Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 33 (16.3.1839)
- Date
- 1839-03-16
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Herren von Bethmann und Karl von Rothschild in Frankfurt am Main brachten, der Stab gebrochen, und es heißt daselbst: „Was faseln wir noch von Judenemancipation und ob dieselbe eintreten kann oder nicht, während wir um nichts Eifriger zu beten haben, als um unsere eigene Emancipation aus Judenhänden, ff." Es handelt sich hier nicht um den Eremiten, nicht darum, daß er jetzt für Lächerlichkeiten und Faseleien hält, worüber er noch vor wenigen Monden, nach seiner jetzigen Ansicht, gefaselt und sich selbst lächerlich gemacht, nach unserer Meinung, mit Ernst, Kraft und Energie ausgesprochen, und alle Gegner für Schwachköpfe und Dummbärte gescholten hat. Es handelt sich hier um die Meinung und das klare oder dunkle Gefühl Tausender. Wohl wissen wir, zu unserm Schmerze, daß die abstoßende Gesinnung gegen die Juden in Deutschland, welche , zur Zeit der Freiheitskriege fast ganz geschwunden, mit dem Wachsthume des Rothschild'schen Hauses gewachsen, und daß die Geldgröße desselben und Consorten die jüdische Sache gedrückt hat, so daß je höher jenes stieg, diese desto tiefer sank. Wohl wissen wir,-zu unserm Schmerze,- daß das Beispiel des Rothschild'- schen Hauses manchen tüchtigen Mann unsers Glaubens verlockt, und von der Bahn segensreicher Industrie auf den hohlen Weg des Papierhandels geführt hat. Der fleißige Leser unsres Blattes wird auch beim Beginn des ersten Jahrgangs bemerkt haben, daß, als sich das Gerücht verbreit tete; die Häupter dieses Hauses begannen, den Wegen der Industrie sich zu nahem, wir diese Nachrichten damals begierig - aufnahmen — was uns spater so falsch ausgelegt ward, indem unsere innere Absicht so ganz verkannt ward. Wir protestiren aber feierlichst gegen die Verbindung und Vermengung der gedachten Umstände mit der „Judenemancipation" folgender Maßen. Zuerst: Wir maßen uns nicht an, über den eigentlichen Werth oder Unwerth , über die guten oder schlechten Folgen des Geldhandels, in seiner allgemeinen Stellung zur gegenwärtigen Weltlage zu urtheilen, wir trauen uns nicht die Einsicht zu, zu beurtheilen,-ob jenes Haus und Consorten den Einfluß auf die Begebenheiten haben, welche der Eremit und mit ihm -Viele so grell darstellen; es kommt auch auf unsere individuelle Ansicht, die wir übrigens oben schon angedeutet haben, gar nicht hierbei an. Bemerken wollen wir übrigens, daß die Ardoin's, die Tartoni's (ritt stehen nicht für die Richtigkeit dieses Namens) in Nom ff. nicht auch Juden sind, und daß die Häupter des Papierhandels also nicht bloß Juden sind... . Zwe i tens:. ' Wir müssen die jüdische Angelegenheit durchaus von dem ganzen Rothschild'schen Häufe arnd Coru sorten gänzlich trennen. Wer kann auftreten, und sagen, daß diese Leute irgend jemals für das JudeNthum, für dessen äußere oder innere Emancipation, für dessen bürgerliche oder geistige Erhebung jemals, etwas Wesentliches ge» than haben? — — Wer das uns erweisen könnte, der sage, die Judenemancipation muß. jenen hintennachstehen! Die alten Häupter jenes Hauses hängen d?r Orthodoxie an, die jungen, offen gesagt, wie es scheint, gar keinem Judenlhume. Haben nun jene etwa der Orthodoxie zur Stütze gedient? haben sie ihr auszuhelfen gesucht? Haben sie einen Lehrstuhl des orthodoxen Judenthums gestiftet? ein großes Lehrhaus (Lot llammiärasell) errichtet? haben sie einen Talmud oder rabbinische Schriften drucken lassen? Die Orthodoxie hat sich für nichts bei. ihnen zu bedanken! — Die Jün goren, haben sie etwa die Gründung einer wissenschaftlich-theologischen Fakultät des Judenthums mit einem Kreuzer unterstützt? haben sie wißbegierige Jünglinge studiren lassen? haben sie die Literatur wesentlich befördert? haben sie der Verbreitung der Künste und Gewerbe unter den Juden großartige Mittel geliehen?-Nein! Nichts — es ist schrecklich zu sagen — Nichts, haben sie gethan. . O, wir können viele, viele edelmüthige Christen aufzähten, die ihr Scherflekn bekgetragen, wir können viele Handelsmänner nennen, die unter der Last ihres Päckels unterliegend, ihre Dreier dem Sammler brachten, aber diese Juden nicht! Und was hat also das Judenthum mit ihnen zu schaffen??? Oder haben sie bei hochherzigen Regierungen nur ein Körnlein ihres sogenannten Einflusses angewendet, den Entschlüssen jener, zur Cultivirung und Emancipirung der jüdischen. Masse Schritte zu thun, entgegenzukommen? Nein! — sondern wir wissen, daß als ein hochherziger Edelmann den- Herrn. Baron von Rothschild bei Gelegenheit dazu aufforderte, ■ da er das Referat in dieser Sache hatte , er eine völlig ablehnende Antwort erhielt! -- ' (Schluß folgt.) C o x x e s p o n t e n z e rr. Cassel. Schluß, des Artikels in No. 3 d. Bl. S. 11. *) Die großartige Freigebigkeit, mit welcher der Herr Baron Anselm v. Rothschild zu Frankfurt seine Theilnahme an Gemein» wohl und religiösen Zwecken zu betätigen gewohnt ist, hat sich auch bei unserm Synqgogenbau aufö Glänzendste bewährt. .Herr Baron v. R. hat den hiesigen Gemeindeältesten eine Spende von 30Ü Louisd'or für die neue Synagoge zukommen lassen, welche °)Durchbesondem Zufall, ohüe Verschulden des Referenten, ver-, später... D. Redakt.