die Fremden zu lieben uns befiehlt-! .Der Pater Martin versuchte mehrere Male die Angeklagte zu unterbrechen, aber er wurde daran durch die Richter und Zuhörer verhindert, . die ihn zwangen sich ruhig, zu verhalten. Esterka, durch den günstigen Eindruck ermuthigt, den sie hecvorgebra'cht hatte, entschloß sich, die Zeugen zu verwirren. — .Weib, sagte sie, indem sie sich zu diesen wandte. Du, der ich niemals Böses gethan, die ich zum ersten Male sehe, könntest Du, in Gegenwart Gottes, der uns hört, könntest Du bestätigen, daß Du mich an dem Orte gesehen, wo man das Kind gefunden? '— Ja wohl, verdammte Jüdin, werde ich es bestätigen, erwiederte das Weib mit einer erstaunlichen Dreistigkeit, und werde es hundertmal wiederholen. Damals sprachest Du freilich nicht so laut, Du schwiegest, und sähest dich rechts, und links, um, ob Niemand dich beobachtete. — Du wagest darauf zu beharren, daß Du mich gesehen? : , ’ —. Gewiß, ich habe Dich gesehen, was wahr ist, ist wahr. — Du erkennest wich? -^Allerdings erkenne ich Dich. Ich würde Dich unter tausend Anderen erkennen. — Kannst Du mir sagen, welche Kleidung ich in. dem Augenblicke trug, wo Du mich gesehen zu haben vorgiebst? — Ach! da hattest Du nicht dieses kokette Gewand an, und 'dieses enge Leibchen, und "alle diese Bänder;. Du hattest nicht das Ansehn einer großen Dame; Du hattest ein ganz, einfaches Kleid, an., von grobem Stoffe, wie es die Jüdinnen gewöhnlich tragen. — Du beharrest in Deiner Aussage? — Ja, ich beharre darin, und habe kein Mitleid mit