Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 36 (23.3.1839)
- Date
- 1839-03-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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II. Jahrgang, Zr». 9 Literarisches nub homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 23. März 1839. Literarische Corresporrderiz. Brief des Herrn Jsaac Reggio zu Görtz an Herrn Löwenstein in Frankfurt am Main über die Bibel des Herrn Cahen zu Paris. (Schluß.) Das Judenthum ist, seinem Wesen nach mit dem Glauben an die Authenticität, Wahrhaftigkeit und Göttlichkeit des Pentateuchs so innig verknüpft und gleichsam verwebt, daß es ohne diesen Glauben schlechterdings nicht bestehen könnte. Die erleuchtetsten und gelehrtesten Männer in Israel aus alley Jahrhunderten haben einstimmig dieses Buch als die Grundlage unsers religiösen 'Systems, als die .Quelle aller Wahrheit, als die Richtschnur unsers religiösen Wandels betrachtet und sich von jeher bemüht, diesen Glauben mit unumstößlichen Beweisen aller Act zu bekräftigen. Diese Beweise sind so oft und in so verschiedener Form, sowol von unseren Gelehrten. als auch von andern Reli-. gionsparteien, angeführt, erweitert und wiederholt worden, daß es. ganz füglich als überflüssig erachtet werdenkann, selbe noch zu sammeln und hier aufzustellen. Ueberdi'es handelt es sich hier ja nicht, Jemanden davon zu überführen, sondern blos diese eine Thatsache darzuthun, daß-die jüdische Religion hauptsächlich auf der Annahme beruhe, der Pentateuch sei von Moses durch göttlichen Beistand niedergeschrieben worden, und enthalte keine einzige Angabe, die mit der Wahrheit in Widerspruch stände. Das . Aeugiiiß aller Rabbinen, selbst derjenigen, die der philosophischen Forschung nachhingen, bewahrt diese emo Thatsache, und wenn auch Aden Efta, dessen Worte von den neuern Rationalisten so begierig angeführt werden, die Authenticität einer einzelnen.Redensart oder eines einzelnen Textes in Zweifel gezogen hat, so erkannte er nichts desto weniger in mehreren Stellen seiner Schriften die Heiligkeit und Göttlichkeit des gesammten Inhaltes der 5 Bücher Mosis, als cine ausgemachte Wahrheit an, und würde sicherlich seine ganze irdische Glückseligkeitlieber dahingeopfert haben, als in seinem Lebenswandel nur einen Augenblick von den Vorschriften abzuweichen, die in diesem heiligen Buche enthalten sind. Der hochgefeierte Philosoph des verflossenen Jahrhunderts, der als die Summe alles rationalen Judenthums betrachtet, zu werden verdient, sprach sich in seinem Jerusalem hinsichtlich des -Pentateuchs folgendermaßen aus: „Je mehr ihr in demselben forschet, desto mehr erstaunt ihr über die Tiefe der Erkenntnisse, die darin verborgen'liegen. Die Wahrheit bietet sich zwar in demselben in der einfachsten Bekleidung, gleichsam ohne Anspruch, auf den ersten Anblick dar. Allein je naher ihr hinzudringer, je reiner, unschuldiger, liebe- und sehnsuchtsvoller der Blick ist, mit welchem ihr auf sie hinschauet, desto mehr entfaltet sie auch von ihrer göttlichen Schönheit, die sie mit leichtem Flor verhüllt, um nicht von gemeinen unheiligcn Augen entweihet zu werden." Ich halte mich' demnach zu der Behauptung berechtiget, daß ein Angriff gegen' den Pentateuch als ein Angriff gegen das Judenthum selbst zu betrachten sei, da dieses aus jenem entstanden ist, auf ihn sich gründet und mit ihm ein gleiches Schicksal zu erwarten hat. Es ist, meines Erachtens, nur dann möglich diese zwei Begriffe von einander zu trennen und unabhängig jeden Einzelnen siinen Weg gehen zu lassen, wenn man das Judenthum zu einem hloßen Deismus umformt. Ist es nichts mehr und nichts weniger, als eine natürliche Religion jene, zu der ich mich bekenne, dann brauche ich nicht einmal ein Buch aufzuschlagen, da ich die ganze Angelegenheit einzig und allein mit meiner Vernunft abzumachen habe. Enthält aber das Judenthum, wie alle Anhänger desselben von jeher geglaubt haben, neben den ewigen Wahrheiten, die allen Mensche^ zu ihrer Glückseligkeit unentbehrlich sind, auch noch Geschichtswahrhekten und eine geoffenbarte Gesetzgebung, so muß es nothwendigerwekse sich auf jenes Buch stützen, worin diese Geschichtswahrheiten und diese geoffenbarten Gesetze ausgezeichnet sind.; Sollte nun wirklich der Pentateuch Fabeln unter Gestalt von Geschichten erzählen, dramatische Dichtungen als Wahrheiten aufstellen, Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten aller Art 'als lobenswerthe Handlungen preisen, kurz Jrrthümer, Lügen, falsche Begriffe und Unrichtigkeiten enthalten, die nur durch menschliche Schwäche und durch eine zu sehr begränzte Vernunft zu' entschuldigen wären, so würde das Judenthum, seiner unentbehrlichen Stütze beraubt, nothwendigerweise fallen müssen.