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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-26 · Heft 37 (26.3.1839) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 37 (26.3.1839)
Date
1839-03-26
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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130 Augenblicken keines Lebens, weil entfernt zu fluchen und zu blasphemirrn, ich' mich stets niederwarf, und demüthigte vor Gott^ wollten meine Frömmigkeit belohnen, indem sie mich zum Oberrabbi wählten. — Oberrabbi! wiederholte der Pater Martin, das bezweifle ich! ..... — Sa,: mein Herr, zum Oberrabbi; aber denket nur nicht, daß dieser Titel mit Einkünften verbunden ist. Wir haben weder Zehnten, noch Grundzins; wir haben nur neue Pflichten zu erfüllen , das ist Alles. Unter andern haben wir auch zwischen reinem, gesundem und verbotenem, krankem 'Viehe zu unterscheiden. Wir müssen beurtheilen, was trefen', was koscher ist. Als man mich meiner Hütte entriß, war es gerade Freitag, in den nächsten Tagen sollte Hochzeit bei dem alten Ionathas sein, der seine Tochter vecheirathete. Er war mit einem-Schaaf Und zwei Gänsen für das'gebräuchliche Mahl zu mir gekommen. Ich hatte sie geschlachtet, nm die Eingeweide zu untersuchen, wie das, Gesetz Mosi's es vorschceibt; das .Blut, welches man auf meinen Kleidern fand, war das Blut dieser Thiece; meine Tochter konnte nichts davon befleckt sein, da sie die Hütte bewachte, während ich im, Hofe das Schaaf untersuchte. Die Schleife und die Pferde, welche man bei mir fand, gehörten dem Idnathas. Fraget ihn, mein Herr, er wird ■ meine Worte bestätigen. ' — Dein Ionathas ist ein Jude, sagte der Pater Martin, er kann nicht als Zeuge dienen. Diese neue Unterbrechung verletzte den Stolz des Kastellans; er konnte die Anmaßung des Mönchs, der die Richter beherrschen wollte, nicht länger 'ertragen. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p o n d e n z e tu Ungarische Schulberichte. 2) Aus Waräsdin in Croatien. (Fortsetzung.) Daraus läßt sich erklären, warum 'die Kinder, die oft jahrelang eine Schule besucht haben, nach dem Austritte aus derselben, eben so wenig zu schreiben und rechnen, als unser heiligstes Buch zu erklären wissen. Dies allein Herr ^Referent ist die Ursache, warum die Eltern in Ungarn und überall, wo der. Unterricht noch sso beschaffen ist, ihre Kinder nur mit „Widerwillen in die Schule schicken." Auch wird dieser Widerwillen gegen unsere Schulen nicht eher aufhören, als bis sie sich dem Israeliten gnügend gestalten werden , welche Geftalrung aber, gerade aus diesem heftigen Widerstreben, aus diesem unaufhörlichen Kämpfen und. Ringen hoffentlich baldigst siegreich hervorgehen werde, denn dieses allgemeine Unzufrichensem mit denselben ist, nach meiner Ansicht, der unwiderleglichste Beweis, daß man auch-baö Mangelhafte derselben allgemein sühlr und einsieht,, und folglichauch nach dem .Bessern sich sehnt, um -her dieses Bessere baldigst herbeizuführen, haben wir nichts so sehr nörhig, als eine Anstalt, an der unsere Lehrer sowol für die Erwachsenen als für die Jugend — zu israelitischen. Lehrern.gebildet werden sollten. — Dies also Herr Referent, ist ein Grund, .der mich veranlaßte in meinem Berichte „Aus Croatin" zu sagen, daß man nunmehr auch in Ungarn das Bedürfyiß' des Unterrichtes allgem.ein lebhaft fühlt '). — Die Bemerkung aber: „Daß die Kinder in Ungarn mit noch großerm Widerwillen in die Schwule gehen, als sie ihre Eltern dahinschicken" verräth, daß der Herr Referent -beim Niederschreiben derselben, das Nachdenken nicht mit in Anspruch genommen hat; denn unmöglich konnte er gewollt haben, mit ihr den zweideutigen Sinn, den sie enthalt, aüözüdrücken.