Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 35 (21.3.1839)
- Date
- 1839-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Jahrgang. 2lUjg£1ttHtt£ Nv. 35. Zeitung des Zudenthums. El» unpariheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit Königk. Sächsischer allergnädkgster Eoncesiion.) Leipzig, den 21. März 1839. Zeitungsnachrichten. Paris, jl. Marz. ^Privatmitth.) *). Ich sende Ihnen heute die sämmtlichen. Aktenstücke über den neuen Tsarphati'schm Streit, dessen Sie schon Erwähnung gethan. Es fehlen nur noch zwei Antworten des Groß-Rabbinen zu Metz, die ich in diesen Tagen erhalten und Ihnen sogleich übermachen werde. Uebrigens wird Ihnen der erste Blick auf die neuen Tsarphatifchen Briefe deutlich machen, daß es nicht mehr ein Verfasser, sondern mehrere sind. — Zugleich erhalten Sie einen Aufsatz eines Israeliten aus Marokko, dessen arabische Stellen Herr Munk corrigirt hat. — Als ein sonderbares Zusammentreffen bemerke ich, daß die Dem. Rachel gestern — am Purimfeste — die Esther (von Racine) gespielt hat. — In der gestrigen und heutigen Nummer des Journal des Debats werden Sie über die heftige Opposition des Herrn Goudchaux lesen, welcher israelitischen Glaubens ist. Hier bekämpft man den Herrn, fragt aber nicht nach dem Glauben, dem er angehöre. Herr Goudcheaur war vor einigen Jahren Präsident des israelitischen Konsistoriums zu Paris, spater Steuererheber (reeereur) in Strasburg. Cöthen, 1. März. (Prkvatmitth.). In neuester Zeit sind uns durch die Allg. Zeit.- d. Jud. mehrere erfreuliche Nachrichten zugekommen, nach welchen von erlauchten deutschen Fürsten Bewilligungen von Geldbeiträgen zur Deckung der Gemeinde- und Schul-Kosten der Israeliten in ihren Landen geschehen sind. ■ Um so mehr ist es Pflicht, auch unsrerseits unsern Dank gegen unsern Landesvater, Sr. ältestregierenden Durchlaucht, Herzog von Anhalt-Cöthen auszusprechen, welcher der seit 12 Jahren hier bestehenden israelitischen Religionsschule neuerdings nahmhafte Unterstützungen an Geld und Holzmaterialen bewilligt hat. — Schon seit 1810 sind wir Staatsbürger, sind den christlichen Unterthanen gleich gestellt, und haben uns auch der segensreichen Früchte dieser Erhebung zu erfreuen. Mehrere Mitglieder unsrer nicht sehr zahlreichen Gemeinde sind als Kaufleute der Kramer - Innung einverleibt, mehrere zünftige Meister (nicht bloß Freimeister wie in einem Nachbarlande,) die früher beträchtliche Zahl der Hausirec ist - fast ganz verschwunden, die männliche jüdische Jugend *)' Die folgenden Mittheilungen beziehen sich auf ein Paket, das noch nicht angekommen, und auf Grund dessen die Details wir vor Ankunft desselben nicht geben können. Redakt. J liegt bet Erlernung von Künsten, Gewerben und Wissenschaften ob, und bis jetzt ist kein Knabe aus der Religionsschule entlassen worden, der sich nicht sofort dem Betriebe eines bürgerlichen Gewerkes gewidmet hätte. In dieser wird nur Unterricht in der mosaischen Religion, dem jüdischen Kultus, der hebräischen Sprache, der biblischen und jüdischen Geschichte ertheilt; im Uebrigen besuchen die Kinder die städtischen Anstalten. Die Gemeindeangelegenheiten werden-von dem höhern Orts bestellten Vorsteher, Hofagenten Frredheim sicher und friedlich geleitete B. Itzehoe, 8. März. (Privatmktth.). Wer unsere Verhältnisse in Holstein genau kennt, muß mit tiefer Indignation über die letzten Verhandlungen der Provinzialstande erfüllt sein. Ist es doch, als ob sich Alles dazu vereinigt hätte, uns mit einem wahrhaften Alpdrücken zu beschweren, uns alle Quellen geistigen wie leiblichen Wohlbefindens zu verstopfen. Nirgends wol ist eine Versammlung, welche die Intelligenz einer Landschaft reprasenliren soll, mit eben so flachen, wie niederdrückenden Ansichten hervorgetreten, mit einer so diabolischen Mittelmäßigkeit, die am meisten überall für uns zu fürchten steht. Und dies in der Nachbarschaft.eines Landes, wo die Majorität sich für die 'Verleihung der Wahlbefahigung erklärt hat! Ich möchte dffen die Frage stellen: was für eine Meinung soll sich jetzt der völlig Unpartheiische von den Juden und dem Stande ihrer Angelegenheit, bilden? Ich bilde mir ein, es gäbe jetzt einen Solchen, und sieht er nun, wie man jenseits der Eider die letzte Schranke niederceißt, diesseits die äußerste zu erheben und zu befestigen sucht, was soll er für ein Gewicht auf allgemeine und specielle Tiraden, auf allgemeine und besondere Urtheile legen? Am Schlüsse muß er sich sagen: diese Angelegenheit muß. ihrem Wesen nach entschieden fein, aber es muß aufdie geistige Capacität derer, die zu entscheiden, auf die geistige'Temperatur des Landes ankommen! Sie werden mir sagen, was nützt diese Phrase, die, ohne materielles Gewicht, eben so der Unwirksamkeit anhermfällt, wie ihre älteren Schwestern? Abeö ich sage es Ihnen offen, wenn man nach Tröste sucht, greift man selbst nach einem Rasirmesser, und brächte es höchstens die Erinnerung an die Kahlhauptigkeit unsrer Hasser. Paris, 4. Marz. Wir haben oben schon berichtet, daß Dem. Rachel am Purimfeste die Esther von Racine auf dem Th. Fr. gespielt hat. Wir können nicht umhin, den (spaßhaften!) Eingang zu der Kritik, welche das Journal des Döbats heute giebt, hier mitzutheilen. Es lautet:' „Das Th. Fr. hat vergangenen Donnerstag einen fonderba-