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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-23 · Heft 36 (23.3.1839) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 36 (23.3.1839)
Date
1839-03-23
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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143 seinen Lesern verlangt) „das Besprochene auS der Quelle zu prüfen." Haben Sie das gethan, mein Liebster, so werden Sie gewiß trotz Ihrer Sanftmuth — doch ich will nicht zu hitzig werden, und nur — aber mit vollem Rechte — der Sprache des Gegners mich bedienen, die freilich eben nicht die feinste ist — so werden Sie, sage, ich, mit mir finden, daß gar Vieles, (Sie sehen, ich gehe nicht so weit wie ec, ich sage nicht: Alles,) was er aus Bibel und Talmud nachzuweisen vorgiebt, nichts als eitel Sand ist, gestreut in die Augen der Leute, die seine Gründe nicht prüfen, seine Eitate nicht nachschlagen (S. 5 u. 66), und es wird Sie Mühe kosten, Sich selbst zu überzeugen, daß irgend Jemand so verblendet oder so kühn sein sollte, eine solche Fülle von Unrichtigkeiten vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen, und so zuversichtlich deren Anerkennung zu fordern (S.Vi). Sie kennen mich, mein Freund, und wissen, was ich von den neuen Erleichterungsmethoden, Talmudbeurtheilungen (vom rein biblisch-exegetischen Standpunkte aus) und auf Hyperkcitik (der Bibel) erbauten Systemen halte, und daß die dagegen erhobene Rügen mich nicht treffen; aber auch für den Unbefangensten. ist es empörend zu sehen, wie Herr Hirsch überall Trug und. Täuschung wittert, und die Redlichkeit und Reinheit der Gesinnung, die sich doch den meisten seiner Gegner nicht absprechen laßt, durchaus verkennt und laugnet. Das ließe sich jedoch zum Theil daraus erklären, daß er ganz unvermögend ist, sich auf einen andern Standpunkt zu versetzen als den seinigen, weßhalb er die Ansichten und Absichten Anderer nie zu würdigen weiß. Daher kommt es, daß, auch wo er im Princip nicht Unrecht hat, wo er eine gegründete Bemerkung vorbringt, die Anwendung, die er davon macht, fast immer eine falsche ist, und den Anschein einer Verdrehung erhalt, und seine Folgerungen immer unrichtig werden, weil sie ins Extreme gehen. Doch wir mögen nicht mit ihm rechten, daß'er, um in seiner Sprache zu reden, keinen fremden Gaul reiten kann, und über die gefährlichen Sprünge, die derselbe mit ihm macht, ein wenig erbost wird. — . Mit mir hat er nun leichtere Arbeit, da darf er nicht erst um die Basis, um die Principien kämpfen, wir stehen auf gleichem Boden innerhalb des geoffenbarten Judenthums, wie unsere Weisen es uns überliefert (nur daß ich freilich nicht für Tradition gelten lassen kann, was sie selbst nicht dafür ausgeben), ich' will nur ihre Aussprüche (die sie als Menschen gethan),, und Anordnungen in ihrem Zusammenhänge nach ihren Gründen verstehen, und die Waffen, die ich brauche, sind so ächt jüdisch wie die seinigen, sämmtlich der heiligen Schrift und dem Talmud entlehnt. Sehen Sie einmal, mein Liebster, wie ec mir mktspielt, damit Sie feinem ächt ritterlichen Benehmen den gebührenden Beifall nicht vorenthalten. Doch muß ich Sie vor Allem bitten, ja genau nachzuschlagen, , unb weder mir noch ihm auf's Wort zu trauen p denn er fordert so oft dazu auf, daß Mancher sich vielleicht eben deßhalb die Mühe ersparen und denken wird, wer so zuversichtlich spricht, müsse seiner Sache ganz gewiß sein. (Fortsetzung folgt.) Briefe des Herrn Dr. Loewe aus dem Oriente. Dritter Brief. Nablous Ende Juli's 1838. ffeV rftrpn önma 'n ü-nb na ös\ö Nachdem ich oon,meinen Brüdern noch einen kurzen, herzlichen Abschied genommen hatte, wurde ich von ihnen, da die Füße mir die Dienste versagten, aufs Pferd gehoben, und verließ denn in Begleitung von mehr als 'fünfzig Personen die Statt. Die ganze Gegend sah einem auSgestorbenen Lande ähnlich, und auch in meiner Gesellschaft herrschte TodeSstille, denn jeder träumte von 'dem vergangenen schrecklichen Tage. Die Meisten von uns hatten sich in die Tracht der Beduinen geworfen, um auf diese Weise die vielleicht aufs. Neue kommenden Feinde zu täuschen. Gegen Mitternacht erreichten wir daS Dorf Rama*),'und beschlossen hier den morgenden Sabbat zu feiern. Außerhalb des Dorfes lagerten wir uns unter Olivenbäumen, und jeder labte sich an einem bervorgesuchten vertrockneten Stückchen Brodtes. In der Nacht hatten wir grimmige Kälte und am Tage die größte Hitze zu erdulden. Eine halbe Stunde-nach Sonnenuntergang schickten wir un6 - zum Aufbruche an, aber die arabischen Mauleseltreiber, die uns begleiten, waren der Meinung, daß wir diese Nacht noch hier zubringen müßten, da noch Feinde in der Nähe sein könnten. Wirklich hörten wir in diesem Augenblicke Stimmen in der Ferne, den Trott von Kameelen und Waffengeklirre, und aufs Neue bemächtigte sich Aller die Furcht vor einem feindlichen Ueberfalle. Ich faßte Muth, und befahl meinem Diener, mir sogleich mein Pferd zu bringen, in dem festen Entschlüsse, meinen Weg nach Acre allein fortzusetzen wenn er mich zu begleiten sich weigern würde. Wahrend wir noch darüber stritten erblickten wir in der Ferne mit Pulver beladene Kamcele, und mehrere Soldaten deS Paschas zur Bedeckung für dasselbe. Ich ging zur nächsten aufgestellten Schildwache und erkundigte mich nach dem Bestimmungsorte der Kamecle. Ich erhielt zur Antwort, daß sie am nächsten Morgen nach Acre aufbrechen würden, und daß reguläre Truppen auf der anderen Seite des Dorfes lagerten. Diese Nachricht fiößle Allen Mutb ein," und auch die Araber ließen sich nun bereden uns zu begleiten. ... Einige Stunden vor Sonnenaufgang gelangten wir an das Stadtthor Acre's. Die Wachen examinirten uns scharf, und erlaubten uns dann auf einem Begrabnißplatze vor der Stadt bis Tagesanbruch zu verweilen. Qualvolle Stunden waren diese für mich, da die Ausdünstungen der Gräber äußerst nachtheilig auf meine noch nicht geheilten Wunden wirkten. Kaum waren die •) Dies Dorf ist mit einer -roßen Meng« Olivenbäume bepflanzt, und zahlt aus diesem Grunde viele Einwohner.

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