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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-26 · Heft 37 (26.3.1839) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 37 (26.3.1839)
Date
1839-03-26
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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149 von Frankreich an ihrem Hochzeitstage trug, war durch eine meiner Töchter gestickt. Meine Herren, ich sprach schon ganz leidlich das Französische, und ich begann meine Leiden zu vergessen, als eine Seuche in Paris ausbrach. Ich verlor selbst drei Kinder und mein Weib; aber man beschuldigte die Juden, die Brunnen vergiftet zu haben; wir sollten Alle in den Flammen sterben; die Hochherzigkeit des Monarchen begnügte sich, uns zu verbannen, nachdem man unsere Güter konsiszirt hatte. — Wenn er so fortfährt, wird er niemals endigen, sagte der Pater Martin. — Still, still, unterbrechet ihn nichj, riefen die Richter und Zuhörer. ' ' , — Aus Frankreich verjagt, begab ich mich nach Deutschland, und ließ mich in Frankfurt nieder, schon ziemlich bejahrt. Bei mir hatte ich ein zweijähriges Mädchen, die Sie hier sehen, meine Herren. Sie'war damals-noch ganz klein, auf der Reise trug ich sie auf meinem Rücken. Man verschloß mir die Thüren, wie einem Verfluchten, man beschimpfte mich, die Kinder warfen mir Steine nach, und die unglücklichen Bauern, von ihren Herren gepeitscht, waren zufrieden, wenn sie einen Juden sahen, um ihn zu beschimpfen und zu mißhandeln. Sie, so gedrückt , so gedehmüthigt, wünschten sich Glück, Menschen zu sehen, die noch niedriger standen, und die sie unbestraft beleidigen konnten. Ich überwand alle Schwierigkeiten; ich wurde Schneider, und da ich sehr geschickt war, fehlte es mir nicht, an Kundschaft. So vergingen einige Jahre; .schon begann ich, meine Herren, ganz leidlich deutsch 'zu sprechen, und ich befand mich nicht ganz unglücklich. Eines Tages bemerkte ich in den, Straßen einen Trupp Reiter, mit Helmen und glanzenden Waffen, dm Degen in der, Hand. Ich dachte, daß diese Krieger sich zu einem Marsche gegen die Feinde des Reiches rüsteten. Aber nein, gegen uns arme, waffenlose Juden zogen sie die Säbdl, und riefen: Tod oder Taufe! Es'waren Kreuzritter, welche "uns mit Gewalt zu Christen machen wollten/ — Ein großes Uebel! rief der Pater Martin aus. ' •— Ach! mein Herr, antwortete der Jude, es scheint euch kein großes Uebel'/ aber wenn nun Juden mit dem Säbel in der Hand Euch zwingen wollten, Euern Glauben zu verändern, so würdet Ihr nicht sagen: ein großes Uebel! denn, seht, ein Jeder liebt den Gott, den er seit seiner Kindheit "angebetet. Es gab kein anderes Mittel als zu fliehen. Ich nahm mein« Tochter, ich irrte von Stadtzu Stadt,, oft mangelte uns die Nahrung, oft wußte ich nicht, wohin in der Nacht den Kopf legen mit meinem Kinde. Ich wußte nicht,, wohin mich wenden, als das Gerücht zu Mir dam, baß an dem Ufer der Weichsel ein weiser und menschlicher Fürst herrsche, der alle Menschen'als Kinder Eines Gottes ansehe, und eine Zufluchtsstätte allen Unterdrückten, allen Unglücklichen anbiete., Vertrieben aus Spanien , aus Frankreich, bedroht in Deuschland, entschloß ich'mich, nach Polen zu wandern, indem ich zu Gott bat, den König zu segnen, der Mitleid habe mit unfern Thrane'n und unfern Leiden. Am Fuße der Karpathen angekommen, ehe ich noch die Gränze überschritten, sagte ich zu mir: Ben-Himmel, du bist aus Spanien gejagt worden, weil du einen König geheilt; du wardst in'Frankreich unter den Ersten verfolgt, weil du christliche Maaren übertroffen; in Deutschland hatte man dich vielleicht übersehen, wenn du nicht in einer großen Stadt gewohnt hättest; benutze deine Erfahrung; in Polen suche dir eine bescheidene Hütte,, weit von den Städten, lebe eingezogen, ziehe nicht die Aufmerksamkeit auf dich; vielleicht kannst , du deine Tage friedlich und ruhig enden. In der That, ich wohnte in der Mitte des Feldes, am Rande eines Waldes; ich beschäftigte mich nur ein Stück Landes zu bearbeiten. Wie Sie sehen, meine Herren, ich hatte noch nicht die Zeit, die polnische Sprache zu erlernen, als eines Tages die Wache kommt, mein Haus umzingelt, mich mit meiner Tochter in Haft bringt. Man klagte uns eines Mordes an. Wir Mörder, Mörder eines Kindes! Ich, ein Greis nahe dem Grabe, sie, die kaum zu leben begonnen! — Eine rührende Geschichte, wahrlich, sagte der Pater Martin, und wollte den Eindruck verwischen, den die Erzählung des Greises auf, die Versammlung gemacht; und wie .so kam denn das Blut auf dein Kleid, welches der König selbst da gesehen? — Ich werde antworten, mein Herr, wenn mich meine Richter fragen werden. — Der Pater , hiß sich auf die Lippen und ballte zornig die Faust. — In der That , sagte der Präsident, erkläre uns, woher deine , und deiner Tochter Kleider mit Blut befleckt, waren? — Meiner Tochter? Nein, mein Herr; die meknigen? ja. Fraget die Personen , die uns verhafteten, sie werden Alle aussagen, daß nicht ein Tropfen Blutes auf dem Gewände meines Kindes war. — Das ist wahr! riefen mehrere Stimmen. — Wohl, sagte der Kastellan, was war/das für Blut? > — Mein Herr, meine Glaubensgenossen, da sie meine Schicksale kannten, und wußten, daß in den schwierigsten

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