Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 36 (23.3.1839)
- Date
- 1839-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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EKtvÄ Beibltttt z« Nv. 36. allgem. Zeitung -es Judenthums. Tagrs-Controle. Hamburg. Meditationen über die Verhandlungen in der holsteknschen Ständekammer Ln Betreff der Petition mosaischer Glaubensgenossen wegen Ercheilüng des Bürgerrechts in der 4L. Sitzung am 22l November 1838 von Dr. S te inheim. Altona, bei Gebrüder Bonn, zum Besten der isr. Volksschule IV. und 28 Der edle Steinheim, der Arzt, der über dem Körper nicht die Seele, der'Philosoph, der über dem Spiritualismus nicht das politische Leben vergißt, hat feine Stimme erhoben in einer Reihe von kurzen aber kräftigen Philippiken — die er, ich weiß nicht weshalb? Meditationen nennt — gegen die schmähliche Behandlung der Judenfrage in der holsteinischen Standeversammlung vom 22. Nov. 1838. Dort war nämlich die Petition der hochdeutsch jüdischen Gemeinde zu Altona um vollständige bürgerliche Gleichstellung zur Berathung gekommen und es' wurde nach einer höchst flachen Debatte , wie sie so flach leicht nirgends kn dieser Angelegenheit gehalten worden, der angeblich günstige Antrag des Deputaten von Altona, Etatsrath Donner genehmigt: den König um einen Gesetzentwurf zur Verbesserung der Lage der 'holsteinscheri Israeliten, mit Berücksichtigung der Rechte und Interessen der übrigen Bewohner anzugehen. Der Zweck des in dem Tone edler Entrüstung geschriebenen Schriftchens ist: Protest eiyzulegen gegen die Abweisung der eigentlichen Petition und gegen die engherzige Verzerrung derselben, damit die Welt nicht glaube, es sei den Juden nur um einige -elende Krämer-Vortheile zu thun. Es enthält auf seinen ^8 Seiten in körniger, heroischer Sprache eine Vindikation des Menschen - Hekmaths - und Bürgerrechts.wie sie noch nicht leicht schlagender ausgestellt ward, unterstützt von den edelsten Stimmen der alten und der Mitwelt, theils im Text theils als Motti der 9 Meditationen. Den vielen, uns wegen ihrer. Unhaltbarkeit sowohl, als wegen ihrer Heuchelei schon längst zum Ekel gewordenen sogenannten Gründen unserer moralischen und industrieller Peiniger reißt er die frömmelndeBilligkeits-Mgske ab und zeigt, wohin sie, bei einiger Consequenz führen, nämlich zu dem 1816 auch von dem Professor Fries in Jena, einem strengen Logiker, allen Ernstes anempfohlenen pharaonifchen Gebote der Kinderersaufung, was gm Ende doch noch human ist gegen die systematische Aushungerung, die in dem damaligen Zustand der Juden in Holstein liegt, welchen ein neuerliches Hausirgefetz de» einzigen - erlaubten Nahrungszwekg abgeschnittcn hat, begreiftiche.rweife ohne ihre sonstigen öffentlichen Lasten darum zu erleichtern.. Drei Redner in jener Versammlung sind es, die Steinheim vorzüglich oorxs L eorps nimmt. Zuerst den Präsidenten Löck, der ln der diesmaligen Sitzung ein völliges Stillschweigen in der Judensache beobachtete, weil das von -ihm in der vorjährigen Sitzung so lustig getummelte Roß? lein, das Argument „er könne die holsteinschen Juden nicht als Holsteiner anerkennen" von Rießern damals gründlich todtgeschlagen ist *). Diesen Herrn Löck stempelt, unser Verfasser nun zu einem der bündigsten Emancipationisten, da derselbe die ganze Sache von dieser,Heimathsfrage abhängig gemacht hat, und nach Entscheidung derselben natürlich nichts weiter zu sagen weiß. Zweitens den. Antragsteller Donner selbst, .den angeblichen Unterstützer der Petition, der sie aber erwähntermaßenbeschränkte mit den Worten : „Mögen unsere .Nachfolger die Ueberzeugung gewinnen, daß sie den König bitten, können, den mosaischen Glaubensgenossen alle bürgerlichen Rechte zu bewilligen: heute.kann ich es nicht," diese» fordert er auf zu beweisen, daß er Gründe habe, eine Gemeinde von 4000 Menschen in Bausch und Bogen mir erniedrigendem Charakter zu brandmarken; eine Gemeinde, dH sich ryit den kärglich übrig gelassenen Mitteln sauer.ernährt, in stiller Eintracht lebt, ihre Armen-treu unterstützt und zur Tragung aller Staats- und Gemeindelasten bereit ist; die noch dazu ihren christlichen Mitbrüdern hilft, wo Noch ist und ihr Vermögen tzinrer'cht — eine solche Gemeinde so . frevelhaft zu beschimpfen^ wie man es einem Einzelnen nie thun dürfte, ohne Abbitte und Ehrenerklärung leisten zu müssen. Er bezieht sich dabei auf bekannte, unabweisliche mit Ziffern belegte Tharfachen, auf die Statistik der Eriminalprozesse und Zuchthauferbevölkerung noch Confessionen, auf die von Klüber anerkannte hohe Bedeutung der jüdischen Ehe, auf die Seltenheit unehelicher'Gebürtes auf den Mangel an jüdischen Bordellwirthinnen^^), Mz Auch 'diese' Zeitung 1837 No.' 25 enthielt eine Zurechtweisung im' ähnlichen Sinne. ' *°) Stein heim bemerkt hierzu in einer Anm. wörtlich S. 11. „Doch ist mir eine einzige Erfahrung dieser Art aufgestoßen. Zu „mir kam nämlich eine derartige Wirlhin, die ich bald von jüdi-