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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-30 · Heft 39 (30.3.1839) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 39 (30.3.1839)
Date
1839-03-30
Page
Seite 158 (sequence 4)
Language
German
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158 würde. — Ich empfahl nM) ihm, und kehrte nach Acre zurück. Mein nach einigen Lagen darauf abgesandter Bote brachte rnir statt des Geldes — eine abschlägige Antwort. Einige Lage darauf kam ein c Bote meines Freundes aus Beyrout, der mir 500 Piaster einhändigte, und mich aufforderte nach Beyrouth zu kommen, da man mich dort wirksamer unterstützen könnte. Der Umstand aber, daß ich ohne Geld war, konnre mich nicht bestimmen Palästina zu verlassen, und so machte ich mich denn mit meinem Esel nach dem sehnlichst erwünschten Jerusalem auf, nachdem ich mich für.vierundzwanzig Piaster mit den nothwendigsten Kleidungsstücken, und mit Papier, Dinte und Feder versehen hatte. Mein Esel war zu schwach mich zu tragen wenn es bergan ging, und wenn es abwärts ging verursachte mir "das weiten solche Stöße,, daß ich von selbst ,gerne abstieg. So mußte ich denn vor meinem Esel verziehen, und erhielt ermattet von den Lagemärschen oft nicht mehr als einmal täglich ein Stückchen hartes Brod und etwas saure Milch, und dennoch rüachte das Bewußtsein mich glücklich, daß ich mich mit der Bibel in der Hand im Lande meiner Voraltern befinde. — Nach vier Tagen' gelangte ich nach Schechem (Nablous). Die ganze Dmgegcnd desselben ist, besonders wenn man von Acre kömmt, mit den schönsten Garten und den lieblichsten Quellen versehen. Wie Bewohner sind stark, und zeichnen sich durch ihre Tapferkeit -aus. Zur Rechten erblickt man den Berg Gerisim, auf dem noch jetzt der Segen zu ruhen scheint,, indem er mit den schönsten Fruchtbäumen und den reichsten Quellen bedeckt ist. Zur Linken -hat man den Berg Ebal aus dem noch letzt der Fluch ruhet. Er gewährt einen so traurigen Anblick, daß man in Versuchung grrath , ihn Abel statt, Ebal zu nennen. Der ganze Berg bestehr aus einem schwarzen, naktep Felsen auf dem keine Frucht, kein Baum und keine Quelle sich findet. Am Abhange findet man 'eine Frucht, die der Araber Jsahar ^Geduld), nennt. Dieser Name hat seinen Ursprung daraus daß die Schale wie die Blätter-feine Stacheln hat, die bei her leisesten Berührung wie Nadeln siechen, -und-daher Geduld, dazu gehört sie zu öffnen. . Der Kern ist süß aber ungesund. Diese Pflanze wird allgemein zu G,artenzäunen -verwendet, da Niemand über sie hinwegsteigen kann ohne sich die heftigsten Schmerzen zu verursachen. Bei den Europäern ist sie unter dem Namen der Adams-Feige bekannt, indem Adam und Eva sich mit den Blättern bedeckt haben sollen. Der Stamm des Baumes bildet sich aus den Blättern; es wächst zuerst ein Blatt aus der Erde hervor, auf der Spitze desselben ein zweites, drittes und viertes; diese Blatter werden mit der, Zeit holzicht und bilden den Stamm. Im Thale, welches von diesen Bergen cingcschkossen ist, liegt die Stadt, welche-sehr volkreich und wohlhabend ist. Es wohnen hier zwölf bis dreizeh.i israelitische Familien, die auf einen ziemlich engen Raum beschränkt sind, dennoch leben sie zufrieden und glücklich. Auch einige dem Anscheine nach reckt wohlhabende Kaufleute, wie auch einige recht unterrichtete Männer, befinden sich unter ihnen, Um, Mitternacht schon versammeln sich in der Synagoge drei oder vier Personen, welche, nachdem sie einige Gebete verrichtet haben, Tora, Tehillem mit Commentarcn, Mischnajot rc. bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang lesen.- Dann versammelt sich die ganze Gemeinde zum Gebete, nach Vollendung deffelben liest einer der Anwesenden einen Abschnitt, aus der Tora mit einem Commentar, oder einer auö dem Mischnajot, und darauf begeben sich alle, nachdem man einen Morgenimbiß genommen, fröhlich zur Arbeit. Vor Sonnenuntergang kömmt jeder wieder nach Hause und nach dem Gebete wird die eigentliche Mittagsmahlzeit gehalten. — Ich habe hier einen indischen gelehrten Israeliten kennen gelernt, der ganz seinen- Studien lebt und von seiner Frau durch ihre Handarbeit erhalten wird, wie "eS überhaupt hier gewöhnlicher ist, daß Frauen durch Handarbeiten den Männern ihre Mühen zu erleichrern suchen; und einen persischen Israeliten,, der als Schneider gut seinen Unterhalt findet. ~ Mit