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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-30 · Heft 39 (30.3.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 39 (30.3.1839)
Date
1839-03-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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II. Zayrgang. Literarisches und homiletisches B Leipzig, den 3V. Mär? Ifi39. sr». 10. eiblat t. Li t et a t uv’* lieber die hebräische und jüdische Literatur in Frankreich. Paris. (Schluß.) Im Jahre 1828 veröffentlichte der Marquis vonFreaux über den llOten (109 der Vulg.) Psalm philologische Be-, merkungen, bei Gelegenheit der Urbersetzung dieses selben Psalms durch H. Lecluse in der Chrestomathie, von der^wir gesprochen haben, und der Noten, welche dieser Gelehrte und der selige Herr von Cologna hinzugefügt haben. — Aber ein Werk, welches seit 1831 die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die französische Übersetzung der Bibel, begleitet vom Texte und von Noten, von Herrn Cahen. Seit Erfindung der Buchdruckerei ist nicht ein bedeutendes Werk von einem französischen Israeliten veröffentlicht worden. Die Bibel des Herrn Cahen bricht endlich auf eine unerwartete und sehr ehrenwerthe Weise ein sehr wenig ehrenwerthes Stillschweigen seit Jahrhunderten. Indem ich mich des Ausdrucks „bedeutend" bediene, .meine ich. noch mehr die Wichtigkeit als den Umfang einer so bandereichen Arbeit. .Als Israelit hat Herr Cahen zuerst das rationelle System offen, angenommen, und allein noch eine durchgehende Anwendung auf die biblische Exegese gemacht. Als Franzose hat er aus Deutschland jene kritische Methode, jene philologische Doktrin gebracht, welche in unserm Vaterlande entstanden sind, kn dem Jahrhundert eines P. Simon, Leclerc ff. Man kann selbst sagen, daß vor dieser Bibel der Rationalismus nicht einmal dem Namen nach'in Frankreich bekannt war. Dieses System hatte hier keine Feinoe. Man kann nicht Feinde bekämpfen, die man nicht kennt. So ist es jetzt nicht mehr. Man braucht nur die Blatter der Tagesliteraturzu durchlaufen, um zu sehen, daß die Geister sind von Ideen beherrscht, die in dem neuen. Commentar ausgesprochen sind *). Man muß sich darüber Glück wün- •) DaS ist sehr stark gesagt, Herr Corresp.! Reh. schen, denn die Diskussion ist die erste Notwendigkeit der Wahrheit. Jetzt ist der Erfolg dieses Unternehmens, abgesehen von den menschlichen Zufälligkeiten, genug gesichert, genug groß, um öffentlichen und geheimen Angriffen zu widerstehen. Man bemerkt übrigens, daß Herr Cahen immer mehr die Arbeiten seiner Vorgänger benutzt, Er war früher fast ganz dieser Hülfe beraubt, was den nicht in Erstaunen setzen' wird, wer da weiß, wie schwierig es in Paris ist, sich theologische Werke zu verschaffen, die im Auslande erscheinen. Dennoch hat Herr Cahen sich von aller Servilitat entfernt gehalten, die doch in Opposition mit der Fahne steht,-welche er aufgepflanzt hat. Er hat niemals die französische Philosophie des 19ten Jahrhunderts verleugnet, aber er hat deren Ircthümer, Uebertrcidungen zu vermeiden gesucht. Welches philosophische System hat deren nicht? Jedoch dieser sogenannten leichtsinnigen.Philosophie verdanken wir in Frankreich unsern schönen Standpunkt. 'Tiefere Systeme, transcendeyt par excellence, haben nicht dieselbe Wirkung aufzuweisen. ' . Unter den ausgezeichneten französischen Israeliten, die sich in der Literatur bekannt gemacht, müssen wir auch drei wenigstens erwähnen, wenn auch ihre Arbeiten hier nicht hergehören. Dies ist zuerst Herr Dr. med. Worms aus Metz, Arzt in der afrikanischen Armee, und Oberarzt bei der ersten Expedition nach Konstantine, Ritter der Ehrenlegion und andrer. Noch ein junger Mann, hat er sich schon rühmlichst ausgezeichnet, und neulichst eine Schrift über die Art und Weise, wie die Sterblichkeit in der afrikanischen Armee zu vermindern sei, herausgegeben, eine Arbeit die bei Kunstverständigen wie Laien, in der medizinischen wie politischen Welt, den größten Erfolg gehabt. — Außer diesem sind,Herr Olinde und Eugen Rodrigues aus Paris zu bemerken, welche den besonder» Anblick zweier Israeliten bieten, die sich unter die Fahne der St. SiMonisten ,reihten: Die beiden Brüder haben verschiedene Arbeiten über die Doktrin des Sr. Simonismus verfaßt. Es wäre sehr unnütz, sich damit zu beschäftigen, denn diese Doktrin ist erloschen, und jene Arbeiten sind vergessen. Was einen bleibendern Werth hat, ist, daß Herr Olinde Rodrigues, der älteste, eine sehr tüchtige mathematische Arbeit 1810 geliefert. Sie versprach einen guten Geometer mehr

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