Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 36 (23.3.1839)
- Date
- 1839-03-23
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
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55 diese -Note die Folge, einer Inspiration sein. Allein solche Inspirolion würde uns ndthwendkg zum Schlüsse führen, daß gar keine Inspiration möglich sei; denn Vas worauf Jedermann, kraft eines allen Menschen zukommenden Rechtes, Anspruch machen kann, hört eben, darum auf, ein Privilegium weniger auserwählter Individuen zu sein. Hieraus sieht man, daß Herr C. mit dem 'was wir göttliche Einae-: buncj nennen nur' einen Scherz treibt sind dies hatte mich beinahe verleitet auch meinerseits über seine Note zu scherzen. , Im Ernst aber genommen , räumt Herr. C. dem Verfasser der heiligen Schrift weder eine göttliche Eingebung, noch überhaupt die Gabe irgend einer Prophezeihung ein. Ueberall wo der Text eine Weissagung enthält, deutet er sie auf eine ganz natürliche Art aus, und wenn (Xüm. XXXIV. 17) die. Namen derjenigen aufgezahlt werden, welche das gelobte Land im Besitz nehmen sollten, so begnügt sich Herr C. ganz trocken dabei zu bemerken: Es ist offenbar, daß diese Liste na ch der Eroberung niedergeschrieben wurde. Eine so gewagte Behauptung aber Liebt.uns das Recht, Beweise darüber, von ihm zu fordern, und da er diese schuldig geblieben ist, so wird gewiß jeder vernünftige Leser einer einfachen Aussage der heiligen Schrift mehr Glauben beimessen, als der gratuiten Behauptung des Hrn. Cahen. Ich hoffe, mein bester Freund, Sie werden mich gerne der Mühe entheben wollen, noch andere Noten des Hrn. C. in l Erwägung zu ziehen, - da aus dem Gesagten genugsam erhellt, aus welchem Gesichtspunkte Herr C. den Pentateuch betrachte und was für Meinungen er darüber hege. „ , Nachdem es mir nun unmöglich ist, wiese seine Meinungen mit dem Begriffe, den ich. vom Iudenthum habe, in Einklang zu bringen, so konnte ich mit Recht sagen, seine Arbeit würde uns verleiten, die Grundsätze unsers Glaubens abzulaugnen und alles umzustürzen, was bei uns als recht und wahr angenommen wird., Herr C. mag meine Denkungsart, wenn er will, einen Rationalismus, des. 11. Jahrhunderts' nennen, ich würde meinerseits sehr betrübt sein, wenn ich. seine Meinungen als den überall herrschenden Rationalismus des; IS. Jahrhunderts zu stempeln genöthigt wäre. Unbegceif-, lich ist mir aber, daß Herr C. zwischen meiner Weigerung; seinen Ansichten beizupflichten, un^ zwischen meinem italienischen Ritus einen Widerspruch zu finden glaubt. Soviel ich urtheilen kann, betrifft der Ritus blos einige Ceremonien des äußerlichen Gottesdienstes, und hat auf Lehrsätze und Meinungen gar keinen Einfluß. Daß die spanische Schule zuerst, wie mir Herr E. erzählt-, die Anthropomorphismen der heiligen' Schrift auf eine philosophische Art erklärtes habe , ich bereits anderswo > gehörig zu. würdigen gewußt;, auch hat man in unfern Zeiten nicht mehr., zu besorgen,, daß der Kampf erneuert werde, der damals darüber gegen Maimuni em<gt wurde. Herr C. beschenkt mich am Ende mit zwei Citationen, wofür ich mich, wo nicht wegen des Inhalts derselben, doch wenigstens wegen seiner guten Absicht dankbar bezeugen muß. Die .erste enthält wie Worte, womit Maimunk den Gelehrten Warseille's . an empfahl, den Ergebnissen der gesunden .Vernunft . immer treu zu bleiben. Schon in meiner .Schrift. (Thora .et Plnlosophia, .p.: 78 et 107) hatte ich diese Stelle angeführt, um dadurch die Nothwendigkeit zu beweisen., alle unsere Forschungen auf. einen rationellen Grund zu bauen. Allein in einer kurzen Frist haben sich die Umstande gewaltig geändert. -.Statt, daß ich damals.als nöthig erachtete der Philosophie einen Platz' neben der Offenbarung zu sichern, scheint jetzt das Bedürfniß eingetreten zu fein, diese, letztere gegen die Angriffe, der .erstem zu vertheidigen. Vielleicht liegt aber der Grund dieser Veränderung einzig und allein in einer Ausschweifung, , deren der Rationalismus zu beschuldigen wäre, und eben diese auf die Cahenschen Noten gemachten Bemerkungen möchten dazu den Beweis liefern. , Die zweite Citation-betrifft eine. Stelle des! Karaiten Mardochaus, welche meines Erachtens keinen Bezug auf unfern Gegenstand hat. - Sie handelt blos von einer alten priesterlichen Ceremonke, die doch von einer Erörterung. über die Grundsätze unserer Religion himmelweit verschieden ist >. und mit ihr" nichts Gemeinschaftliches -hat. Noch einen Punkt in der Cahenschen Bibel muß. ich berühren, der manchen Leser derselben befremden muß. So oft in wer heiligen Schrift von Ceremonialgesetzen die Rede ist, bemüht sich Herr E. zu erklären, daß jene Vorschriften blos auf die alten Zeiten berechnet waren, nur in Asiens Klima ihren Grund hatten, und auf die damaligen Umstände allein anwendbar waren. Besonders jene, die den Genuß einiger Speisen verbieten, haben nach seiner Meinung einen medicinischen Zweck, der nur auf den Orient bezüglich'war (s. die Noten Tevit. III. 17. XI. I. XI. 45.). Ich nehme keinen Anstand, einzuräumen, daß den Ceremonialgesetzen vielleicht eben jener Endzweck zum Grunde liege, den Hr. C. und mit ihm eine nicht geringe- Anzahl unserer Gelehrten nn Deutschland ersonnen hat. Allein jeder - vernünftige Mensch wird mir hoffentlich auch einraumen, daß diese Auslegungsart am Ende nichts anders als eine Muthmaßung sei, die nur eine Möglichkeit, höchstens einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich 'hat. Zur völligen Gewißheit' könntesie nur wann gelangen, wenn die ersonnenen Beweggründe jener Vorschriften aus- . drücklich im Gesetzbuchs selbst .vorkämen. So lange der Ge-