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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-03-21 · Heft 35 (21.3.1839) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 35 (21.3.1839)
Date
1839-03-21
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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158 rm Jahrestag gefeiert, welchen wir schon seit 1839 Jahr e n abgeschafft.glaubten: wir meinen den Jahrestag der Befreiung des jüdischen Volkes durch Esther. Man hat also jene Tragödie, von Racine wieder hervorgesucht, gerade um jenen israelitischen Jahrestag zu feiern, und zugleich den Geburtstag der Dem. Rachel zu begehen, welche eine Jüdin ist, wie expreß, um die israelitischen Zeitgenossen in ihrer Hoffnung zu schmeicheln, welche Nichts erschüttert. Aber was hatte wol Frau von Maintenon gedacht, wenn man ihr gesagt hatte, daß das von ihr bestellte Meisterwerk Racine's einst wie ein Synagogengesang (cantique de Syn.agogue) behandelt werden würde l Was hatte wol LudwigXIV. gedacht, welcher sich in jenem morgenländischen Könige Ahasverus selbst erkannte, belastet mit so vielem Ruhme und so vielen Verbrechen; was hätte jener große katholische Dichter wol selbst gesagt, wenn ec hatte wissen können, was man einst aus diesem Werke machen würde, welches für die jungen christlichen Mädchen von St. Cyr bestimmt war? Sicherlich hätte Racine ausgerufen: Dieu des' Juifs, tu Feiuportes!" — Wir können nicht beurtheilen, in wie weit jenes Zusammentreffen beabsichtigt, oder zufällig gewesen — jedenfalls sicht man, daß man es nicht ohne Bemerkungen .wollte hingehen lassen. Aber wir sind nicht eifersüchtig! . Die oben erwähnte Opposition des Herrn Goudcheux bestand in dem Vorsitz bei der vorbereitenden Versammlung der Wähler des 6ten Pariser Arrondissements. — Viucf) Fould gehört zur Coalition; es ist ihm zu Quentin ein ministerieller Kandidat gegenüber gestellt worden, indsß ist er (zum vierten Male) wieder gewählt. — Belletristik. B ruchftü ck aus: I^o Kol des paysans par Jean Czynski. (Wir haben in einer Pariser Cvrresponde'nz bereits über diesen intercffanten Roman berichten lasten. Wir wählen eine der vielen effektreichcn Scenen, welche derselbe enthält, müssen aber zuvor unsre Leser mit den voraufgegangcnen Umständen bekannt 'machen. Adelige und Priester haben sich zum Untergänge des Königs Kasimir von Polen, der die Bauern begünstigte und frei zu machen bestrebte, verschworen; sie wollten, um ihre Plane auszuführcn, das Volk gegen die Juden aiifregen, und haben zu diesem Zwecke ein todtgeborencs Kind unter Umständen finden lasten, welche den Verdacht einer Ermordung auf Juden, s insonders auf den alten Ben-Himmel und sdine Tochter, die schöne Estcrka, warfen. Dennoch setzt eö Kasimir durch, daß ein ordnungsmäßiges Tribunal über diese Sache gehalten werde; er hat bei der Untersuchung Esterka gesehen, sie zu lieben begonnen, muß aber doch der Gerechtigkeit ihren Lauf.lassen. Esterka war, um fie zu schützen, auf dem Schlosse gefangen.gehalten worden. Ihr verlobter Ben-Joseph, der Held des Buches, hatte die Liebe des Königs bemerkt, aber er hatte auch den Tag deS Gerichts nicht so nahe geglaubt, und war mit den Maßregeln, eine von ihm entdeckte Verschwörupg gegen die Juden, die am nächsten Sonntage losbrcchen sollte, zu vereiteln, beschäftigt. Unter den übrigen Personen ist noch Gregoire zu; bemerken, früher Jäger bei dem Pan von Wola, dem Ben-Joseph das Leben gerettet, und der der>Vater jenes todtgebornen Kindes gewesen.) Der Gerichtshof. Die erste Person, welche Esterka bemerkte, als sie in den Gerichtssaal trat, war ikjr Vater Ben-Himmel; sie schrie laut auf, und warf sich zu seinen Füßen, welche sie mit ihren Armen umfing. Alle Anwesenden, selbst die Richter, selbst, die Wachen, wurden von der zärtlichen Liebe gerührt, welche die schöne Jüdin ihrem alten Vater bezeugte, der sie vergebens aufheben wollte. Sie blfeb auf den Knieen, ihre Lippen geheftet auf sein Gewand, und schien von ihm den Mutff zu erbitten, dessen er vielleicht selbst bedurfte. Sie verharrte in dieser Stellung, während ihr Vater, die Hände auf ihrem Haupte, ihr die zärtlichsten Segnungen spendete, bis zu dem Augenblicke, wo der Präsident das Zeichen gab, daß die Audienz beginnen sollte. Da erhob sie sich, und warf einen forschenden Blick auf die Gegenstände, welche sie umgaben; sie betrachtet die Richter, in deren Händen ihr Schicksal liegt; sie betrachtet das zahlreiche Publikum, bereit sie zu verwünschen, die Wache und den Henker, die. ohne Zögern das blutige Urtheil vollführen werden, so sie verdammt würde. Welche kräftige Seele würde in einer so schrecklichen Lage nicht gebebt haben? Esterka fühlt ihr ganzes Sein erzittern, sie konnte sich nur aufrecht halten; indem sie an die Liebe Kasimirs denkt, an seine Macht, die sie beschützt; sie bedurfte dieses Gedankens als ihre Blicke beim Eintritt in den Saal, neben der Thüre, die eines Mannes begegneten, der so bleich und unbeweglich da stand, daß man ihn für eine Marmorsäule halten konnte, über die man einen schwarzen Mantel geworfen. Dies war Ben-Joseph; wenn aber seine'Züge ihr keine Hoffnung verhießen, so versprachen sie doch Rache, sie sagten: Unheil über sie, so sie dich verdammen! Gelehnt an eine. Säule, schien es, als ob er sie im Augenblicke eines unglücklichen Urtheils umreißen und das Gebäude Umstürzen wollte, um unter seinen Trümmern die unschuldigen Opfer und die unbarmherzigen Richter zu begraben. Ein Jude war da an seiner Seite, die Augen auf die seknkgen gerichtet, ein Zeichen erlauschend; nur eine Miene erwartete er, um alle seine Gtaubensgenoffen herbei zu rufen zu einem schrecklichen und verzweifelten Kampfe. Esterka dachte nicht mehr an Ben-Joseph; sie freute sich seines Anblicks , denn sie kannte seine Macht, und sagte sich: Auch wacht über mich. Warum suchte aber Ben-Joseph nicht die Angeklagten durch " einen tröstenden Blick, durch ein Hoffnungslacheln

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