Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 34 (19.3.1839)
- Date
- 1839-03-19
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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135 Gemeinden — freilich nur mittlere und kleinere/ und nur eine einzige' große: Hamburg — haben sich dafür bemüht, und — kaum 12000 Thlr. auf dem Papiere war der Ertrag zu dem schönsten, nothwendigsten. und, nützlichsten Unternehmen! — Nun, noch vor zwei Jahren schrieb man von jüdischen >Coterien, warnte vor, jüdischem Kastenwesen: nun ist doch wenigstens dieses Phantom zerfallen, die nichtige Seifenblase zerplatzt, und alle diese Anschuldigungen in Nichts zerflossen. Merkt.es euch, die Juden sind arm, sehr arm — die Pr. St. Ztg. sagte es doch neulichst auch — was zufällig fast noch den Namen Jude führt,' gehört eben nur dem Namen nach noch zu ihnen. Und von deni Ausrichten dieser Armen sprechen, kann man „faseln" nennen, weil einige Reiche noch den Namen führen — wo bleibt das deutsche Gemüth? — Wie wir schon einmal gesagt: man zeihe uns keiner Selbstsucht! Die Spalten dieser Blatter haben es schon oft erwiesen, wie freudig sie sich jeder Mittheilung eröffnen, mit welchem Jubel 'sie jede Nachricht bringen, welche von einer alle Glaubensparteien umfassenden That, von einem alle Confessionen betreffenden Werke, die von einem Juden ausging beme'ldet. Mögen immerhin unsere Reichen nach dem Vorgänge jener Familie einen kosmopolitischen, oder auch gar keinen) Standpunkt einnehmen. Heil den Anstalten, wo, wie es 2 B. Mos. 30, 15 heißt: der Reiche nicht mehr, der Arme nicht wenige,r bringt, einen halben Schekel ein Jeder — denn da hört jeder plutokratische Einfluß auf, und nur der Geist und die Frömmigkeit dürfen die Stimme erheben. Wir hatten nie uns unterfangen, uns darüber verlautbar^ zu machen. Dann aber, wenn trotz dem die Angelegenheiten der ganzen Judenheit davon abhängig gemacht werden, wenn von dem vermeintlich nachtheiligen Einfluß Jener ein bestimmt nachthei- ,liger Einfluß auf die Verhältnisse aller Juden geübt wird, wenn man unser, nur auf geistige Bildung und bürgerliches Glück zielendes Streben darum verkennen undmißachten will: so ist es wahrlich an der Zeit, so ist es hohe Pflicht, Freunden und Gegnern das richtige Verhaltniß klar zu machen. Gott sei Dank! noch beuget sich Israel nicht vor einem goldenen Götzen! > Ehret und liebet den König und das Vaterland, meine Brüder!- Gehorchet ihren Gesetzen im Offenbaren und Geheimsten! Strebet unablässig nach Bürgertugend! Umfasset dabei eure Religion mit Treue, Helligkeit und wahrer Herzensbildung! Verachten, aber wollen wir alle Bemühungen, die nicht auf diesen drei Grundvesten rühm: König, Vaterland und Religion! Wir kennen den hohen Beruf, -für Euch zu sprechen, und scheuen Niemanden, ihn zu erfüllen! — Der Herr wird Alles zum Besten lenken! Auszüge. Aus des Herrn Salvador's neuestem Werke. Mit Bem erkungen. (Fortsetzung.) Von Abraham geht unser Verfasser zu Moses über, dessen Tendenzen und. Charakter ec folgendermaßen darstellt. Moses, in le'gislativer und moralischer Beziehung das tiefste und mächtigste Genie, das je unter den Menschen erschienen, wollte die hebräischen Stämme in ein wirkliches Volk umwandeln. „Er bekleidete sie mit einer Nationalität, deren Fundamentalprincip fast bei jeder Gelegenheit verkannt worden ist, nämlich: durch ein unauflösbares Band das besondere Recht mit dem allgemeinen Recht, die Bestimmungen des neuen Volkes mit den Bestimmungen der Welt zu einigen, (ä' unir eutre eux par im lien indissoluble, Ie droit particulier au droit general, les destine'es du nouveau peuple aus destinees du monde.)" Aber Moses blieb nicht mit Abraham dabei stehen, die Einigkeit Gottes unter der Eigenschaft der Kraft und Macht zu personnisiziren, sondern er heiligte in diesem -Gotte die vollkommne Einigkeit des Seins unite intime de l5 Etre.) Nach ihm giebt es nur ein einziges'Dasein, welches in Ewigkeit wirksam, -stetig ist, welches allen andern Daseienden, bekannten oder unbekannten, das Leben giebt, und das sie alle erhalt, um sie Alle in sich zurückkehren zu lassen, mit einer Ordnung und unter Bedingungen, aus denendie Gesetze der Welt, der menschlichen Moral und der Organisation der Gesellschaften resultiren. „Durch eine unmittelbare Analogie, fährt S. fort, erscheint dieses Princip der Einigkeit unter einer andern Form in der neuen Gesetzgebung wieder. Auch hier ist, im Gegensätze zu dem System der Kasten, ein höheres Sein für jede Person, für jede Klasse, für alle öffentlichen Gewalten; ein unsichtbares Sein in der Wesenheit (un etre invisible par essence), aber immer gegenwärtig, aus welchem alle Individualitäten fließen, und in welchem alle absorbict sind, das Volk, wenn man diesem Worte den erhabensten und edelsten Sinn giebt, .das Volk, wie ein . Mensch dargestellt, zugänglich allen Freuden und allen Leiden, seinen eigenen und charakteristischen Namen, welcher Geradheit und Kraft (droiture et force) bezeichnet, und seine, persönliche Empfindung habend." (Israel tmb >*«)., sJn einer Anm. bemerkt S., daß die Namen der alten Völker sich immer in dem Namen ihres Ahnherrn wieder fanden, daß aber der Name des israelitischen Volkes ganz besonders im. Interesse einer Idee, eines Princips gebildet worden, und bei den Söhnen Abrahams und Jacobs die Namen ihrer Väter ersetztes — Im Folgenden widerstreitet S. kurz der gewöhnlichen Ansicht,