- Entweder sind die jüdischen Kinder in Ungarn , nach den oben angeführten Worten - von Natur aus mit einer solchen gesunden Vernunft, und richtigen UrtheilSkraft, mit einem solchen Scharfsinne und mit einer solchen tiefen Einsicht begabt, daß sie ohne alle Vergleichung, ohne alle Prüfung richtig und gründlich beurtheilen können, daß die Schulen, in die sie'ihre Ettern schicken, bei weitem weniger zu ihrer Ausbildung tauglich sind, als das sogenannte Cheder, in das ihre Eltern gegangen sind, und diese Ueberzeügung ist eS, die. es verursacht, daß . sie: „Min noch größer», Widerwillen in die Schule gehen, als sie ihre Eltern dahin schicken." Da uns der Herr Referent seine Worte als seine Ansichten hingestellr hat, und da nach dem einem. Sinne feinet soeben cilirten Worte , .die jüdischen Kinder in Ungarn von Natur auH schon so philosophisch, so talentvoll seien, und da uns die Biographien hinlängliche Beispiele aufbewahren, däß die meisten großen Männer, nichr. durch , die Schule, sondern meistens durch sich selbst, durch ihr Talent , groß geworden; so ist man hier berechtiget den Herrn Referenten aus Körmend zu fragen: warum nur noch die Israeliten Ungarns „die Verstockten, die Verirrten" sind, und warum sie nur noch allein: „im Schlamme verweilen?" 'Oder die jüdischen. Kinder in Ungarn empfinden — nach/dem zweiten Sinne seiner Worte — schon von Natur aus eine Unüberwindliche, idiosynkratische Abneigung gegen Schule, Unterricht, Bildung und Aufklärung rc. — Und ist diese Ansicht des Herrn Referenrcn wahr, so werdev sie „die philosophisch gebildeten" Redner nicht retten können; so wird „die ächte Weisheit" nicht im Stande sein, die Verstocktes zu erweichen, und die Verirrten auf die sanfteste Weise zum Rechten zu führen, unb aus „dem Schlamme" zu ziehen. Indessen ist weder der einenoch der andere Sinn dieser Worte auf die.Israeliten Ungarns anwendbar. Man findet unter ihnenwie unter den Israeliten, und wie unter allen Menschen überall, ausgezeichnete, offene, helle, gute, mittelmäßige und mitunter auch .seichte und dumme Köpfe \ man findet unter ihnen Mensä)en, von' wahrhaft edlem, gutem Herzen, die beseelt von edlem Eifer, das' gemeinsame Gute und Nützliche nach Möglichkeit zu. fördern streben, und die, um es zu erstreben, auchkeine' Opfer, keine Hindernisse und Schwierigkeiten scheuen; aber auch Menschen, die entweder nur für sich, oder in den Tag hineinleben, und die sich folglich für das allgemeine Beste^nicht im Geringsten rnteressiren, unendlich auch Menschen, die entweder aus purer Bosheit, oder öfter >noch, mehr aus Mangel an Einsicht, als auS Bosheit, der guten Sache Gegner und. Verfolge? sind. —- : „ ■ ‘ -(Fortsetzung folgt.) °) 3n Ihrem Merkchen „die Juden, ihre Bestrebungen rr. „ist daher, geehrter Herr Redakteur, die. Bemerkung: vom Ufer der Newa und der Raab (Fluß in -Ungarn) bis zu den Steppen von Neu-Süd- Wales schlagen die jüdischen Herzen für Bürgerglück, für Bürgertngend, für religiöse Feier und sittliche Anvollkommnung" nicht ungegründet. - - ' . C orresp. Redacteür: vr. L. Philippsvn. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfehfew.

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