deii'.Samaritanern stehen die Israeliten hier in keiner besonder» Verbindung, nur wenn ihre Geschäfte es erfordern kommen sie zusammen. Ich erkundigte mich nach einem der Bedeutendsten unter ihnen, und man nannte mir Abu Schelebr, hen ersten Sekretär, beim hiesigen Magistrate. Ich ging geradezu in das Magistratshaus, und fand ihn dort gerade unbeschäftigt; er saß behaglich auf einer Ssegade (Teppich) und rauchte eine lange Pfeife. Ein weißer, wie Silber glänzender Bart reichte ihm biS zum Knie, blaue Augen glänzten ihm aus dem Kopfe hervor, und sein ganzer Körperbau war von vorzüglich schöner Gestalt. Ein schöner Turban bedeckte sein Haupt. Ich sagte ihm, daß ich eine sehr weite Reise gemacht häne, nur von ihm weise Belehrung zu erhalten, da er mir als ein helldenkender Mann geschildert worden sei. Er fühlte sich sehr dadurch geschmeichelt, konnte aber seine gespannte Neugierde nicht verbergen und fragte mich: „WaS könnte Sie aus einem so fernen Lande zu mir gebracht haben." Da einige Türken anwesend waren konnte ich ihm darauf nicht antworten,, und hat ihn um die Erlaulmiß, ihn in seinem Hause besuchen zu dürfen. Er bestimmre mir dazu vier Uhr Nachmittags, und versprach mich noch vorher in meiner Wohnung zu besuchen. Ich harre aber triftige Gründe seinem Besuche bei mir auszuweichen, denn hier zu Lande erkundigt sich der Eintvohner zuerst danach, wie viele Diener der Fremde habe, ob er in einem großen schön meublipren Hause wohne, und daAbuSchelebi statt deffen mich auf der bloßen Erde sitzend hätte'finden können, begab-ich mich schon vor der festgesehien Stunde nach seinem Hause. Ein Diener öffnete und" sagte daß der Herr abwesend sei' und daß ich auch ihn hier nicht erwarten könnte, da der Hharihm sich (gewöhnlich Harem genannt von weil Zutritt verboten ist) im Hause befinde. : Beleidigt wollte ich wegziehen, da rief er mich endlich zurück, und führte mich ins erste Stockwerk in ein prächtiges nach orientalischem Geschmacke verziertes Zimmer. In der Vorhalle sah ich einen Samaritaner der den Sehn Abu Schelebi'ö aus .einer samaritanisch geschnebnen Bibel unterrichtete. Der Theil des Zimmers woraus der- Divan ruhte bestand aus einer großen Marmorplatte, und auf allen Seiten befanden sich kleine vergitterte Fenster, so daß ich von dem anstoßenden Zimmer beobachtet werden konnte, wodurch eS mir denn auch durch Zufall gelang, ein häßliches Weibchen zu erblicken. Kaffee und Pfeife wurden gebracht, und ich ließ mich nieder, um das Gespräch der Weiber des anstoßenden Hharihm'S anzuhören, die nicht daran dachten, daß ich Arabisch verstehe. Nach einer halben Stunde kam ein schön gekleideter Mann, der Schwiegersohn Abu Schelebi'S und bewillkommte mich sehr freundlich. Er sprach ein schönes Arabisch, und bald lenkte sich unser Gespräch auf ihre Manuscripr'e. Wir haben, sagte er, das älteste und wahrste Manuscript der Tora in der Welt, und wir haben daS Glück unfern Altar auf dem Berge des Segens zu haben. Er sprach dies mit einem solchen Enthusiasmus, daß ihm fast die Thranen in die Augen traten. Dann führte er mich auf das Dach seines Hauses, und zeigte mir die herrliche Umgebung der Stadt, und die Berge Gerisim und Ebel. Als wir wieder ins Zimmer traten fanden wir einige Andere, alle reich gekleidet, und dem Anscheine nach begüterte Leute. Ich hatte einen Brief abgefaßt, worin ich meinen dringenden Wunsch zu erkennen gab, Aufschlüsse über ihre Religionsmeinungen zu erhalten,' besonders da meine-Brüder in Europa sehnlichst auf Nachrichten dieser Art harrten. Diesen Brief legte ich ihnen vor; sie erstaunten, und fragten mich ob cS bei uns auch Samaritaner gebe. Ich verneinte dies, sie wollten mir aber nicht glauben, denn sie sagten, obwol diese Schrift nicht gänzlich die ihrige sei, so sei eS doch unmöglich eine Kenntniß ihrer Sprache und Schrift zu erlangen ohne selbst Samaritaner zu sein. Ich schrieb in ihrer Gegenwart; alle Anwesenden lasen und erstaunten, und wiederholten, »daß ich ihrer Gemeinde angehören müßte und daß in England sich mehre Samaritaner befinden müßten. Nun fragten sie nach meinem Vornamen; ich sagte Elieser; da haben wir'S, riefen sie auS, er ist ein Priester wie wir, sein rechter Name ist Alsasär. (Fortsetzung folgt.) Redacteur vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld. (Hierzu daS literar. und Homilet. Beiblatt No. 10.)

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