Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 34 (19.3.1839)
- Date
- 1839-03-19
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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136 daß das hebräische Volk isolirt fein sollte, da es km Gegentheil „für alle Pölkecschaften der Welt eine Fahne, ein Licht, ein der Berathung und Nachahmung würdiges Muster^ sein sollte. Weshalb zu jeder Zeit die Fremdgebornen, die sich Israel nähern wollten, freundlich ausgenommen wurden."') Indem nun eine glanzende Poesie sich dieser Ideen bemächtigte, stellen sich aus diesen zwei Prinzipien heraus, nämlich: Wenn die Hebräer treu bleiben, so würde die Person des Volkes (la'personnification nationale), das Volk im idealen und collectkven Sinne, ohne schwere Prüfungen zu bestehen, all sein unveränderliches Geschick des Friedens, Reichthums, Ruhmes erfüllen, und, nach Verhältniß der Zeiten und Umstände, die Wissenschaft des reellen Lebens, aus der es sein hauptsächliches Objekt machen würde, bis zum höchsten Grade erheben. Dann würden die erstaunten Nationen von allen'Seiten herheiströmen, um in die Orakel des Gottes eingeweihet zu werden, welchem sie ihre Huldigungen brächten; eines Gottes, der sich allen Menschen ohne Unterschied und ohne Mysterium enthüllte, der die Völker durch Weisheit und Kraft aus dem Zustande der Sklaverei ziehe, und ihnen sage, mit erhobener Stirn zu wandeln; der sie nur dem wohlthuenden Joche des Gesetzes unterwerfe; der endlich sie lehre, ihre Kriegsgecäthe in nützliche Werkzeuge zu verwandeln." (Das ist, sagt S. in einer Anm., eine unerschütterliche Ueberzeugung, daß seine Lehre einst die ganze Erde umfassen'würde, ohne im Eifer des Proselytismus zu der Gewalt der Waffen zu greifen.) „Wenn, aber die Hebräer auf einen falschen Weg gerathen würden, so würden schwere Lehren daraus folgen für die andern Völker, unter einer feindlichen unglücklichen Aussicht. Dieselbe Person des Volkes, der Mensch der Gradheit und der Kraft, als Opfer den bittersten Schmerzen preis gegeben, zerrissen durch seine eigenen Kinder, würde seine Glieder zerstreut sehen durch alle Gegenden der Erde, würde der Spott aller Völker werden; sein blutiges Gewand würde in Stücken zerrissen, und Man würde ihn wie einen Todten im Staube liegen sehen — aber um von Neuem zurückzukehren zum Lichte, um jünger und glanzender wieder aufzustehen, weil es weder dem Gedanken, der bei seiner Schöpfung vorwaltete, noch dem Interesse des Menschengeschlechtes angemessen wäre, ihn umkommen zu lassen." Nach dieser Auseinandersetzung der Heiden mosaischen Principien, der Einheit des göttlichen Wesens und der Nationaleinheit: verfolgt ec die geschichtliche Verwirklichung Beider. Er wirft einen Blick auf David, der den Staat nach außen gesichert, nach innen gesichert hat; auf Salomo, zu dem die Weisen der Völker kamen, denen er die hebräische Idee von dem Leben als Wohlthat des Höchsten, *) Wir machen noch einmal.darauf aufmerksam, daß wir vorerst die Ansichten Salvador« ohne Unterbrechung geben, und erst später die nöthigen Einwände heranbringen werden. Es sei nur hier schon bemerkt, daß wenn auch für die Suk unft das hebräische Volk zum „Panier" für alle Nationen »zur religiösen Erkenntniß und zum religiösen Rechte bestimmt ward, für die ersten Zeiten dennoch allerdings eine Jsolirung einrreten muß-' te, um die göttlichen Gaben in Israel bis zum allmählichen Heranreifen der Menschheit zu bewahren und auSzuarbeiten. Redakt.. gegen den orientalischen MysticksmuS, daß die göttliche Wohlthar im Tode und der Anfang der wahrhaften Existenz in den Nekropolen (Grabeshöhlen) bestehen, erwies; auf die Spaltung in zwei Reiche; auf die politischen Gründe, welche im israelitischen Staate den Götzendienst erstehen ließen. „Aus entgegengesetzten Gründen, fahrt er fort, und um sich mehr von den abgefallenen Stammen zu unterscheiden, gab das Volk des jüdischen Königreiches, wo der allgemeine Geschmack an religiösen Ceremonien alle seine Kraft ausübte, einem nicht weniger übertriebenen Hange zu Cultusfocmen nach. Dies ist der natürliche Ursprung des Judenthums im besonder» Sinne. Dieser vorzüglichste Zweig des Hebraismus, welchen die pharisäische Schule entwickelt und erschöpft hat in der ganzen Ausdehnung seines Pnncips, 'mußte seinen ganzen Geist, seine ganze Kraft daranfetzen, die Forderungen der äußern Praktik um so mehr anwachsen zu lassen, je mehr ihm dies Gesetz in seiner religiösen, nationalen und moralischen Existenz bedrohet schien."' > Unter diesen Umstanden ertönte die Stimme der Propheten. Einerseits die schiefe Stellung des Staates, das Eindringen des Götzendienstes, die tägliche Verletzung der nützlichsten und geheiligsten Gesetze, die Kämpfe beider Reiche, die Hülfe, die sie von fremden und entfernten Völkern holten, der Vortheil, den diese Zwietracht den nächsten und gehässigsten Feinden des Landes verschaffte; von der andern Seite die Thorheit dieser Nachbarvölker, den Untergang der Hebräer zu suchen, anstatt sich sammtlich zu vereinigen, um die Giganten Assyrien und Babylonien gemeinsam zurückzuweisen — alles dies ließ sie den Fall bald dieser Völker, bald Judäas vorausverkünden/ mit dem steten Unterschiede, jene, einmal gefallen, würden nie wiepec erstehen, während eine unvermeidliche Stunde des Wiedererwachens für die hebräische Volksperson, welche mit der Natur der Welt verbunden , immer Kräfte genug besäße, allen diesen Erschütterungen zu widerstehen, kommen würde. Dies Letztere personisizirten sie in einem Spcößlinge Davids, der, eben so wie dieser die Gewalt des Geistes mit der Gewalt der Seele und dem Muthe verbindend, über,alle äußere Unterdrückung tciumphiren, der Gerechtigkeit ihre Rechte, dem Volke seine Würde, dem Leben seine Süßigkeit wieder ertheilen, und endlich das wahrhafte Israel, nach seiner ursprünglichen Bestimmung zur Standard und zum. Panier aller andern Völker der Erde machen würde, so daß alle Familien der Kinder Adams nur eine einzige Völkerfamilie, eine durch die andere durch die wundersamste Eintracht belebt, külden würden. > Samaria fiel, und götzendienerische Colonien wurden dahin versetzt, welche, indem sie mit ihren Ideen und ursprünglichen Culten die Annahme der mosaischen Gesetze verbanden, mehreren Sekten den Ursprung gaben. Anderthalb Jahrhunderte später fiel Jerusalem, und der Eroberer versetzte die erleuchteten und industriöseften Bewohner Judäas nach Babylonien. Andere Banden begaben sich nach Egypten. (Fortsetzung folgt.) Redacteur: vr. L. Philippson.Verlag vbn Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.