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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-30 · Heft 39 (30.3.1839) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 39 (30.3.1839)
Date
1839-03-30
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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156 den.,— Aus manchen Orten, wo 30—40 jüdische Familien wohnen, gehen 45—20 und noch mehr Individuen weg, und zwar meistens' junge und arbeitsame Leute. — Zu Äiedenburg, einem''Dorfe Landgericht Brückenau , hat ein Greis von 85 Jahren den Entschluß gefaßt, nach Amerika auszuwandern.' Literarische Notizen. Ein so eben angekündigtes Unternehmen wollen wir der Aufmerksamkeit des Publikums recht dringend empfehlen. ES ist dies ein „Museum zur Belehrung und Unterhaltung, für die israelitische Jugend," welches in vier Bändchen erscheinen, und „Bio graphieen ausgezeichneter Israeliten nebst deren PortraitS, Erzählungen, besonders auü dem Gebiete des jüdischen LeserS, Parabeln, Gedichte, MiScellen, Religiöse Aufsätze, zunächst' für daS weibliche Geschlecht ff." enthalten soll. Jedes Bändchen erhält eine Beilage von 3 Bogen „Geschichte des jüdischen Volkes von der babylonischen Gefangenschaft bis auf.die jetzige Zeit" und 3 artistische Beilagen. Wie man sieht, har dieses Unternehmen besonders die Jugend im Auge, und kann somit wesentlichen Bedürfniffen abhelsen. Da schon mehrere ausgezeichnete Mitarbeiter ihre Beiträge zugesagt, so laßt sich, nur Gutes erhoffen. Der Unternehmer ist Herr K. Klein in Brieg, Leihbibliothekar daselbst. DaS Bändchen wird zu 15 Sgr. Subscription berechnet. Wir wünschen ihm den besten Erfolg. Einer der thätigsten und wacker wirkenden Männer unter den israelitischen Lehrern in Deutschland ist der Sprachlehrer I. Louis, welcher die öffentliche Anerkennung in hohem Maße verdient. Außer seiner erfolgreichen Bemühungen-als Vorsteher einer vielbesuchten Pensionsanstalt, als Lehrer der neueren Sprachen an der Herz. Franzschule zu Dessau, hat derselbe durch französische und englische Elementorwerke, die bereits mehrereAuflagen erlebt, durch die Herausgabe dcv 'Nwatre francais moderne, von welchem nahe an 50 Bändchen bereits erschienen, sind, 'sich die größten Verdienste erworben. In neuester Zeit hat er eine neue französische Bearbeitung des Robinson veröffentlicht, welche, indem sie denselben seine Begebenheiten in leichter, fließender, correkter Sprache erzählen läßt, die aufhalrenden Gespräche im Campe'schen Robinson vermieden, und so der Jugend eine nützliche und angemessene Lektüre verschafft hat, die den Lehrern zur Einführung bestens empfohlen werden kann. Mag der würdige Mann immerfort seine Thäligkeit mit verdientem Erfolge gekrönt sehen. Neueste theologische Streitfragen. II. Herrn Kohn's Vertheidigung wider Herrn Hirsch. (Fortsetzung.) Geben Sie also'Acht, m. L., ich will seiner Herausforderung (S. 34) Folge giften, und ihm auf jedes Wort Rede und Antwort stehen. — 1) Das. Ich sage nirgends, daß es jüdische (d. h. im Judmthum begründete) , sondern bei den Israeliten allgemeine Sitte gewesen, sich in der Trauer Einschnitte.und Glatzen zu machen, obwol die Tora es ausdrücklich verbietet.. Dieß giebt Herr Hirsch zu, und, bemerkt nur, tun mich zu widerlegen, daß in den Zeiten der Propheten Zer. und Ezech. (und wohl auch früher) polytheistische Sitten unter Israel im Schwange waren. Giebt es aber einen bündigem Beweis, daß nicht Alles, was vor Alters in -Israel bei Sterbefällen üblich gewesen, darum auch gesetzlich sei? quod erat demonstrandum. —■ 2) Das. Allerdings behaupte ich, daß in der Mischna rriViN nicht umständlich behandelt wird, sondern nur gelegentlich erwähnt, und zwar nur negativ als an Festtagen nicht gestattet, und darum laßt sich, wie ich dacgethan zu haben glaube, nicht beweisen, daß was in derselben erwähnt wird, durchaus obligat sei, und noch'weniger aus derselben lernen, was denn Alles in d^r Trauer obligat sei, und — müssen mir, wenn wir das erfahren wollen, zu der Gemara unsere Zuflucht nehmen; nirgends aber folgere ich daraus, daß es zur Zeit der Mischna für die Trauergebräuche keine Vorschrift gegeben, wie es Herrn Hirsch mir in den Mund zu legen beliebt. Führe ich ja selbst die Mischna an, aus der sich.ergiebt, daß schön gelehrt, was in der Trauer “not* sei, aber zugleich wie wenig .streng und genau man es damals mit diesen Bestimmungen genommen, die noch gar nicht den Chgraktec starrer Gesetze an sich tragen, da jener große Lehrer ünd Nast selbst in der ersten Nacht, nachdem ihm'seine Frau gestorben, gebadet , und sich gegen seine Schüler, denen dieß ausgefallen (er muß also nicht krank und das Bad nicht etwa eine Kur gewesen sein,) .mit seiner Schwächlichkeit entschuldigt. Die Gleichzeitigkeit der und mnsbin mitder Mischna, die übrigens wenig zur Sache thut, stehet noch zu erweisen, und warum sie der Redakteur der Mischna nicht ausgenommen, bleibt immer eine schwierige Frage. .3) S. 35. Die Ansicht, die öVi zu 'd. äußert, ist eben so einleuchtend als begründet, und ihr zufolge ist allerdings der Traktat mnaiö, wie er uns vorliegt, unzuverlässig. Ist denn schon die von w'kb geforderte Bedingung erfüllt, wenn in Stellen aus “Wi bns citirt werden, die in unserem Tractat rnnnw auch Vorkommen (die doch umgekehrt aus der Gemara in das spater redigkrte Werk, wozu nur der alte Name benutzt worden, gekommen sein können), wenn derselbe anderswo bei vorhandener Gelegenheit nicht citirt wird, und Zweifel ungelöst bleiben, die sich aus demselben entscheiden ließen? Doch Herr Hirsch verlangt Beweise? Die darf ich ihm, Gott sei Dank, nicht schuldig bleiben, obwol es seiner Gelehrsamkeit und seinem Scharfsinne wenig Ehre macht, daß

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